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Die Orgel der Dorfkirche Cölpin

Disposition
weitere Daten


Die Familie von Dewitz
Der Kirchbau
Der Kirchturm
Die Glocke
Die Winterkirche
Die Deckengemälde


Disposition

Ernst Sauer, 1856
Restaurierung - anstehend durch W. Sauer Orgelbau (Frankfurt/Oder)

Manual C-f'''

Pedal C-d'

Principal 8' Subbaß 16'
Gedackt 8' Octavbaß 8'
Viola di gamba 8'
Gemshorn 4'
Hohlflöte 4'
Nasard 2 2/3' (unsicher)
Octave 2'

Spielhilfen: Tutti (Manualregister) als Tritt
Windladensystem: Kegellade
Tontraktur: mechanisch, Wellenrahmen mit Stechern
Registertraktur: mechanisch
Windversorgung: Balganlage hinter der Orgel, Schöpfer links

weitere Daten

Gehäuse:
barockes Gehäuse von 1747 mit drei Feldern, evt. einige originale Pfeifen und vier großen Figuren
großes Wappen der Familien von Dewitz und von Raven in der Mitte
Gehäuse durch Sauer 1856 nach hinten erweitert

Besonderheiten:
romantische Sauer-Orgel im Barockgehäuse

Zustand:

  • Orgelwerk vermutlich bei Kriegsende stark beschädigt
  • Stark verschmutzt und von Holzschädlingen befallen
  • Windversorgung nicht mehr funktionsfähig, Bälge aufgerissen
  • Funktion der mechanischen Kegellade konnte nicht überprüft werden
  • Teile der Trakturen noch vorhanden, aber beschädigt und nicht funktionstüchtig
  • Holzpfeifen aufgeleimt und durch Wurmfraß beschädigt
  • viele Metallpfeifen fehlen bzw. sind stark beschädigt, Pfeifenmündungen aufgerissen

Die Orgel in der Evangelischen Kirche zu Cölpin wurde 1856 durch den Orgelbauer Ernst Sauer erbaut. Ernst Sauer, welcher in Schönbeck bei Friedland ansässig war und das Orgelbauerhandwerk als Autodidakt erlernte, hatte zu dieser Zeit bereits mehrere Instrumente im regionalen Raum geschaffen. Der historische Wert des vorliegenden Instruments besteht darin, dass die technische Funktion der Orgel durch Optimierungen in Ton – und Registertraktur aus den Erfahrungen vorhergehender Instrumente wesentlich verbessert wurde. Weiterhin kann man davon ausgehen, dass die Orgel noch unter der Mitwirkung von Wilhelm Sauer, der seinen eigenen Betrieb im Jahr 1857 in Frankfurt/Oder gründete, geschaffen wurde.

Aus historischen und sicher auch aus ökonomischen Gründen, übernahm Ernst Sauer das vorhandene barocke Orgelgehäuse zum Einbau seiner Orgel. Das einmanualige Orgelwerk wurde unter Vergrößerung des alten Gehäuses auf der Empore gegenüber dem Altar aufgestellt.

Derzeit kann das Instrument nicht gespielt werden. Die Orgel besitzt keinen Motor und auch die ursprüngliche Tretanlage ist nicht mehr erhalten. Lediglich der alte Lagerbalken für beide Tritte ist in der Orgel eingelagert. Durch diese wurden zwei Keilbälge betrieben, die in der Vergangenheit mehrfach provisorisch repariert wurden. Holzwurmbefall und die verschlissene Belederung der Bälge machen eine grundlegende Überarbeitung unumgänglich. Aus Kostengründen könnte man hier eine schrittweise Restaurierung der originalen Balganlage in Betracht ziehen. Dazu werden Vergleichsinstrumente herangezogen. Der Einbau eines Spezialmotors der Firma Laukhuff erscheint jedoch in jedem Fall sinnvoll.

