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Die Orgel in St. Agatha Bernkastel-Wehlen

Geschichte
Disposition
Daten zur Wehlener Orgel


Geschichte

Wehlen wird im Jahre 1569 als Filiale der Pfarrei Bernkastel erwähnt, mit der es dem Hospital (Cusanusstift) in Kues (Cues) inkorporiert war. 1591 wurde Wehlen selbständige Pfarrei, aber von Kues mitverwaltet, bis es im Zuge der politischen und kirchlichen Neuordnung 1803 selbständiger Pfarrsitz wurde. Da sich die Kirche im Laufe der Jahre als zu klein erwies und es an Platz für eine Vergrößerung mangelte, wurde an anderer Stelle die heutige Pfarrkirche St. Agatha (Zweitpatron St. Sebastian) im neugotischen Stil errichtet. Grundsteinlegung war 1862, die Einweihung am 15. Mai 1870. Planung und Oberleitung lagen in den Händen von Baumeister Statz aus Köln, während die Bauausführung unter Leitung von Kirchenbaumeister Kern aus Wehlen stattfand. Die Kosten für den Bau aus heimischem Schieferbruchstein betrugen 40.000 Taler.

Am 21.11.1868 beschloss der Kirchenrat, für die neue Kirche noch keine Orgel, sondern nur ein Harmonium anzuschaffen. Da dies aber nur eine vorübergehende Notlösung war, kam es schon am 04.02.1873 zu einer neuerlichen Entscheidung für die Anschaffung einer Orgel, die aber zu keinen baulichen Veränderungen an der Empore führen dürfe. Am 06.04 des gleichen Jahres erklärte Orgelbauer Heinrich Voltmann aus Klausen, dass dies trotz der kleinen Empore möglich sei und trotzdem noch genügend Platz für 25 Chorsänger übrig bliebe. Daraufhin erhielt er am 20.04. den Auftrag für den Neubau der Orgel. Über diese Orgel sind leider nur wenige Schriftstücke erhalten geblieben; vor allem fehlen Unterlagen über Vertrag und Disposition. Aus dem Vorhandenen lässt sich immerhin ableiten, dass das zweimanualige „schmale und in der Länge gedehnte“ Werk im Turm stand und lediglich die „Facade“ auf der Empore, die dort aber kaum Platz für zehn Männer des Chores ließ.

Bereits 1882 stellte Orgelbauer Voltmann fest, dass „das Wasser von den drei Turmmauern herabgeflossen sei und sich dem Werk mittheilte.“ Daraufhin wurde der Bau einer neuen größeren Empore beschlossen; 1884 setzte Voltmann die Orgel weiter nach vorne und nahm wohl auch einige Umbauten daran vor; Genaueres lässt sich nach heutigem Quellenstand leider nicht feststellen. Von diesem Zeitpunkt an hatte die Orgel aber folgende

Disposition:

I Unterwerk C-f³ II Hauptwerk C-f³ Pedal C-f°

Geigenprincipal 8'

Principal 8'

Subbaß 16'

Salicional ab c° 16'

Bourdon 16'

Oktavbaß 8'

Fernflöte 8'

Gamba 8'

Violon 8'

Stillgedeckt 8'

Holflöte 8'

Oktave 4'

Flöte dolce 4'

Oktave 4'

Posaune 16'

Waldflöte 2'

Quinte 2 2/3'

Rohrflöte 4'

Oktave 2'

Mixtur 3f.

Trompete Baß C - h° 8'

Trompete Disc. c'- f‘‘‘ 8'


Koppeln: I/II; II/P

Im Ersten Weltkrieg verlor das Werk wie viele andere auch seine Prospektpfeifen; diese wurden später in Zink ersetzt. Ein Umbau im Jahr 1975 führte zu einschneidenden Änderungen am Originalbestand der Orgel. Neben dem Austausch des historischen Registers Trompete 8‘ durch eine Trompete moderner Bauart und Erneuerung von Stiefeln und Zungen der Posaune wurde die Disposition des Unterwerkes verändert. Durch teilweises Umstellen und Hinzufügung neuer Register standen dort nun folgende Stimmen:

Fernflöte 8‘
Gedackt 8‘
Flauto 4‘
Principal 2‘
Quinte 1 1/3‘
Cimbel 2f ½‘

Durch den Einbau einer Zusatzwindlade wurde der Pedalumfang um eine Oktave von 18 Tönen auf 30 Töne (bis f‘) erweitert. Der Winddruck wurde herabgesetzt, zahlreiche Pfeifen abgeschnitten, um die dadurch gesunkene Stimmung zu erhöhen, außerdem zum Schutz vor Verschmutzung ein geschlossenes Holzdach auf das Gehäuse aufgesetzt.

Im Jahr 2008 war die Orgel technisch und klanglich in schlechtem Zustand. Der Gesamtklang war schwach und stumpf. Es schien, als stünde die Orgel hinter einer Wand. Selbst im Plenum war das Instrument zu schwach, um die Gemeinde beim Gesang zu führen. Trakturen und Mechanik waren verschlissen und konnten nicht mehr präzise und zuverlässig arbeiten.

Angestoßen durch den miserablen Zustand der Orgel initiierte Dr. Eckart Prüm am 1. Juli 2009 eine Spendenaktion, die über die Spendenkonten der Jodocus Prüm Bürgerstiftung und der Kath. Pfarrgemeinde Wehlen abgewickelt wurden, unter dem denkwürdigen Motto "1 + 1 = 3". Auf eine Anschubspende von Herrn Prüm in Höhe von 10.000 € sollte die Gemeinde den gleichen Betrag an Spenden aufbringen; schaffte sie dieses, würde Herr Prüm weitere 10.000 drauflegen. Das Ganze viermal durchgeführt ergab eine Gesamtsumme von 120.000 €, von denen die Dr. Eckart Prüm 80.000 € trug. Aufgrund dieser erfolgreichen Idee konnte der Verwaltungsrat der Pfarrgemeinde bereits am 22.12. des gleichen Jahres den Auftrag zur denkmalgerechten Sanierung der Orgel vergeben an die Orgelbaufirma Josef Weimbs aus Hellenthal / Eifel.

