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Die Orgel der Kirche "Zum Heiligsten Erlöser" in Augsburg-Göggingen

Planung
Die Kunst des Orgelbaus
Beschreibung der neuen Orgel
Disposition

Technische Daten und Baugeschichte
Glocken
Adresse/Kontakt


Planung

Eine Feststellung des Konzils
„Die Pfeifenorgel soll in der lateinischen Kirche als traditionelles Musikinstrument in hohen Ehren gehalten werden; denn ihr Klang vermag den Glanz der kirchlichen Zeremonien wunderbar zu steigern und die Herzen mächtig zu Gott und zum Himmel emporzuheben." (Konstitution „Über die heilige Liturgie".)

Planung und die Geldfrage
In der 1961 fertiggestellten Erlöserkirche wurde eine Empore eingebaut für den Kirchenchor und als zukünftiger Standort einer Orgel. Seitdem hat ein recht schmalbrüstiges Harmonium den Gesang des Volkes und des Chores begleitet, jetzt macht es seiner größeren Schwester, der „Königin der Instrumente", Platz.

Die Anschaffung einer Orgel ist für eine Pfarrgemeinde in erster Linie ein finanzielles Problem. Eine Pfeifenorgel ist teuer. Daher überlegte man zuerst, ob sich die Anschaffung einer Elektronenorgel empfiehlt. Aber der niedrigere Preis hätte mit einem verschwommenen Klang in Lautsprecherqualität und mit einer kurzen Lebensdauer bezahlt werden müssen.

Schon bald nach der Einweihung der Kirche wurde mir für die Anschaffung einer Orgel ein größerer Geldbetrag in Aussicht gestellt, dazu kam dann später noch mal eine Spende von einigen tausend Mark. Als die Schulden für den Kirchenbau abbezahlt waren, die nötigsten Geräte und Paramente für den Gottesdienst beschafft und eine Heizung installiert war, konnte man sich an das Orgelprojekt heranwagen. An jedem monatsersten Sonntag habe ich bei den Gottesdiensten um „ein besonderes Opfer für den Bau einer Orgel" gebeten und Gehör gefunden. Von Jahr zu Jahr stieg damit das Orgelkonto an, nicht zuletzt auch durch weitere größere und kleinere Spenden und durch die Beiträge der Mitglieder des Kirchenbauvereins. Als auch die Stadt Göggingen durch einstimmigen Beschluß des — damals noch — Marktgemeinderates einen beachtlichen Zuschuss beisteuerte, konnte sich die Kirchenverwaltung an die Erteilung des Auftrages heranwagen. Dieser fiel an die Fa. Hubert Sandtner in Dillingen. Die Disposition für die Register erstellte Herr Sandtner zusammen mit Herrn Geistl. Rat Paul Steichele, dem Domkapellmeister in Augsburg.

Eine Frage macht bei der Anschaffung einer Kirchenorgel zu schaffen: darf man in einer Zeit weltweiter Not, des Hungers und der Kriege überhaupt Geld dafür ausgeben. Wäre es nicht mehr zur Ehre Gottes, wenn man dem Elend abhilft? Unsere Kirchenverwaltung glaubt, die Frage so beantworten zu dürfen: Seit Bestehen unserer Pfarrei ist hier eine weit größere Summe für die Aufgaben der Mission, für die bischöflichen Werke „Misereor" und „Adveniat", die Caritas und ähnliche Werke gespendet worden, als für die Bedürfnisse der eigenen Kirche. Wenn unsere Pfarrgemeinde ein offenes Herz und einen offenen Geldbeutel für die geistige und körperliche Not des Mitmenschen hat, dann darf und soll sie auch Geldmittel verwenden für den Glanz ihrer Gottesdienste, zur Ehre Gottes auch auf diese Weise.


Die Kunst des Orgelbaues

Nun möchte ich mich aber nach den finanziellen Überlegungen der Orgel selber zuwenden. Die Entstehung eines solchen Werkes setzt künstlerisches Vermögen, sorgfältiges handwerkliches Können, technisches Verständnis und liebevolle, geduldige Kleinarbeit voraus. Die Orgelbaukunst hat sich über zwei Jahrtausende zur heutigen Perfektion entwickelt.