Das Orgelgehäuse weist im äußeren Bereich kleinere Beschädigungen an Füllungen und Profilen auf und auch Scharniere und Schlösser müssen überarbeitet bzw. ersetzt werden. Im Inneren ist eine grundlegende Säuberung und Holzwurmbekämpfung vorzunehmen. Fehlende Knebel zum Verschließen der Türen müssen ersetzt werden und am Ende erfolgt eine Konservierung mit einer Leinölfirnsmischung. Die drei Prospektfelder wurden von Ernst Sauer nicht in die Disposition mit einbezogen und sind stumm. Im Mittelfeld stehen stark deformierte Pfeifen der alten Barockorgel und die Außenfelder wurden in der Vergangenheit mit wahllos zusammengesuchten Innenpfeifen der Ernst Sauer - Orgel aufgefüllt. Anhand der Prospektstöcke lässt sich gut erkennen, dass die Pfeifen der Vorgängerorgel klingend waren.

Das Pfeifenwerk wird einer der arbeitsintensivsten Punkte bei der Restaurierung des vorliegenden Instrumentes werden. Wie schon in der Dispositionsbeschreibung erkennbar, sind von den meisten Registern nur noch Fragmente an Metallpfeifen vorhanden bzw. fehlen einige Register komplett. Es ist davon auszugehen, dass diese in den Nachkriegswirren zur Buntmetallgewinnung verschwanden bzw. in anderen Instrumenten verbaut wurden. Nach ersten Erkenntnissen ist der Anteil der vorhandenen Holzpfeifen relativ hoch, doch der jetzige Zustand (Holzwurmbefall etc.)lässt auch hier ein hohes Arbeitsvolumen erahnen. Ein Großteil der Holzpfeifen wurde bereits hinter der Orgel im Bereich der Balganlage eingelagert. Die großen Pfeifen der Orgel stehen sehr labil in den vorhandenen Rasterbrettern bzw. an den Hängevorrichtungen. Hier sind beim Einbau eines rekonstruierten Pfeifenwerke stabilisierende Maßnahmen dringend notwendig.

Der Spieltisch ist bis auf einen Registerknauf und den Pedaltritt für die Einschaltung aller Manualregister vollständig im Original erhalten. Holzwurmbefall ist deutlich in allen Bereichen des Spieltisches erkennbar und muss dringend bekämpft werden. Insgesamt ist ein hoher Verschleiß erkennbar. Die Klaviaturen sind stark ausgespielt und müssen generell neu garniert werden. Auch die Oberfläche des Spieltischinneren muss regeneriert werden. Die originale Orgelbank ist nicht mehr vorhanden und wird rekonstruiert.

Die Ton- und Registermechanik weisen ebenfalls größere Beschädigungen auf bzw. sind nicht mehr vollständig erhalten. Die Ansteuerung der Töne erfolgt, wie bei Orgeln von Ernst Sauer typisch, über ein Wellenbrett mit Stechern zu den Wellen unter der Windlade. Von diesen Stechern sind im Manual noch 24 Stück und im Pedal noch 5 Stück erhalten. Teilweise wurden diese Stecher, wahrscheinlich nachträglich, mit Bleigewichten versehen um die Mechanik beim Loslassen der Taste wieder zügig in die Ausgangslage zu bringen. Nicht ganz überzeugende Notreparaturen sind überall erkennbar. Es fehlen diverse Abstrakten, Ärmchen der Wellen und auch der Holzwurmbefall machte vor der Tontraktur nicht halt.
Die Ansteuerung der Register erfolgt über Metallwinkel, Zugstangen und große Wippen. Auch hier sind größere Beschädigungen der Zugstangen im Spieltischbereich erkennbar. Alle Lagerungen und Metallelemente sind korrodiert und müssen generell überarbeitet bzw. rekonstruiert werden.

Die Windlade, das Herzstück der Orgel, muss konsequent überarbeitet werden. Eine Öffnung der Windlade vor Ort war nicht möglich, da die Stockschrauben stark oxydiert und festgefressen sind. Es ist aber davon auszugehen, dass die vielen Kegelventile verhärtet sind und auch die Garnierungen an Wellen und Wirteln sind stark verschlissen. Aufgrund des starken Holzwurmbefalls ist von Durchstechern und Heulern innerhalb der Windlade auszugehen.

