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Die Orgel der Stadtkirche St. Marien in Celle

Barock-Orgel
Zeitleiste
Disposition

Zentrum Stadtkirche
Die Gemeinde
Anschrift/Öffnungszeiten
Rundgang
Geschichtliches aus Stadt und Stadtkirche
Baugeschichte der Stadtkirche


Barock-Orgel

Die erste Orgel der Stadtkirche stand seit dem frühen 15. Jahrhundert wohl im nördlichen Seitenschiff über der Sakristei. Das heute zu sehende Instrument stammt jedoch von 1653. Der Celler Herzog Christian Ludwig spendete mit dieser Orgel eines der seinerzeit bedeutendsten Instrumente in Norddeutschland, erbaut von Hermann Kröger und Berend Hus, dem späteren Lehrmeister von Arp Schnitger. Den prachtvollen Orgelprospekt schnitzten Ahrend Schultze aus Hoya und Andreas Gröber aus Osterode. Nachdem die Stadtkirche im barocken Stil umgebaut war, investierte der Celler Herzog nochmals in das Instrument und dessen prachtvolle Ausgestaltung: 1687 erhielt die Orgel zu Hauptwerk, Rückpositiv und Pedalwerk noch ein Brustwerk hinzu. 1697 erfolgte die reiche Vergoldung und wohl auch die ungewöhnliche Bemalung der Orgelpfeifen.

Berühmte Kantoren und Organisten wirkten in dieser Zeit an der Stadtkirche und am Hofe, so Delphin Strungk (1601-1694), Wolfgang Weßnitzer (ca.1615- 1698), Joh. Georg Kühnhausen (gest.1714) und Melchior Brunckhorst (gest. 1720).

Bis zum Jahr 1912 blieb die Barockorgel fast unverändert, lediglich wurden 1834 die Windladen ausgetauscht. Mit dem Bau des Kirchturmes aber erschien das Werk als nicht mehr zeitgemäß. Es wurde abgerissen und durch ein neues, spätromantisch geprägtes Instrument der Firma Furtwängler & Hammer ersetzt.

Der Denkmalpflege hat Celle jedoch den Erhalt der prachtvollen Fassade zu verdanken, hinter der die neue Orgel eingebaut wurde. 1969 wurde diese ersetzt durch ein viermanualiges Instrument der Fa. Kleuker.

Bedingt durch die Stuckdeckensanierung der Jahre 1993-1999 musste die Orgel vollständig abgebaut werden. Da der historische Prospekt starke Schäden aufwies und das künstlerisch eher mittelmäßige Orgelwerk von 1969 ebenfalls schadhaft war, entschied man sich für die Rekonstruktion der Orgel von 1687. In den Jahren 1997-1999 wurde das gesamte Orgelgehäuse durch Orgelbaumeister Rowan West aus Ahrweiler in traditioneller Tischlerarbeit wiederhergestellt; die historischen Teile wurden freigelegt und restauriert. In den Bautechniken der Schule Arp Schnittgers wurde das klingende Orgelwerk rekonstruiert; die historischen Prospektpfeifen wurden mit Zinnfolie foliert und wieder auf den Originalklang zurückgeführt. Durch ein zusätzliches Hinterwerk, das auch Musik anderer Stilepochen spielbar macht, hat die Orgel nun 50 klingende Register auf 4 Manualen und Pedal.

Im Jahr 2015 wurde an der Orgel Bleifraß entdeckt. Seitdem bemüht sich die Gemeinde darum, Spenden zu sammeln, um die Restaurierung der historischen Pfeifen in Auftrag geben zu können. Erste Arbeiten werden derzeit (06/2016) von Orgelbau Hillebrand durchgeführt. Details wurden uns bisher auf unsere Anfrage von der Gemeinde und dem Orgelbauer nicht mitgeteilt .

