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Die Orgel in der Kreuzkirche Bonn

Die Ott-Orgel der Kreuzkirche Bonn
Disposition


Die Ott-Orgel der Kreuzkirche Bonn

Die Orgel der evangelischen Kreuzkirche in Bonn war eines der ersten großen Instrumente Deutschlands nach 1945, bei dessen Konstruktion die alten handwerklichen und ästhetischen Werte des Orgelbaues maßgeblich sein sollten. Mit der Werkstatt Paul Ott wurde – dem Geist der Zeit entsprechend – ein evangelischer Orgelbauer gewählt, der sich einen besonderen Ruf im Hinblick auf diese Stilprinzipien erworben hatte.

Im offiziellen Abnahmegutachten von Prof. Hans Klotz heißt es:
"Die Gliederung der Werke kann in Anbetracht der räumlichen Verhältnisse als ein Optimum bezeichnet werden. Über dem Spieltisch befindet sich der Reihe nach Brustwerk, Hauptwerk und Oberwerk, rechts davon das Pedal; in einem Abstand von der Gesamtanlage, an der Brüstung der Empore, befindet sich auf linken Seite das Positiv... Abschließend kann gesagt werden, dass das Werk bei der Reichhaltigkeit seiner qualifizierten Disposition und der künstlerisch hochwertigen Intonation der guten Orgelliteratur aller Epochen bis hin zur Moderne gewachsen ist."

Ein weiteres Gutachten bestätigt 24 Jahre später:
"Das im Jahre 1956 von der Firma Paul Ott in Göttingen vollendete Instrument ist neben den Orgeln der Johanneskirche und Matthäikirche in Düsseldorf eine der großen und bahnbrechenden Orgelschöpfungen der Nachkriegszeit im Rheinland. Mit 64 Registern auf 4 Manualen und Pedal stellt es der Orgelkunst der Fünfzigerjahre, die sich an guten historischen Vorbildern auszurichten begann, ein hervorragendes Zeugnis aus. Die Schleiflade und die mechanische Traktur sind als die einzig wahren und dauerhaften Bauprinzipien erkannt worden. Ihre Verwendung war unabdingliche Voraussetzung für den klanglichen Wert und die zuverlässige Funktion einer Orgel."
(Orgel – und Glockenamt der evang. Kirche im Rheinland)

Neben den hervorgehobenen orgelbaulichen Einzelheiten ist auch der musikalische Weitblick der Disponenten zu erwähnen (Prof. Gottfried Grote, Berlin und KMD Hans Geffert, Organist der Kreuzkirche). Ihnen ist es zu verdanken, dass das Klangspektrum dieser Orgel weit über den strengen Stil der 50er Jahre hinauswies (besonders bezüglich der Größe des Schwellwerks und seine Besetzung mit dem vollen Zungenchor, den zahlreichen Grundstimmen und sogar einer Schwebung!).

Dem Orgelbauer Paul Ott gelang bei der Intonation der Pfeifen ein besonderer, für seinen Stil nicht unbedingt typischer, Grad an Wärme und Verschmelzungsfähigkeit des Klanges.


Die Renovierung im Jahre 1982

1982 unternahm die englische Firma J. W. Walker aus Brandon eine grundlegende Renovierung und Restauration des Instruments. Behoben wurden vor allem Heizungsschäden an den Windladen und Trakturprobleme. Mit den technischen Mitteln und der Erfahrung der 80er Jahre konnte die 1956 neuartige vollmechanische Traktur erheblich leichtgängiger gemacht werden. Sorgfältig durchdachte Klangveränderungen betrafen im Wesentlichen die Zungenstimmen (mehr Fülle) und einzelne Mixturen (Tieferlegung). Im Abnahmegutachten von OStR Günther Eumann vom landeskirchlichen Orgel- und Glockenamt heißt es:
"Zusammenfassend ist festzustellen, dass die beauftragte Firma alle Arbeiten sehr fachkundig, sorgfältig und mit großem künstlerischen Einfühlungsvermögen ausgeführt hat. Besonders im Klang der Zungen spürt man die große Tradition des englischen Orgelbaus der auf diesem Gebiet in Europa führend ist.

