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Die Orgel der Basilika des eh. Praemonstratenserklosters Kall (Steinfeld)

Heutiger Zustand
Geschichte
Disposition von 1701
Disposition von 1913
Disposition von 1934
Historische Bedeutung

Geschichte des Klosters
Anschrift


Heutiger Zustand

Die heutige Disposition der Orgel und ihre äußere Gestalt geht in wesentlichen Teilen auf eine 1727 vorgenommene Erweiterung durch einen anonymen Orgelbauer zurück. Aufgrund der Disposition wird Balthasar König als Urheber vermutet, der damals in Münstereifel, später in Köln ansässig war. Bei der Erweiterung wurde das 1678-83 von dem Schreiner und Laienbruder Michael Pirosson geschaffene Hauptgehäuse beibehalten und das Rückpositiv und die Pedaltürme hinzugefügt. Die dabei geschaffene Disposition (unter Weiterverwendung älterer Register) ist im wesentlichen identisch mit der heutigen Disposition. Lediglich das Pedalwerk ist heute gegenüber dem Zustand von 1727 im Tonumfang erweitert und um zusätzliche Register erweitert. Die Restaurierung bzw. Rekonstruktion zwischenzeitlich entfernter Register sowie die Pedalerweiterung führte Josef Weimbs durch und wurde 1981 fertiggestellt.

Die Orgel hat heute folgende Register:

I. Rückpositiv (C-c''') II. Hauptwerk (C-c''') Echowerk (C-c''')

Pedal (C-d')

Hollpfeif 8' Bordun 16' Gedackt 8' Principal 16' (1934)
Flaut travers 8' D (neu) Principal 8' Flaut douce 4' Subbass 16'
Praestant 4' Hollpfeif 8' Nasard 3' Octav 8')
Flaut 4' Viola di Gamba 8' Octav 2' Octav 4'
Quint 3' Octav 4' Sesquialtera 2f. D Bombart 16'
Octav 2' Quint 3' Vox humana 8' Trompet 8'
Cornett 3f. D Superoctav 2' Tremulant
Tintinabulum 2f. D1 3/5' + 1' Terz 1 3/5'
Mixtur 3f. 1' Cornett 4f. D
Cromhorn 8' Mixtur 3f. 1 1/3'
Tremulant Cymbel 3f. 2/3'

Trompet 8'
Claron 4' B

Koppeln RP/HW, I/P, II/P
Nachtigall, Schweller Echowerk

Geschichte

Wahrscheinlich um 1600 wurde eine Orgel gebaut, von der heute noch Pfeifen in 13 Registern erhalten sind, darunter die mit Fratzen bemalten Prospektpfeifen aus Blei im Hauptgehäuse und Rückpositiv, aber auch Pfeifen im Inneren, bei denen die raue Tuchseite der Pfeifenbleche nach außen gewendet ist, wie es in der Renaissance von niederländischen und kölnischen Orgelbauern praktiziert wurde. Über den Ursprung dieser Pfeifen ist nichts bekannt, doch vermutete Marten Albert Vente 1957, daß sie vielleicht auf Jakob Niehoff oder wahrscheinlicher noch auf Floris Hocque zurückgehen könnten, die beide in Köln tätig waren.

1638 ist eine umfangreiche Reparatur der Steinfelder Orgel belegt.

1678-83 erstellte der Schreiner und Laienbruder Michael Pirosson ein neues Orgelgehäuse, den Hochaltar, Seitenaltäre und die Kanzel. Vermutlich erweiterte gleichzeitig ein anonymer Orgelbauer die Orgel um ein zweites Manual. Das neue Orgelgehäuse entsprach dem Prospektschema, das vor ca. 1720 im Rheinland allgemein üblich war: großer runder Mittelturm, niedrigere Spitztürme an den Seiten, dazwischen zwei Flachfelder übereinander, als Bekrönung ein horizontales, Spitztürme und Flachfelder verbindendes Gesims, das vom Mittelturm durchbrochen wird. Dieses Prospektschema ist eng verwandt mit norddeutschen Prospekten der Barockzeit. Es war einst im Rheinland in fast jeder Kirche zu sehen, ist aber heute nur noch in wenigen Exemplaren erhalten.

Aus dem Jahr 1701 existiert eine Aufzeichnung der Disposition der Steinfelder Orgel:

Oberwerk Positiv

Pedal

Bardun halbiert 16' Nacht-Horn (8'?) angehängt
Praestant 8' Holpfeif 4'
Holpfeif 8' Koppel (= Principal, 4'?)
Octave 4' Nassard halbiert
Quint fleut (3'?) Quint fleut (3'?)