VIDEO: Ein Stück Orgelgeschichte: Diane Bish an der alten Kleuker-Orgel in der Stadtkirche


Zeitleiste

1400 Erste Erwähnung einer Orgel, die oberhalb der Sakristei stand und »hydraulier sive organiste« gespielt wurde
1550 Orgelneubau durch Meister Harmen aus Braunschweig.
1558 Umbau der Orgel
1634-1637 Delphin Strungk Hoforganist
1653 Stiftung einer neuen Orgel durch Herzog Christian Ludwig, Werk von Harmen Kröger, Minden, (dessen Geselle Berend Hus war, später der Lehrmeister von Arp Schnitger). Prospekt von Arent Schulze, Hoya.
1655-1698

Wolfgang Weßnitzer, Hof- und Stadtkirchenorganist. Verfasser zahlreicher Melodien ( vgl. EG88) und Schreiber einer umfangreichen Orgeltabulatur.

1685-1687 Erweiterung der Orgel durch Martin Vater. Peter Christian Limmer, Celle, gibt dem Prospekt die heutige Gestalt.
1697-1720 Arnold Melchior Brunckhorst Organist an der Stadtkirche.
ca. 1700 J. Georg Kühnhausen”Passiosecundum Mathhaeum”.
ca. 1702/1703 Johann Sebastian Bach besucht Celle und studiert hier die französische Hofmusik.
1834-1835 Renovierung und Umbau der Orgel durch Hoforgelbaumeister Ernst Wilhelm Meyer, Hannover.
1913 Abbruch der alten Orgel. Nur der Prospekt mit 192 Pfeifen bleibt erhalten. Neubau durch P. Furtwängler & Hammer, Hannover.
1948 Dispositionsveränderung durch Hermann Hillebrand, Altwarmbüchen.
1969 Neubau durch Detlef Kleuker, Brackwede, unter Wiederverwendung des alten Prospektes
1997-1999 Rekonstruktion nach den Plänen von 1685-87 mit Ergänzung durch ein zusätzliches Hinterwerk durch Rowan West, Ahrweiler, Restaurierung des Prospektes durch Fa. Kummer, Sarstedt.
2015 Entdeckung von Bleifraß, die Zerstörung der historischen Pfeifen schreitet voran.


Disposition

Oberwerk (II,C-f3) Rückpositiv (I,C—f3) Brustwerk (III,C-f3) Hinterwerk (III, C-f3) Pedal (C-f1)
Principal 8’ Principal 4’ Gedact 8’
Principal 8’ Principal 16’
Quintadena 16’ Quintadena 8’ Blockflöte 4’ Traversflöte 8’ Subbaß 16’
Gemshorn 8’ Gedackt 8’ Oktava 2’ Viola da Gamba 8’ Octava 8’
Rohfflöte 8’ Rohrflöte 4` Tertia 13/5’ Octava 4’ Gedecktbaß 8’
Octava 4’ Octava 2’ Quintflöte 11/2’ Gedeckflöte 4’ Octava 4’
Coppelflöte 4’ Waldflöte 2’ Trechterregal 8’ Nasat 3’ Mixtur VI
Quinta 3’ Sesquialtera II Schalmey 4’ Querflöte 2’ Posaune 16’
Superoctava 2’ Scharff IV Tertia 1 3/5’ Trumeten 8’
Mixtur V-VI Dulcian 16’ Trumeten 16‚ Trumeten 4’
Trumeten 8’ Krummhorn 8’ Hobo 8’ Cornet 2’
Vox humana 8’ Tremulant Mixtur IV

Die Stadtkirche als geistliches und geistiges Zentrum

Seit 700 Jahren ist die Stadtkirche geistiges und geistliches Zentrum eines Gemeindewesens, das stets offen war für die drängenden Fragen der Zeit und des Glaubens. Innerhalb ihrer schützenden Mauern haben Generationen hohe kirchliche und familiäre Feste gefeiert, haben Trauer- und Jubelfeiern stattgefunden, haben junge und alte Menschen das Wort Gottes vernommen, haben Reiche und Arme Trost gesucht, haben Konzerte, Theateraufführungen und heftige Diskussionen den Kirchenraum belebt, und nicht zuletzt haben hier herausragende protestantische Kirchenmänner in allen Jahrhunderten gepredigt und gewirkt. Ohne die Stadtkirche und die von ihr ausgehenden Impulse wäre das Leben - auch in der gegenwärtigen Gesellschaft - für viele Menschen ärmer.