Das ursprüngliche Klangkonzept wurde nicht im Sinne einer Stilveränderung revidiert sondern weiterentwickelt. Nun ist das Instrument in seinem eigentlichen Sinne barock mit einer verschwenderischen Fülle an Klanggut, welches auch den Intentionen der romantischen Epoche gerecht zu werden vermag. Jetzt wird der große, akustisch ausgezeichnete Raum der Kreuzkirche bis in den letzten Winkel erfasst vom mächtigen Klang der Orgel".

Seit dieser umfassenden Generalüberholung im Jahre 1982 besitzt die Bonner Kreuzkirche ein prächtiges technisch und klanglich einwandfreies Orgelwerk, das in der Auswahl der Konzertliteratur keine Beschränkungen auferlegt. Mit 64 Registern auf 4 Manualen und Pedal sind alle Epochen von der Gotik bis zur Moderne darstellbar. Schwerpunkt der Darstellungsmöglichkeiten ist die Literatur des Hoch- und Spätbarock. Auch das vorige Jahrhundert ist mit seiner gerade für große Kirchenräume bedeutenden Kompositionen an dieser mit Zungenstimmen aller Schattierungen ausgestatteten Orgel bestens aufgehoben.



Die Renovierung im Jahre 2001

Im Jahre 2001 führte die Firma Karl Schuke Berliner Orgelbauwerkstatt Renovierungs- und Sanierungsarbeiten an der Ott-Orgel der Kreuzkirche durch. Außer einer gründlichen Generalreinigung wurden an Windladen, Trakturen, Bälgen und Pfeifen umfangreiche Arbeiten durchgeführt. Diese zielten einerseits auf die Sicherung der vorhandenen Substanz, andrerseits aber auch auf die Verbesserung in der Erhaltung der Funktionstüchtigkeit der Orgel. Darüber hinaus wurde "in sehr dezenter Weise", wie es im Protokoll der Abnahmeprüfung durch das Landeskirchenamt heißt, "eine 4000fache Setzeranlage mit Display integriert", da "Anlage und Einrichtungen des Spielschrankes im Wesentlichen aus dem Original von 1956 übernommen wurden".

Damit steht dem Organisten ein Spielkomfort zur Verfügung, der dem modernen Standard einer viermanualigen Orgel entspricht. Die Zielsetzung bei der Intonation war die grundsätzliche Erhaltung der Ottschen Klangidee von 1956, wobei die im Jahre 1982 durch Walker eingetretenen Veränderungen nicht verwischt werden sollten und konnten. Im Abnahmegutachten von OStR Günther Eumann vom landeskirchlichen Orgel- und Glockenamt, der auch schon die Arbeiten in den achtziger Jahren begleitet hatte, heißt es abschließend zu den Arbeiten der Firma Karl Schuke:
"Der Klang der Orgel hat eine beachtliche Geschlossenheit erhalten. Der Prinzipalchor besitzt Fülle und Glanz und zeichnet polyphone Stimmführungen klar und deutlich nach. Der Weitchor hat insgesamt an Charakteristik gewonnen. Die Zungenstimmen betten sich im chorischen Spiel vorteilhaft in die Plena der einzelnen Werke ein. Im Pedal dominieren Posaune 16' und Trompete 8' und erhalten gegenüber den Manualstimmen ein leichtes Übergewicht. Je weiter man sich von der Orgel entfernt, umso mehr verblassen die Klangkronen der Manualwerke aufgrund ihrer schlanken, vom Ersterbauer intendierten Mensurierung in dem großen Raum. Das Tutti ist von milder Strahlkraft, ohne jemals aufdringlich zu wirken.