„Der Ursprung der Orgel ist die Hirten- oder Panflöte im antiken Griechenland, eine Verbindung kleiner Pfeifen verschiedener Längen, kombiniert mit der Sackpfeife, dem Dudelsack" (H. Grabner). In Rom und Byzanz wurden kleine Orgeln zu Haus- und Tanzmusik verwendet. Erst im 7. und 8. Jahrhundert fanden sie Verwendung für die Begleitung des Choralgesanges im Gottesdienst, hatten aber meist nur 20 bis 30 Pfeifen. Besonderes Aufsehen erregte die Aufstellung eines solchen Instrumentes im Münster zu Aachen durch Karl den Großen. Das Mittelalter entwickelte immer größere und technisch ausgefeiltere Werke, bis der Orgelbau in der Zeit des Barocks seine Blüte erreichte. Den großen Tonschöpfern wie Buxtehude, Bach, Händel, später Haydn und Mozart standen Orgeln zur Verfügung, die unbegrenzte Möglichkeiten für ihr Komponieren und Musizieren boten. Im vorigen Jahrhundert trat ein gewisser Verfall im Orgelbau ein, man wollte zu sehr die großen Orchester imitieren. Die Verwendung pneumatischer und elektrischer Mechanismen war dem Klang nicht förderlich. Heute kehrt man wieder zum Ideal der mechanischen Barockorgel zurück.

Eine Orgel besteht aus vier Hauptteilen: dem Pfeifenwerk, dem Gebläse, dem Regierwerk und der äußeren Umkleidung.

Die Pfeifen erzeugen den für die Orgel typischen Klang. Die Tonhöhe wird durch die Länge der Pfeife bestimmt, Tonstärke, Tonfülle und Klangfarbe ergeben sich aus den vielfältigen Formen der Pfeifen, dem Material: ob Holz oder Metall in verschiedenen Legierungen, der unterschiedlichen Art der Tonerzeugung in Lippen oder Zungenpfeifen, dem Durchmesser der Pfeifen.

Das Gebläse führt den Pfeifen den nötigen „Wind" zu. In Blasbälgen wird die Luft komprimiert. Früher geschah das durch Ziehen oder Treten, heute besorgt das ein Elektromotor mit Ventilator.

Durch das Regierwerk bringt der Organist die Pfeifen zum Klingen. Diese stehen auf einer Windlade, in die der Blasbalg die Luft drückt. Durch Druck auf die Tasten oder Pedale wird — übertragen von feinen Holz- oder Metallamellen - der Weg zur gewünschten Pfeife geöffnet und der Orgelwind bringt sie zum Klingen. Die Pfeifen sind in verschiedenen Gruppen mit jeweils eigener Klangfarbe, den Registern, zusammengefaßt. Sie werden durch Tastendruck über die sogenannten Schleifladen ein- oder abgeschaltet.

Zum Schutz des komplizierten Mechanismus ist die Orgel vom Gehäuse umgeben. In der Vorderfront als der Schauseite, Prospekt genannt, werden die schönsten Pfeifenreihen dekorativ aufgestellt. Die Gestaltung von Gehäuse und Prospekt hat während der Planung und Aufstellung unserer Orgel lange die Gemüter der Beteiligten erregt. Beim Bau der Erlöserkirche schwebte dem Herrn Architekten Thomas Wechs ein Prospekt freistehender Pfeifen ohne Gehäuse vor. Dadurch wären aber sehr hohe Kosten entstanden und die Klangwirkung hätte zweifelsohne darunter gelitten. Gute Verschmelzung und Abstrahlung der Töne ist durch den Resonanzraum in Schranktürmen viel besser gewährleistet. Auf dem Reißbrett und an Holzmodellen wurden mehrere Lösungsversuche gemacht. Das Endergebnis, der werkgerechte Aufbau der Türme des Brust-, Haupt- und Pedalwerkes - über dem Spieltisch geschmückt mit Einlegearbeiten nach dem Entwurf von Studienrektorin Hilde Sandtner - fügt sich harmonisch in den Kirchenraum ein. Die breite Wandfläche über dem Hauptportal ist auf glückliche Weise gestaltet. Das Orgelwerk bietet mit seiner bewegten, asymmetrischen Linienführung, die das große Rundfenster miteinbezieht und den interessant angeordneten Prospektpfeifen einen festlichen Anblick.

Lobet den Herrn durch den Schall der Posaune, lobet ihn mit Harfe und Zither.
Lobet ihn mit Pauke und Reigen,
Lobt ihn mit Saitenspiel und mit Flötenklang.
Lobet ihn mit klingenden Zimbeln, mit schallenden Zimbeln lobet ihn: Alles, was Odem hat, lobe den Herrn.
(Psalm 150)

Die Erlöserorgel ist vollendet. Mir bleibt nun noch Dank zu sagen den vielen Spendern, die ihren Bau ermöglicht und den Orgelbauern, die sie ins Werk gesetzt haben. Der gütige Gott, zu dessen Ehre sie erklingen soll, möge ihnen allen vergelten.