Die Gemeinde

Die Stadtkirchengemeinde ist die zentrale lutherische Gemeinde in Celle mit ca. 6000 Gemeindegliedern und einer fast 700jährigen Geschichte. Die Gemeinde umfasst in mehreren Pfarrbezirken die Altstadt sowie einige nördlich der Aller gelegene Stadtteile. Ausser der Celler Hauptkirche mit dem als Begegnungszentrum gestalteten Gemeindehaus sowie Pfarrhaus, Küsterhaus und Kantoreihaus –alles denkmalgeschützte historische Gebäude - befindet sich ein weiteres Gemeindezentrum im Ortsteil Altenhagen. Von der vielfältigen Gemeindearbeit geben die Gottesdienste, kirchenmusikalischen Ereignisse und sonstige Veranstaltungen, aber auch Gruppen und Kreise, ein lebendiges Zeugnis.

Die Angebote der Stadtkirche richten sich nicht nur an die eigene Gemeinde, sondern ebenso an die Menschen der gesamten Stadt Celle und darüber hinaus, vor allem auch an viele tausend Touristen, die jedes Jahr unsere schöne Stadt besuchen. So hat die offene Citykirchen-Arbeit eine große Bedeutung im Rahmen des Gesamtkonzeptes. Die Hauptkirche des Kirchenkreises Celle ist gleichzeitig Begegnungsstätte für eine ganze Region.

Die Stadtkirche Celle ist eine verlässlich geöffnete Kirche. Ein Team von ca. 15 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut die Kirche und einen gut sortierten Büchertisch, gibt Informationen und vermittelt auf Wunsch gern Kontakte zu den Pastoren. Eine kurze Besichtigung der Stadtkirche ist in das offizielle Führungsprogramm der Stadt Celle eingeschlossen. Ausführliche Führungen (Dauer 30 - 60 Minuten) für Gruppen melden Sie bitte im Gemeindebüro an (Tel. 05141/7735) .

Mitten in einer lebendigen Stadt ist sie ein Ort der Ruhe und Besinnung, ein Platz zum Gebet. Der Raum der Stille bietet die vielgenutzte Möglichkeit, trotz der Touristenströme einmal zur Ruhe zu kommen. Von überregionaler Bedeutung ist neben der Kirchenmusik die kirchenpädagogische Arbeit an der Stadtkirche für Kinder und Erwachsene. Mehreren tausend Menschen wurde auf diese Weise bereits das Bauwerk Kirche mit seinen Glaubensaussagen näher gebracht. Eine grosse Kindertagesstätte mit einer integrativen Gruppe rundet das Gemeindebild ab.


Anschrift/Öffnungszeiten

Evang. - luth. Stadtkirchengemeinde St. Marien Celle
Gemeindebüro
An der Stadtkirche 8
29221 Celle

Tel. 05141 - 7735
info(at)stadtkirche-celle.de
www.stadtkirche-celle.de

Offene Kirche
Dienstag - Sonnabend
Januar-März: 10 - 17 Uhr
April-Dezember: 10 - 18 Uhr
Sonntag nach dem Gottesdienst
Raum der Stille im südlichen Seitenschiff

Turmbesteigung:
von April - Oktober
Dienstag - Sonnabend: 10 - 11.45 Uhr
und 14 - 16.45 Uhr.
Im Winterhalbjahr: 12 - 15 Uhr nur bei guter Witterung.

Führung durch die Fürstengruft
Mittwoch und Donnrstag
16 Uhr und 16.30 Uhr


Ein kurzer Rundgang

Herzlich Willkommen in unserem Gotteshaus. Sie gehen hier den Spuren unzähliger Kirchenbesucher nach und begegnen Glaubenszeugnissen aus sieben Jahrhunderten. Vielleicht durchqueren Sie die drei Kirchenschiffe und denken dabei an die Dreieinigkeit:

an Gottes Schöpfermacht, das Vertrauen auf Jesus Christus
und die Kraft des Heiligen Geistes.