Über die Arbeiten berichtet Orgelbaumeister Frank Weimbs:
„Nachdem wir das Pfeifenwerk und andere Orgelteile ausgebaut und in Hellenthal in unseren Werkstätten untersucht hatten, war es uns möglich, gemeinsam mit dem zuständigen Orgelsachverständigen Reinhold Schneck die originale Disposition und Stimmtonhöhe zu ermitteln. Anschließend wurden die ermittelten Ergebnisse mit den noch existierenden Orgeln von Voltmann verglichen. Da die meisten Prospektpfeifen aus Zinn im ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken eingezogen worden sind, war es umso erfreulicher, dass wir in Valwig St. Martin wider Erwarten auf originale Prospektpfeifen von Voltmann stießen. Diesem glücklichen Umstand ist zu verdanken, dass wir die neuen Prospektpfeifen nun nach originalem Vorbild anfertigen konnten. Unser Pfeifenmacher blickt auf beinahe 50 Jahre Berufserfahrung zurück, aber diese spezielle Labienform mit den deutlich überkragenden Labienblechen war selbst ihm fremd. Umso erfreulicher ist es, dass die historische Voltmann-Orgel in Wehlen nun wieder über einen Pfeifenprospekt verfügt, wie ihn der Erbauer gefertigt hatte.

Wesentliche Veränderungen in der Vergangenheit waren die Erweiterung des Tonumfangs im Pedal und weitreichende Eingriffe im Pfeifenwerk des Unterwerks. Auf ausdrücklichen Wunsch der zuständigen Gremien wurde bei der Rekonstruktion der Disposition der erweiterte Tonumfang im Pedal beibehalten. Das vorhandene historische Pfeifenwerk wurde aufwendig restauriert. Neu gefertigt wurden die Register Salicional 16‘ und Geigenprincipal 8‘ im Unterwerk, Trompete 8‘ im Hauptwerk sowie Posaune 16‘ im Pedal. Bei Letzterer waren lediglich die Becher von C bis f° noch original erhalten. Viele in den 70er Jahren abgeschnittene Pfeifen mussten wieder angelängt werden.

Die industriell gefertigten Pulpeten wurden entfernt und durch Lederpulpeten in historischer Machart mit Weidenröhrchen ersetzt. Anstelle der flexiblen Konduktenrohre wurden wieder Kondukten aus Zinn/Blei gefertigt und aufwendig an Ort und Stelle verlötet.

Ein weiterer Punkt war die ungenügende Windversorgung. Der viel zu schwache Winderzeuger war kaum in der Lage, den großen Doppelfaltenbalg zu füllen. Der neue, große Langsamläufer liefert nun problemlos den benötigten Wind. Die Handschöpffunktion wurde wieder instandgesetzt und eine neue Balganzeige wurde angefertigt.

Einige Elemente der Register- und Spieltraktur wurden rekonstruiert und die gesamten Trakturführungen wurden stabilisiert. Anschließend wurde die gesamte Spieltischanlage überarbeitet. Unschöne Elektroanbauten wurden entfernt, das Gehäuse wurde schreinertechnisch überarbeitet. Die Manualklaviaturen wurden mit neuem Knochen belegt, die neue Kniefüllung erhielt zudem eine passende Fußstütze. Eine neue höhenverstellbare Orgelbank, gepaart mit einer leichten Abänderung der Brüstung, erlaubt nun auch größeren Virtuosen eine angenehme Sitzposition.

Um das Orgelwerk auch klanglich wieder in den Originalzustand zurückzuführen, wurde zunächst das nicht originale Gehäusedach über der Hauptwerkswindlade ersatzlos entfernt und das gesamte Pfeifenwerk im Sinne Voltmanns grundlegend nachintoniert.“

Nach knapp einjähriger Bauzeit konnte die fertig restaurierte Orgel am 2.10.2011 in einem feierlichen Gottesdienst durch Pfarrer Manfred Müllers gesegnet und ihrer Bestimmung wieder übergeben werden.


Einige Daten zur Wehlener Orgel:

Erbauer: Heinrich Voltmann, Klausen, 1873
Wiedereinweihung: 2. Oktober 2011
Sachberatung: Reinhold Schneck, Orgelsachverständiger im Bistum Trier
Spiel- und Registertraktur: mechanisch
Windanlage: Langsamläufer mit großem Doppelfaltenbalg
Winddruck: 85 mm WS
Pfeifen: 1.122 (927 Metall-, 111 Holz- und 84 Zungenpfeifen)
Temperierung: gleichstufig, 440 Hz bei +16° C

Sanierung:
Orgelbaumeister: Thomas Marxmeier (Projektleiter), Mathieu Hell
Tischlermeister: Christoph Goffart
Pfeifenmacher: Toni Käs
Gesellen: Sebastian Fusenig, Annekatrin Woelk
Auszubildender: Fabian Schmittlein
Intonation: Jochen Breuer
Geschäftsführung: Friedbert Weimbs, Frank Weimbs

Text: Josef Thiesen, Fotos: Fa. Weimbs Orgelbau


Mit freundlicher Genehmigung von Josef Thiesen und der Orgelbaufirma Weimbs.
OI-B-16
weiterführende Links

Webseite Orgelbau Weimbs



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