Super octave 2'

Fleut 2'
Mixtur 4f. Octave (2'?)
Cimball 3f.
Cornet 4f.
Trompett 8' aus Blech

Trom (= Trommel), Nachtigall

1727 erfolgte eine erneute Erweiterung der Orgel. Das Datum ist dokumentiert durch eine Inschrift am Gehäuse, die zudem den Holzbildhauer Frater Norbert Windheiser nennt. Dieser erstellte vermutlich die Gehäuse zu den Pedaltürmen und dem Rückpositiv sowie deren Ornamentierung, die sich stilistisch deutlich von der Ornamentierung des Hauptgehäuses unterscheidet. Die Anlage eines Pedalwerks in freistehenden Pedaltürmen war für die rheinische Orgellandschaft sehr ungewöhnlich. Als Orgelbauer wird Balthasar König vermutet, weil dieser eine fast identische Disposition 1738-40 in Köln, St. Mariae Himmelfahrt realisierte. Charakteristisch für König ist insbesondere das Diskantregister Tintinabulum (lat. Glöckchen) bestehend aus 1 3/5' + 1'. Balthasar König neigte zudem zu individuellen Prospektgestaltungen, die von der rheinischen Tradition deutlich abwichen, was wohl mit seiner Abstammung von der bayrischen Orgelbauerfamilie König in Ingolstadt zu tun hat.

1802 wurde das Kloster aufgehoben und die Kirche in eine Pfarrkirche umgewandelt. Die Gemeinde von nur 1100 Seelen hatte lange Zeit kein Geld für Baumaßnahmen an der Orgel.

1877-80 fanden Erneuerungs- und Erweiterungsmaßnahmen durch Gebr. Müller statt. Die Orgel erhielt neue Klaviaturen und der ursprüngliche Pedalumfang C-d wurde erweitert auf C-c‘. Deshalb mußte eine neue Pedallade und neue Pfeifen für dis-c' gefertigt werden. Das ursprünglich fest angehängte Pedal erhielt eine Pedalkoppel. Die Orgel wurde ferner mit einem Magazinbalg versehen.

1913 war folgende Disposition vorhanden:

I. Rückpositiv (C-c''') II. Hauptwerk (C-c''') Echowerk (C-c''')

Pedal (C-c')

Hohlflaut 8' Bordun 16' Spitzflöte 8'

Subbass 16'

Flaut travers 8'ab c' Principal 8' Flauto dolce 4' ged Octav 8'
Praestant 4' Hohlflöte 8' Nazard 3' Posaune 16'
Flaut dolce 4' Gamba 8' Superflaut 2' Trompet 8'
Quinte 3' Octav 4' Carillon 2f. ab c'2 2/3' + 1 3/5'
Octav 2' Quinte 3' Vox humana 8'
Cornette 3f. ab c' Octav 2'
Tintinabulum 2f. ab c' Terz 1 3/5'
Mixtur 3f. Cornett 3f. ab c'
Krummhorn 8' Mixtur 3f.
Cimbel 3f.
Trompet 8'
Claron 4' B

Koppeln RP/HW, HW/Ped
Tremulant, Ventile, Kalkantenglocke

Im Prospekt der Pedaltürme standen Holzattrappen, die mit Zinnfolie belegt waren. Die Spitzflöte war tatsächlich ein Gedackt 8'

1933-34 wurde die Orgel durch Johannes Klais umgebaut und erweitert. Die drei Register Flaut travers 8', Gamba 8' und Terz 1 3/5' wurden ersetzt durch andere. Die Manualumfänge wurden bis g''' erweitert. Als Ersatz für eine Chororgel kam ein Schwellwerk mit 8 Registern hinzu, das vor der Nordwand aufgestellt wurde. Das Pedalwerk wurde mit neuen Laden versehen und erweitert. Das Echowerk stellte Klais außerhalb des Gehäuses an der Südwand auf. Die mechanische Traktur wurde durch eine elektrische Traktur ersetzt. Die Disposition lautete nun:

I. Rückpositiv II. Hauptwerk
(C-g''')
III. Oberwerk
(C-g''')

III. Schwellwerk
(C-g''')

Pedal
(C-f')
Hohlflaut 8' Bordun 16' Nachthorngedackt 8' Holzflöte 8' Principalbass 16'
Praestant 4' Praestant 8' Flauto dolce 4' Gemshorn 8' Subbass 16'
Flaut dolce 4' Hohlflaut 8' Nasard 2 2/3' Singendprincipal 4' Oktavbass 8' (Extension von Principalbass)
Quinte 2 2/3' Salicional 8' Superflaut 2' Querflöte 4' Bassflöte 8' (Extension von Subass)
Oktave 2' Oktave 4' Carillon 2f. ab c' 2 2/3' + 1 3/5' Waldflöte 2' Choralbass 4' (Extension von Principalbass)
Flageolett 2' Rohrflöte 4' Vox humana 8' Nachthorn 1' Gedacktpommer 4' (Extension von Subbass)
Cornett 3f. Quinte 2 2/3' Tremulant Progressio 3-4f. Flachflöte 2' (Extension von Principalbass)
Tintinabulum 2f. Oktave 2' Trompette harm. 8' Posaune 16'
Mixtur 3f. Cornett 3f. Tremulant Basstrompete 8' (Extension von Posaune)
Krummhorn 8' Mixtur 3f.
Cymbel 3f.
Trompet 8'
Clairon 4'

