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Die Orgel in St. Remigius Bubenheim

Informationen zur Orgel
Disposition

Informationen zur Orgel

Die kleinste Orgel der Pfarrei Schwabenheim befindet sich auch in der kleinsten Kirche, nämlich in Bubenheim. Lange Zeit stand dort nur ein Harmonium bis Pfarrer Ludwig Hellriegel 1970/71 die alte Bernhard-Orgel aus der evangelischen Kirche in Nieder-Olm erwerben konnte. Eine Windladeninschrift gibt Auskunft über den Erbauer und das Baujahr: Th. Carl Bernhard Gambach 1891 . Die Orgel ist in einzigartiger Weise ziemlich original erhalten; das macht ihren besonderen Wert aus. Lediglich die Gebläseanlage ist neuern Datums: Schwimmerbalg und Gebläsemotor beim Einbau in die Kirche erneuert. Auch der vermutlich in den 1920er Jahren eingesetzte Zinkprospekt kann heute schon als historisch angesehen werden. Gehäuse und Prospekt waren dem Baustil des ursprünglichen Standortes angepasst: eine Mischung aus Neoromanik und Neugotik. An die Romanik erinnern die wehrhaft wirkenden Zinnen, Arkaden und Ronden im Obergehäuse sowie die runden oberen Abschlüsse der Prospektpfeifenfelder. Jeweils einen Rundbogen bilden auch die rund aufgeworfenen Labien in den drei Prosepktfeldern. An die Gotik erinnern die vier oberen Abschlusstürme der Gehäusefront. Sie zeigen eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Kirchturm der evangelischen Kirche in Nieder-Olm. Der mittlere Gehäuseaufbau gleicht dem Treppengiebel eines gotischen Hauses.

Zahlensymbolik ist von vielen Orgeln bekannt. Auch Meister Bernhard hat das trinitarische Prinzip (= Dreifaltigkeit) in seinem kleinen Orgelwerk mehrfach verwirklicht: In drei Prospektfeldern stehen je dreimal drei (= 9) Orgelpfeifen; diese werden von dreimal zwei (=6) Bögen oben begrenzt. Drei Ronden schmücken das Obergehäuse, das beidseitig von zweimal drei bzw. von dreimal drei (=9) Arkaden in der Mitte abgeschlossen wird; insgesamt dreimal fünf (=15) Zinnen/Giebel krönen das Gehäuse. Die Orgel besitzt 33 mal 3 mal 3 (=297) Orgelpfeifen, spielbar von drei mal drei mal drei Pedaltasten und drei mal drei mal drei mal zwei (=54) Manualtasten. Das Werk besitzt dreimal zwei (=6) Register. Der Weg von der Taste zum Ventil läuft über jeweils drei Winkel.

Die Orgel ist seitenspielig (links). Die Reihenfolge der Register entspricht der Aufstellung der Pfeifen, bzw. der Anordnung der Registerzüge (s. Disposition)

Die Pfeifen stehen auf einer mechanischen Kegellade, d.h. unter jeder Pfeife ist ein Kegelventil, das auf Tastendruck den Wind für die Pfeife freigibt. Bei jedem Tastendruck werden also mehrere Winkel, Abstrakten und Kegel bewegt. Und jede Bewegung bringt auch einen entsprechenden Verschleiß mit sich. Für die Orgel bedeutet das die Notwendigkeit ständiger Pflege und Wartung. Da viele Verschleißteile versteckt innerhalb der Orgel liegen und schwer zugänglich sind, zeigen sich zunehmende Mängel und Schwächen der Orgel. Hier ist eine regelmäßige Wartung neben der Stimmung angezeigt. Für kleine Gemeinden wie Bubenheim ist diese finanzielle Belastung nur schwer zu leisten.