Wenn Sie zur Mitte des Hauptschiffes gehen, haben Sie einen guten Überblick. Schauen Sie nach oben, so sehen Sie über dem Chor eine besonders schöne mittelalterliche Kreuzigungsgruppe, das älteste Bildwerk der Kirche, um 1495 geschaffen. Unter dem Kreuz stehen Maria, Jesu Mutter, und Johannes, sein Lieblingsjünger. Wie Wächter stehen Petrus und Paulus an den Pfeilern vor dem Hohen Chor, der mit seinen gotischen Rippenbogen die Blicke nach oben führt. Die Stukkaturen der Engel und Pflanzen erwecken den Eindruck eines himmlischen Gartens.

Wie ein Schirm wölbt sich die Decke über den Altar. Beschirmt, beschützt dürfen die Menschen zum Altar gehen. Dieser so schmuckreiche, farbenfrohe Flügelaltar zeugt vom Kunstschaffen der Zeit von der Spätrenaissance zum Barock. In den Bildern kommt Jesus den Menschen ganz nahe. Die Epitaphe im Chorraum sind Gedenksteine an die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg, die seit dem 15. Jahrhundert in Celle residierten.

Ein besonderes Kleinod ist der 400-jährige Taufstein mit seinen sechs Alabasterreliefs in der gotischen Taufkapelle. Der Bergpredigeraltar des Celler Künstlers Erich Klahn bildet einen eindrucksvollen Gegenpol.

Als Herzog Ernst der Bekenner mit seinem Generalsuperintendenten Urbanus Rhegius die Reformation im Celler und Lüneburger Land einführte, wurde die ursprüngliche Marienkirche eine evangelische Gemeindekirche, eine Predigtkirche.

Für die schmuckreiche barocke Ausgestaltung sorgten später italienische Kunsthandwerker. Sie findet besonders Ausdruck in den Mustern und Formen der Stukkaturen des Tonnengewölbes. Die Kanzel wurde von dänischen Kunsthandwerkern geschaffen. An der nördlichen Empore sind Bilder zum Neuen Testament, an der südlichen zum Alten Testament zu sehen, die wie eine Bilderbibel angeschaut werden können. Umgeben von Emporenbildern ragt der reichgeschnitzte, eindrucksvolle Orgelprospekt auf, hinter den 1999 ein neues Werk nach den ursprünglichen Plänen von 1687 eingebaut wurde.

Die dem südlichen Seitenschiff angegliederte Petershalle mit Kruzifix und Altartisch aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde als vielgenutzter Raum der Stille eingerichtet.

In der Fürstengruft des Welfenhauses ist auch die Prinzessin Sophie Dorothea beigesetzt worden, die als Prinzessin von Ahlden bekannt war. Sie war die Grossmutter Friedrichs des Grossen. Als letzte wurde hier die Königin Caroline Mathilde von Dänemark bestattet. Dänische Besucher legen manchmal Blumen auf den Sarg.

Im Sommerhalbjahr können Sie den 74 m hohen Turm besteigen. Von hier aus haben Sie einen herrlichen Blick über die Stdt und das weite Celler Land.

Die Glocken der Stadtkirche erklingen weit über die Altstadt hinaus, und der Turmbläser lässt die Menschen aufhorchen, wenn er morgens und abends einen Choral bläst. In der Turmhalle und bei den Eingängen finden Sie Einladungen, Hinweise auf die Gemeindearbeit und auf Veranstaltungen. Am Büchertisch erhalten Sie Kunstführer und Karten, die Ihnen helfen, mehr von der Kirche zu erfahren und zu entdecken.

Wenn Sie die Kirche und die Stadt Celle verlassen und zurückblicken, sehen Sie den Stadtkirchenturm. Er ist ein Wahrzeichen der Stadt, ein Zeichen der Wahrheit der Glaubensbotschaft, denn Kirchen erzählen vom Glauben.