1981 wurde die Orgel von Josef Weimbs restauriert, wobei im wesentlichen der Zustand vor 1934 wieder hergestellt wurde. Das Pedalwerk wurde allerdings erweitert um die Register Principal 16' (von 1934) und Octav 4'. Die Registernamen wurden an jene Namen angeglichen, die Balthasar König 1738 bei der Schwesterorgel für die Jesuitenkirche Mariae Himmelfahrt in Köln gebrauchte. Spielschrank, Trakturen, Echowerkslade und Pedalladen mußten neu angefertigt werden, ebenso die vier Register Cromhorn 8', Flaut travers 8' D, Viola di Gamba 8' und Terz 1 3/5'.


Historische Bedeutung:

Der Steinfelder Orgel kommt aus drei Gründen große historische Bedeutung zu:

  1. Sie ist heute die größte und am besten erhaltene Orgel von Balthasar König, der zu seiner Zeit der zweifellos bedeutendste rheinische Orgelbauer war und zusammen mit seinen Schülern und Söhnen den rheinischen Orgelbau nachhaltig prägt.
  2. Sie ist eine der ganz wenigen Orgeln aus dem rheinischen Raum, die noch Pfeifenmaterial aus dem 16. oder frühen 17. Jahrhundert enthalten.
  3. Ihr Hauptgehäuse ist einer der wenigen erhaltenen rheinischen Prospekte des 17. Jahrhunderts und zeigt die für den rheinischen Orgelbau dieser Zeit typische Anlage.

Geschichte des Klosters

Das Kloster Steinfeld erhebt sich mit seinen drei charakteristischen Türmen über einen Höhenzug der Nordeifel. Die geschichtlichen Anfänge reichen bis in die Zeit Heinrichs I. (919-936) zurück, verlieren sich aber in geschichtlichem Dunkel. Um 1070 erfolgte eine erste klösterliche Niederlassung.

1121 kamen Regularkleriker aus Springiersbach (Kreis Wittlich) nach Steinfeld, die um 1130 die Regel des Prämonstratenserordens übernahmen, der erst 1120 vom hl. Norbert von Xanten, dem späteren Bischof von Magdeburg, gegründet worden war. Steinfeld zählte zu den bedeutendsten Klöstern im deutschen Reich. Tochtergründungen erfolgten in Irland, Holland, Deutschland (Abtei Hamborn), vor allem aber im Osten; von besonderer Bedeutung ist das Stift Strahov (1140) bei Prag. 1184 wurde Steinfeld zur Abtei erhoben, in der bis zur Säkularisierung (1802) 44 Äbte in ununterbrochener Reihenfolge regierten.

Nach der Säkularisierung 1802 diente das Kloster verschiedenen weltlichen Zwecken, bis es 1923 von der Ordensgemeinschaft der Salvatorianer übernommen und neu belebt wurde. Die Salvatorianer übernahmen die ehemalige Klosterkirche und heutige Basilika sowie die Seelsorge in der Pfarrei, gründeten ein Gymnasium und ein Jungeninternat, betreuen einen Verlag mit Klosterladen und leiten eine Bildungsstätte mit Gästehaus.

Steinfeld gilt in seiner Gesamtanlage als eines der besterhaltenen klösterlichen Baudenkmäler des Rheinlandes, als Ort einer lebendigen, nunmehr tausendjährigen Kultur und Tradition.

Die Basilika wurde 1142 bis 1150 von den Prämonstratensern im romanischen Stil erbaut. Kunstgeschichtlich ist das Gotteshaus ein Ensemble der verschiedenen einander folgenden Stile, in dem vor allem die romanische Architektur mit der vorwiegend barocken Ausstattung harmonisch vereinigt ist. Aus gotischer Zeit sind einige Wandgemälde erhalten. Die Ausmalung der Gewölbe und der Gurtbögen erfolgte im Übergang zur Renaissance. Die übrige, den Eindruck beherrschende Ausstattung ist barock: Altäre, Kanzel, Reliquienschreine und nicht zuletzt die weltberühmte König-Orgel. In religiöser Hinsicht ist die Basilika Steinfeld eine Wallfahrtsstätte zum Grab des heiligen Hermann-Josef (1150–1241), der als Prämonstratenser in Steinfeld gelebt und gewirkt hat. Feste und besondere Gottesdienste, Orgelkonzerte und Vespergottesdienste bewahren eine lebendige religiöse und kulturelle Tradition


Adresse

Salvatorianerkloster Steinfeld 
Hermann-Josef-Str. 4
53925 Kall-Steinfeld

info(at)kloster-steinfeld.de


mit freundlicher Unterstützung von Roland Eberlein und Bruder Andreas Warler SDS
OI-K-16
weiterführende Links

Webseite Kloster Steinfeld



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