Die gesamte Orgelanlage einschließlich Pfeifenwerk ist hochgradig verschmutzt. Neben Reinigungsarbeiten ist besonders auf eine durchgreifende Holzwurmbekämpfung zu verweisen. Windlade und Balganlage sind in der Grundsubstanz zwar vollständig erhalten, doch schon stark befallen. Hier liegt die Dringlichkeit aller anstehenden Maßnahmen. Das Holzpfeifenwerk ist nur noch unter großen Aufwendungen zu retten und viele Kleinteile der Mechanik sind bereits befallen oder zerfressen. Jede Verzögerung erhöht die Kosten der Reparaturen ! Der sehr aktive Holzwurm (auch Nagetiere) verschlechtert den Zustand mit jedem Tag erheblich.

W. Sauer Orgelbau


Die Familie von Dewitz

Die Geschichte des Ortes und der Kirche Cölpin ist eng verknüpft mit der Geschichte der Familie Dewitz, die von Anfang an Besitz in Cölpin und Umgebung hatten.

Der Dreißigjährige Krieg brachte große Verwüstung. 1639 lagen die Äcker unbestellt und die Höfe waren abgebrannt, so daß ein Teil des Gutes an die Gläubiger abgetreten werden mußte. 1694 erwarb Generalleutnant Stephan von Dewitz aus der Daberschen Linie (Pommern) des Hauses durch Vergleich und Übernahme von Schulden den Besitz von ganz Cölpin nebst dem Anteil in Ballwitz und Hainholz in Dewitz. Im Besitz dieser Linie des Dewitzschen Hauses war Cölpin noch bis in die vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Nach Ende des II. Weltkrieges folgte dann im Rahmen der Bodenreform die Enteignung der Güter.

Aber die Familie von Dewitz fühlt sich bis heute mit ihrer alten Heimat verbunden.
Lothar von Dewitz gründete einen „Förderverein Cölpin, Holzendirf und Krumbeck“, der etliche Spenden zur Sanierung und Reparatur der Kirche beitrug.


Der Kirchbau

Bei der Cölpiner Kirche handelt es sich wie bei den Kirchenbauten in Alt Käbelich und Leppin um einen Feldsteinquaderbau des Übergangsstils aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die Gerbekammer ist bündig an der Nordostecke angebaut. Das Westende der Kirche ist verstümmelt und Ende des 15. Jahrhunderts durch einen spätmittelalterlichen massiven Turmunterbau mit geböschtem Holzturm darauf ersetzt. Aus dieser Zeit stammt auch die südliche Vorhalle (siehe Grundriß rechts). Bei einer Kirchenvisitation nach dem Dreizigjährigen Krieg im Jahre 1661 wurde festgehalten, daß die Kirche vom Patron unlängst renoviert wurde.

Aus dem 18. Jahrhundert stammt der nördliche Gruftanbau. 1792 wird durch Stephan Werner von Dewitz ein barocker Ausbau vorgenommen, die Fassade überputzt und bemalt, die Fenster im Osten verbreitert und alle Spitzbögen der Fenster in Korbbögen verwandelt, auch der Bogen des Südportals. Die Decke wurde geputzt, sowie die herrschaftliche Empore der südlichen Vorhalle, Orgelempore und Kanzelaltar errichtet. Auf alten Aufnahmen um 1920 ist noch der Außenputz des Kirchenschiffes mit aufgemaltem Fugennetz erkennbar. Heute ist davon nichts mehr übrig und die alten Feldsteinquader geben der Kirche wieder ihren ursprünglichen Charakter.

Ursprünglich waren drei Portale vorhanden. Das alte Westportal ist durch den Turmumbau verschwunden. Das Nordportal ist vermauert durch den Gruftanbau. Das Südportal, ursprünglich die Priesterpforte, dient heute als Eingang.