Geschichtliches aus Stadt und Stadtkirche

Die Stadt Celle entstand aus dem Markt Celle, dem heutigen Altencelle, das im späten 10. Jahrhundert als “Kellu” bezeugt und ca. 4 km südöstlich vom jetzigen Stadtzentrum entfernt ist. Der Name Celle entstammt dem sächsischen Wort “Kellu” und bedeutet “am Wasser gelegen”. 1292 verlegte Herzog Otto der Strenge (1282-1320), ein Urenkel Heinrichs des Löwen, seine Burg und den Ort flussabwärts auf eine Talsandinsel am Zusammenfluss von Aller und Fuhse. In dieser Zeit wurde auch der Grundstein für die im Jahre 1308 der hlg. Maria geweihten Kirche gelegt. Als wichtiger Schnittpunkt sich hier kreuzender Heer- und Handelsstraßen, wehrtechnisch und strategisch günstig gelegen, blühte die Stadt schnell auf.

1371 nahm Herzog Magnus hier seine Residenz, und 1378 verlegte Herzog Albrecht die Residenz des Fürstentums Braunschweig-Lüneburg von Lüneburg nach Celle. Nach dem Ende des Lüneburger Erbfolgekrieges 1388 wurde Celle welfische Residenz und blieb es bis zum Erlöschen der Celler Linie im Jahre 1705. Handel und Schifffahrt sowie die fürstliche Hofhaltung mehrten den Reichtum der mittelalterlichen Stadt. Bereits unter Herzog Ernst dem Bekenner (1497 -1546) wurde der Grundriss der Stadt im Schachbrettsystem nach Süden hin gezielt erweitert.

Dieser bedeutende Renaissancefürst führte mit dem Theologen Urbanus Rhegius (1489-1546) seit 1526 behutsam und umsichtig die Reformation in Celle ein. Nach dem Augsburger Religionsfrieden im Jahre 1555 setzte sein Sohn, Herzog Wilhelm der Jüngere (1535-1592), den Aus- und Aufbau einer stabilen Landeskirche fort. Auch dessen Sohn, Herzog Ernst II. (1564-1611) widmete sich der Förderung des kirchlichen Lebens. Er berief Johann Arndt (1555-1621) als Generalsuperintendenten nach Celle und an die Stadtkirche. Arndt gehörte zu den bedeutendsten Gestalten des nachreformatorischen Protestantismus. Seine “Bücher vom wahren Christentum” und das in Celle entstandene “Paradiesgärtlein” wurden zu Bestsellern der christlichen Weltliteratur. Es sind Erbauungsbücher, die von der lutherischen Rechtfertigung allein aus Gottes Gnade ausgehen; dann aber die Ausprägung christlichen Lebens im Alltag fordern. Seine Bücher waren so gestaltet, dass auch vielbeschäftigte Bauern und Hausfrauen die kurzen Abschnitte lesen konnten. So wurde es schon im 17. Jahrhundert in immer neuen Auflagen weit über Deutschland hinaus verbreitet. Das Nachschlagewerk “Gestalten der Kirchengeschichte” resümiert 1993: “In der Frömmigkeitsgeschichte des Protestantismus bleibt er eine Größe, die noch von keinem anderen überboten worden ist.”

Eine letzte Blüte als Residenzstadt erfuhr Celle unter Herzog Georg Wilhelm (1624-1705). Der italienische Barockkünstler Giovanni Battista Tornielli stattete sowohl das Celler Schloss als auch die Stadtkirche mit kostbaren Stuckarbeiten im Stil des italienischen Hochbarocks aus.