Pfarrer Josef Spengler

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Beschreibung der neuen Orgel in der Stadtpfarrkirche Hl. Erlöser in Augsburg-Göggingen

I. Anordnung der einzelnen Werke:
Das Hauptwerk der Orgel steht mit seinen drei Baß- und vier Diskantfeldern links und rechts vom Spielschrank. Im Prospekt sind die Pfeifen des Principal 8' zu sehen.
Das schwellbare Brustwerk mit dem hochkonduzierten Register Rauschwerk, dessen 4'-bzw. 22/.-t'-Chöre die mittleren fünf Prospektfelder zieren, befindet sich über dem Spielschrank.
Über dem Portal, in die Brüstung eingelassen sind die fünf Türme des Pedalwerks mit dem Principalbaß 8' im Prospekt.

II. Technik und Material:
Die Spieltraktur wird medianisch über Abstrakten, Wellen, Wippen und spitzgelagerte Drehelemente geführt.
Über fünf mechanische Setzerkombinationen wird die Registertraktur (elektrisch) gesteuert.
Die Windladen (Schleifladen) sind aus Massivholz klimasicher angefertigt.
Das im Orgelfuß untergebrachte elektrische Gebläse erzeugt den „Orgelwind", welcher mittels Membran- und Kastenbälgen ausgewogen wird.
Für die Gehäusesebreme wurde massives Kiefernholz verwendet.
Diverse Hölzer bzw. wertvolle Zinn-Blei-Legierungen sind das Material für die 2042 Pfeifen dieser Orgel.


Disposition:
erbaut von Orgelbau Sandtner

Hauptwerk 60 mm WS Brustwerk 50 mm WS Pedalwerk 70 mm WS
Pommer 16' Spitzgamba 8'

Untersatz 16'

Principal 8' Koppelflöte 8' Principalbaß 8'
Bordun 8' Salicet 4' Gedacktbaß 8'
Octav 4' Traversflöte 4' Nachthorn 4'
Rohrflöt 4' Kleingedackt 2' Rohrpfeif 2'
Nasat 2 2/3' Larigot l 1/3' + l' Cornettbaß 4' 5 f.
Schwegel 2' Rauschwerk 4' 6 f. Posaune 16'
Terz 1 3/5' Tromboncini 8'
Mixtur major l' 5 f. Tremulant
Mixtur minor 1/4 3 f.
Trompete 8'

Vorstehende Disposition erlaubt sämtliche Möglichkeiten des Pleno- und Solospiels. Die genau berechneten und sorgfältig überlegten Mensuren unterstreichen den Klangcharakter der einzelnen Register, wie auch den des Plenums. Im Rahmen der Möglichkeiten wurde auf den lückenlosen Ausbau der Registerfamilien besonders geachtet.

Die Intonation lag auch bei diesem Instrument in den bewährten und geübten Händen des Firmenseniors Ignaz Sandtner. Sie erfolgte kernstichlos auf vollem Wind.

Technische und Baugeschichtliche Daten

Maße der Kirche: 42,5 m lang und 36 m breit, Außenhöhe 9 m und Innen 7,75 m

Höhe des Turms: 27,75 m hoch mit 5,5m Turmkreuz

Architekt war Thomas Wechs aus Augsburg.

Erster Spatenstich für die Kirche war der 13. Mai 1959 durch Pfarrer Msgr. Johann Nep. Bertele, eingeweiht wurde die Kirche am 4. November 1961 durch Diözesanbischof Dr. Josef Freudendorfer. Die Orgelweihe der von Orgelbau Sandtner, Dillingen/Donau erbauten Orgel mit 26 Registern bei 2042 Pfeifen, fand am 14. Dezember 1969 statt.


Glocken
Der Turm beherbergt vier Glocken, gestimmt auf F, As, B und C

Die vier Glocken tragen einen Widmungsspruch eingegossen:
Erlöserglocke: „Meine Stimme ruft es weit: Christus, Herr auch unserer Zeit.“
Marienglocke: „Erwirke, Mutter, bei dem Kind, dass wir, wie du, voll Gnade sind.“
Radegundisglocke: „Radegundis, du halfst in der Not, erbitte Barmherzigkeit und bei Gott.“
Michaelsglocke: „Milder Jesus, Herrscher du, schenk den Toten ewige Ruh.“


Adresse
Katholische Kirche Zum heiligsten Erlöser
Wellenburger Str. 58
86199 Augsburg, Stadtteil Göggingen

Gottesdienst sonntags 9.30 Uhr


Mit freundlicher Genehmigung der Kirchengemeinde
OI-A-11
weiterführende Links

Webseite "Zum heiligsten Erlöser" Augsburg-Göggingen



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