Die mit großem Engagement und künstlerischem Einfühlungsvermögen gewonnene Klanggestaltung garantiert dem Instrument nunmehr eine unbeschränkte Nutzung quer durch die musikalischen Epochen von der Renaissance bis zur zeitgenössischen Musik. Zweifellos liegt ihr Schwergewicht aufgrund der noch immer deutlich erkennbaren Handschrift von Paul Ott vorwiegend in der hoch- und spätbarocken Literatur. Die Renovierungen von 1982 haben vor allem durch die Aufwertung der Zungenchöre die Orgel für die Darstellung romantischer Werke geöffnet. Die jetzt geleisteten Arbeiten stellen die Funktionsfähigkeit der Orgel auf einen längeren Zeitraum sicher. Die Nutzung moderner Technik im Bereich der Spielhilfen stellt zwar einen Eingriff in die Originalsubstanz dar ist aber im Sinne einer umfassenden und komfortablen Nutzung des reichhaltigen Klangmaterials zu begrüßen."

(Orgel – und Glockenamt der evang. Kirche im Rheinland)

Autoren: Johannes Geffert und Stefan Horz
Quelle: Webseite www.kreuzkirche-bonn.de

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Disposition
erbaut 1956 von Paul Ott, Göttingen

I Rückpositiv II Hauptwerk III Oberwerk IV Brustwerk Pedal
Gedackt 8' Quintade 16' Stillgedackt 16' Holzgedackt 8' Prinzipal 16'
Quintadena 8' Prinzipal 8' Praestant 8' Holzflöte 4' Subbass 16'
Prinzipal 4' Gemshorn 8' Spitzgedackt 8' Prinzipal 2' Quintbass 10 2/3'
Blockflöte 4' Koppelflöte 8' Dolkan 8' Waldflöte 2' Oktave 8'
Oktave 2' Oktave 4' Schwebung 8' Quintflöte 1 1/3' Gedackt 8'
Nachthorn 2' Rohrflöte 4' Prinzipal 4' Terzzimbel 3fach 1/6' Oktave 4'
Nasat 2 2/3' Quinte 2 2/3' Trichterflöte 4' Baerpfeife 8' Hohlflöte 4'
Quinte 1 3/5' Oktave 2' Weitprinzipal 2' Tremulant Gemshorn 2'
Terz 1 3/5' Großmixtur 6fach 2 2/3' Praestantflöte 2'   Schwiegel 1'
Septime 1 1/7' Scharf 4fach 1/3' Zimbel 2fach 1/6'   Sesquialtera 2fach 5 1/3'
Sifflöte 1' Trompete 16' Mixtur 4fach 1 1/3'   Rauschpfeife 3fach 4'
None 8/9' Trompete 8' Dulzian 16'   Basszimbel 3fach 1'
Scharf 4fach   Trompete 8'   Hintersatz 5fach 2 2/3'
Rankett 16'   Oboe 8'   Posaune 16'
Krummhorn 8'   Schalmey 4'   Trompete 8'
Tremulant   Tremulant   Trompete 4'

Koppeln: OW/HW, RP/HW, OW/RP, HW/P, OW/P, RP/P; wahlweise mechanische oder elektrische Koppeln; Zimbelstern; Oberwerk und Brustwerk schwellbar; Schleifladen, mechanische Spieltraktur, elektrische Registertraktur; Setzeranlage mit 4.000 Kombinationen

Erbauer: Paul Ott, Göttingen 1956
Disposition: Prof. Gottfried Grote, Berlin
Restauration: Firma J.W. Walker, GB-Brandon (1982) / Firma: Karl Schuke, Berlin (2001)
Gehäusegestaltung: Baurat Heinrich Otto Vogel, Trier
Bemalung der Flügel: Hans Gottfried von Stockhausen, Eßlingen

Mit freundlicher Genehmigung der Kirchengemeinde
Foto: Maria Anna Meyer
OI-B-135
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