Nach dem Erlöschen der welfischen Herzogslinie in Celle im Jahre 1705 blieb die Stadt jedoch die Generalsuperintendur in kurhannoverschen Landen erhalten. Der Generalsuperintendent Friedrich Jakobi (1712-1791) war ein beredter Prediger und vielseitiger Schriftsteller im aufgeklärten 18. Jahrhundert. Neben der Schaffung eines neuen Katechismus und einer Liedgutsammlung trat er als erster Direktor der Königlichen Landwirtschaftlichen Gesellschaft für die Verbesserung der Landwirtschaft und ihres Standes ein.

Die Wirren des Siebenjährigen Krieges, die Befreiungskriege sowie die Einverleibung des Königreiches Hannover in den preußischen Staatsverband im Jahre 1866 hinterliessen in der Bausubstanz Celles keine Spuren. Auch die beiden Weltkriege verschonten die Stadt weitgehend. Als ihr weithin sichtbares Wahrzeichen belebt erst seit 1913 der 74 m hohe Turm der Stadtkirche die Silhouette der Stadt.


Zur Baugeschichte der Stadtkirche

Die Entstehung der Stadtkirche reicht in die Zeit der Stadtgründung Celles, am Ende des 13. Jahrhunderts, zurück. Der die Fachwerkbauten der Stadt überragende Hohe Chor mit seinem 7/12-Schluss, den hohen Spitzbogenfenstern und dem mächtigen Ziegeldach ist der älteste noch erhaltene Baukörper des Gotteshauses. Er stellt gleichsam das grosse Haus unter den Häusern der Stadt dar. Die ursprünglich rein gotische, querschifflose, aus Backsteinen errichtete dreischiffige Hallenkirche wurde im Jahre 1308 “unserer lewen frowe” - der Jungfrau Maria - geweiht. Sie liegt auf einer Anhöhe zwischen Schloss, Altem Rathaus und Bürgerhäusern in unmittelbarer Nähe des Marktes und hat somit einen besonderen Platz im Herzen der Stadt und ihrer Einwohner.

Das Langhaus wurde während des 14. Jahrhunderts in mehreren Bauphasen errichtet, wie dieses die unterschiedlichen Jochgrössen zeigen. Während des 16. und 17. Jahrhunderts wurde die Kirche wesentlich umgestaltet. Der bis dahin sichtbare Backstein wurde innen wie aussen durch einen Wandverputz verdeckt. Das Mittelschiff hat fünf Joche, von denen die zwei westlichen in ihrer Ausdehnung grösser sind. Die heute im Innern der Kirche sichtbaren architektonischen Formen und Ausstattungsstücke wurde im Laufe der Jahrhunderte den jeweiligen Vorlieben und Strömungen der Zeit angepasst. Das macht das Ensemble vielfältig, ja vielseitig, und spiegelt somit in vielen Brechungen menschliche Geschichte und religiöse Entwicklungen.

Besonders die umwälzenden Neuorientierungen der nachreformatorischen Zeit und die Eingriffe des bis zum Jahre 1705 regierenden braunschweigisch-lüneburgischen Herzogshauses haben tiefe Spuren hinterlassen. Die in vorreformatorischer Zeit vorhandenen 17 Altäre wurden auf einen reduziert. In die Seitenschiffe wurden Emporen für die wachsende Gemeinde eingebaut, damit sie auch räumlich nahe an das von der Kanzel verkündete Wort rückte. Die prächtige Ausstattung des Hohen Chores übernahm das Herzogshaus, dem noch heute die Gruft als Grablege der Welfen gehört. Aber auch das die Kirche mittragende Bürgertum ist vielerorts präsent. Erst 1913 errichtete man vor dem Westwerk den die Silhouette der Stadt beherrschenden Kirchturm. Er nimmt die beschwingten Proportionen des barocken Dachreiters von Johann Caspar Borgmann aus dem Jahre 1717 auf und steigert die Grösse des Gotteshauses. Seit 1530 hatte die Kirche nur einen jetzt auf dem östlichen Dach befindlichen Dachreiter.


Mit freundlicher Genehmigung der Kirchengemeinde
Fotos: Daniel Kunert / Kirchengemeinde
OI-C-1
weiterführende Links

Webseite Stadtkirche Celle
Webseite Celler Stadtkantorei




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