Daher hat die Gemeinde die Arbeiten 1991/92 selbst in die Hand genommen. Unter Anleitung von Dr. Hans-Joachim Stenger leisteten zahlreiche Gemeindemitglieder ehrenamtlich etliche Arbeitsstunden an der Orgel: Beim Abbau langte Richard Bungert tatkräftig zu und sorgte für die ordnungsgemäße Einlagerung der Orgelpfeifen. Frau Franziska Bungert hat unermüdlich mehrfach die Empore und das äußere Orgelgehäuse gereinigt. Im Hause Finkenauer waren die Orgelpfeifen während der Bauarbeiten gut aufgehoben; verständlich, dass Erich Finkenauer mit Frau Maria beim Auf- , Abbau sowie bei der Reinigung der Pfeifen und bei vielen anderen Arbeiten tatkräftig angepackt haben; so vor allem bei der Schutzbehandlung mit Schädlingsbekämpfungsmittel. Die gleichen Sicherungsmaßnahmen führte auch Friedel Kitzinger an den Holzpfeifen durch; außerdem war er zur Stelle, wenn es um Transportarbeiten ging.

Der damalige Schwabenheimer Organist Stefan Gauly verbrachte die Fastnachtstage in der Orgel: Nach gründlicher Ausreinigung des Innengehäuses hat er eingeengt am Boden liegend Stunden damit verbracht, alte brüchige Metalldrähte in der Traktur, im Spieltisch und besonders im Koppelbereich zu erneuern. Dass dem Bubenheimer Organisten Hans J. Theiß seine Orgel, die er von Anfang an gespielt hatte, besonders ans Herz gewachsen ist, belegen die unendlich vielen Stunden, die er bei den Orgelarbeiten verbracht hat: Abbau, Transport, Holzwurmbehandlung.
Für die fachmännische Reparatur der Pfeifen konnte der Orgelbaumeister Joachim F. Weigle aus Upfingen auf der Schwäbischen Alb gewonnen werden. Die Pfeifen wurden ausgebeult und alle Stimmlappen professionell befestigt. Soweit nötig wurden die Stöpsel der Holzpfeifen neu beledert, um so eine bessere Stimmhaltung zu gewährleisten. Schließlich erfolgte eine Nachintonation und Stimmung. Auf Empfehlung des Diözesankonservators Dr. Hans-Joachim Kotzur erhielt das Orgelgehäuse einen grünen Anstrich; die Laibungen wurden sparsam vergoldet.

„Eine besondere Anerkennung gebührt dem Gemeindepfarrer Eberhard Jung. Nur seiner mitsorgenden Unterstützung und seiner raschen Kontaktaufnahme mit dem Ordinariat ist es zu verdanken, daß die Arbeiten an der Orgel zu einem gelungenen Abschluß geführt werden konnten.“





vgl. Bösken, Franz: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins, Band 1, Mainz 1967, Seite 394.  Nach Bösken wurde die Orgel 1865 für die evangelische Kirchengemeinde  von den Gebr. Bernhard, Gambach gebaut. Bösken hat zwar das große Verdienst, eine Bestandsaufnahme der Orgeln am Mittelrhein erstellt zu haben, dennoch sind ihm in Anbetracht der spärlichen Mittel, die ihm zur Verfügung standen, immer wieder kleine Fehler unterlaufen.

Die Einzelheiten der Arbeiten 1992 finden sich in der kleinen Festschrift zur Wiedereinweihung: Gebr. Bernhard-Orgel in der katholischen St. Remigius-Kirche Bubenheim 1992, Schwabenheim 1992

Gebr. Bernhard-Orgel a.a.O. Seite 9

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Disposition

Manual C-f3 Pedal C-d1
Principal 8' C-H Fichte, c0-f3 Prospekt Zink, Innenpfeifen Zinn Subbaß 16'
Octave 4' C-f3 Zink, Innenpfeifen Zinn  
Aeoline 8' C-H Fichte, c0-f3 Zinn  
Gedacktflöte 8' C-h0 Fichte, c1-f3 Zinnlegierung  
Flaut travers 4' C-h0 Zinnlegierung, normale Länge, ab c1 überblasend  

Pedalkoppel
Tuttitritt

mit freundlicher Genehmigung von Dr. Hans Joachim Stenger
OI-S-97
weiterführende Links:

Webseite der Pfarrgemeinde Schwabenheim



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