Der Kirchturm

Der Turm ist in die Spitzbogenöffnung des abgebrochenen Westhauses spätmittelalterlich hineingebaut als abgesetzter, quadratischer Unterbau aus Findlingsmauerwerk bis zur Traufhöhe der Kirche. Die Innenmaße betragen 3,30 x 3,50 m bei einer Mauerstärke von 1,80 m.

Die alte Sockelfase und zwei Abtreppungen des alten Westportales sind beim Bau wieder benutzt worden. Der Spitzbogen ist stumpf, die Sockelfase ist herumgekröpft. Die Öffnung über dem Portal ist barock verändert. Das innere Portal zwischen Turm und Schiff ist in Backstein dreifach abgetreppt mit etwas stumpfen Spitzbogen. Das Innere des Turmes hat die in Felsen gemauerten Schildbögen für ein hoch ansetzendes spitzbogiges Kreuzgewölbe. Auf dem massiven Unterbau steht ein geböschter, mit Brettern bekleideter Holzfachwerkturm nach mittelalterlicher Art, der nach einem Visitationsbericht 1661 schon vorhanden war.

Der achtseitige Helm ist an den Mitten der Quadratseite auf Konsolen übergesetzt. Zwischen den vier Eckständern steht in jeder Quadratseite noch ein Mittelständer, durch Riegel verspreizt und durch drei ineinandergreifende Andreaskreuze zusammengebunden.

In der Wetterfahne steht geschrieben "ST. W. v. D. 1792" (Stephan Werner von Dewitz und das Jahr des barocken Ausbaues 1792).


Die Glocke

Ursprünglich trug die Cölpiner Kirche in ihrem Turm drei Bronzeglocken. Nach 1929 - wahrscheinlich während des II. Weltkrieges - wurden zwei der drei Glocken jedoch ausgebaut.

Die noch vorhandene Glocke stammt aus dem Jahre 1573


Die Winterkirche

Wie auch die anderen historischen Kirchen der Kirchgemeinde Alt-Käbelich verfügt die Cölpiner Kirche nicht über eine Heizung. Der Platz unter der Orgelempore wurde abgetrennt und als beheizbare Winterkirche eingerichtet.
Um auch im Winterhalbjahr für größere Gottesdienste eine angenehmere Temperatur zu schaffen, wurde in der Kirche im März 2004 eine elektrische Sitzheizung installiert. Gleichzeitig wurde das Gestühl repariert.


Die Deckengemälde

Zu Beginn der 1990er Jahre wurde bei einem Unwetter der Turm der Kirche beschädigt. Einerseits war die Not groß, da das Geld für die erforderlichen Reparaturen nicht zur Verfügung stand. Andererseits konnte man endlich in das bisher verborgene Dachgestühl hineinsehen. Dort fanden sich unter einer dicken Staubschicht vier Gemälde, die einst die hohe Holzdecke der Kirche geschmückt haben:

- Die Verkündigung,
- Die Geburt Christi,
- Die Anbetung der Heiligen Drei Könige und
- Die Taufe von Jesus Christus durch Johannes den Täufer

Diese Deckengemälde wurden ungefähr um 1700 von einem unbekannten volkstümlichen Maler gemalt.

Zwei der Gemälde konnten zum Reformationsfest 2001 in restauriertem Zustand wieder der Kirche übergeben werden, die beiden letzten Deckenbilder wurden am 17. März 2002 im Rahmen eines Feiergottesdienstes der Kirchgemeinde übergeben. Da die Bilder aus statischen Gründen nicht wieder an ihrem ursprünglichen Platz an der Decke befestigt werden konnten, entschied man sich für die Anordnung auf der Orgelempore.

Die großen Bilder wurden für die Betrachtung aus größerer Distanz gemalt, da ihre ursprüngliche Position unter der Kirchendecke eine dichte Betrachtung nicht zuließ. Daher sind sie nun vom Zentrum des Kirchenraumes aus besonders gut sehen.


Mit freundlicher Genehmigung der Kirchengemeinde
Mit freundlicher Unterstützung der Firma W. Sauer Orgelbau Frankfurt/Oder
OI-A-4
weiterführende Links

Webseite Firma W. Sauer Orgelbau Frankfurt/Oder



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