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Die Orgel der Trinitatiskirche Berlin (Charlottenburg)

Disposition
weitere Informationen
Disposition
erbaut 1961 von Orgelbau Walcker

1. Manual
Kronpositiv KP
2. Manual
Hauptwerk HW
3. Manual
Schwellwerk SW
4. Manual
(MIDI-Klaviatur, Erläuterung s. u.)
Pedal
Holzgedackt 8' Gedacktpommer 16' Spitzgambe 8'   Prinzipal 16'
Nachthornprinzipal 4' Prinzipal 8' Rohrgedackt 8'   Subbass 16'
Rohrpfeife 2' Koppelflöte 8' Prinzipal 4'   Prinzipal 8'
Quintflöte 1 1/3'
Oktave 4' Trichtergedackt 4'   Gemshorn 8'
Oktave 1' Rohrflöte 4' Kleinoktave 2'   Rohrquinte 5 1/3'
Zimbel 3fach Quinte 2 2/3' Nasard 2 2/3'   Blockflöte 4'
Krummhorn 8' Prinzipal 2' Terz 1 3/5'   Spitzflöte 2'
Tremulant Mixtur 5-6fach Sifflöte 1'   Mixtur I 3fach
  Trompete 8' Scharff 4-5fach   Mixtur II 2fach
    Rankett 16'   Posaune 16'
    Schalmey 8'   Trompete 8'
    Trompete 4'    
    Tremulant    

Koppeln: SW/HW; KP/HW; SW/KP; SW/P; HW/P; KP/P

Weitere Informationen

Für diejenigen, denen diese Angaben noch fremd sind, möchte ich mit ein paar grundlegenden Erläuterungen beginnen.

Die oben aufgeführten Register sind bautechnisch und in der Größe unterschiedliche Pfeifentypen, die unterschiedliche Klangfarben hervorbringen. Ein Register hat so viele Pfeifen, wie das betreffende Manual Tasten, insgesamt hat unsere Orgel damit 2.604 Metall- und Holzpfeifen. Durch alle möglichen Kombinationen der 47 Register (Pfeifen, Koppeln und Tremulanten) lassen sich über 140 Billionen (exakt 140.737.488.355.328) Klangfarben erzeugen, erstaunlich, nicht wahr?

Metallpfeifen klingen heller und härter, Holzpfeifen dunkler und weicher. Lippenpfeifen (Labialpfeifen) erzeugen den Ton wie eine Blockflöte: Der Luftstrom wird an einer scharfen Kante geteilt, die Verwirbelungen innerhalb der Pfeife bringen ihre Luftsäule zum Schwingen, es entsteht ein flötenartiger Klang. Bei Zungenpfeifen (Lingualpfeifen) trifft der Luftstrom auf ein kleines, federndes Metallplättchen, das zum Schwingen gebracht wird, ähnlich wie z. B. bei einer Klarinette (einfaches Rohrblatt). Ihr Klang ist eher näselnd und schnarrend.

Die Angabe neben dem Namen des Registers ist die Fußzahl, also die Größe der Pfeife (in Fuß gemessen); sie steht für die Oktavlage des Klangs. Je kleiner die Pfeife, desto höher der Klang. 8’ (sprich: „Acht Fuß“) ist die normale Oktavlage, wie sie auch in den Noten steht, 4’ klingt eine Oktave höher, 2’ zwei Oktaven höher usw., 16’ ist eine Oktave tiefer.
Die Angabe „3f“ (= dreifach), z. B. bei Mixtur, bedeutet, dass auf einer Taste drei verschiedene Pfeifen gleichzeitig erklingen. Dieses Register ist für den typischen Glanz einer Kirchenorgel verantwortlich.

Ein Tremulant ist eine zuschaltbare elektrische Einrichtung, die den Luftstrom in die Pfeifen des gespielten Manuals periodisch wechselweise anhebt und absenkt. Es entsteht ein schwingender Vibrato-Effekt des Tons, wie er z. B. von Blasinstrumenten her bekannt ist. Eine Melodiestimme kann dadurch natürlicher klingen.

Die Register im Schwellwerk stehen, räumlich abgetrennt, hinter einer Holzwand, deren Lamellen über ein Fußpedal (ähnlich wie das Gaspedal im Auto) geschlossen werden können. Dadurch klingen alle diese Pfeifen leiser und indirekter. Der „Schweller“ kann auch während des Spielens eingesetzt werden, wodurch ein echtes Decrescendo bzw. Crescendo erreicht wird.

Und es gibt noch sogenannte Koppeln, die das Spielen aller Register eines Manuals mit einem anderen Manual oder/und dem Pedal ermöglichen. Bei einem einzigen vollgriffigen Tutti klingen etwa 500 Pfeifen!

Unsere Orgel wurde im Frühjahr 2016 von der Firma Schuke saniert. Über einen mehrwöchigen Zeitraum wurden alle Pfeifen ausgebaut und gereinigt, die Elektrik ersetzt, alte Bauteile erneuert und Vieles mehr (die Bilder hier im Booklet geben einen kleinen Eindruck). Neu ist auch die sogenannte Setzerautomatik: Es können Registrierungen vorprogrammiert werden, die dann während des Spielens auf Knopfdruck abgerufen werden. So lässt sich die Registrierung der gesamten Orgel innerhalb des Bruchteils einer Sekunde komplett ändern.

Bei einer Orgelsanierung ist nicht nur handwerkliche Präzision der Orgelbauer gefragt, sondern auch die nötige Erfahrung, um sich einer Orgel so anzunehmen, dass ihr individueller Charakter erhalten und gefördert wird. Das Warten hat sich gelohnt: Im Konzert anlässlich ihrer Wiederindienstnahme am 5. Juni 2016 erstrahlte die Orgel in ihrem alten Glanz. Doch halt, nicht nur im alten Glanz! Das Besondere ist das neu eingebaute vierte Manual. Es ist eine Klaviertastatur, die über MIDI einen Klangcomputer ansteuert und damit die Klangfarbenpalette der Orgel deutlich erweitert. Falls Sie MIDI (= Musical Instrument Digital Interface) nicht kennen: Vom Spieler werden live über die Tastatur alle Spiel-Informationen an den Computer weitergeleitet, also wann welche Taste wie stark angeschlagen und wie lange gehalten wird. Über diese Steuerungsdaten wird der voreingestellte Klang vom Computer entsprechend abgerufen. Die Computerklänge werden dann über eine Lautsprecheranlage, die direkt ins Orgelgehäuse eingebaut wurde, parallel zu den Pfeifenklängen live gespielt.

Die Raumakustik in der Trinitatiskirche ist wie geschaffen für unsere Walcker-Orgel. Insbesondere der Nachhall ist dafür verantwortlich, dass sich beides, Raum und Musik, zu einem Klangerlebnis ersten Ranges verbindet. Sowohl im Gottesdienst als auch im Konzert, sowohl Bach als auch Pop: Es scheint, als könnten uns die vielfältigen Farben und Stimmungen, die Schattierungen und Nuancen, das kraftvolle Tutti und die fast zärtlich-verspielten, sich ins Ohr schmiegenden Klänge wirklich in eine andere Welt entführen. Aber was soll ich hier noch weiter in Worten schwärmen... Hören Sie sich einfach unsere Orgel an und genießen Sie die musikalische Visitenkarte der Trinitatisgemeinde Charlottenburg!

Michael Schütz
September 2016


mit freundlicher Genehmigung der Kirchengemeinde (Michael Schütz)
OI-B-141
weiterführende Links:

Webseite Trinitatis-Kirchengemeinde Berlin



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