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Die Orgel in St. Stephan Mainz

Die neue Orgel
Disposition der Klais-Orgel
Die Orgeln von St. Stephan


Die neue Orgel

Orgeln begleiten Menschen über Generationen in allen Lebenssituationen, in jedem Alter. Orgeln sind Unikate – sie werden optisch und klanglich nach der Größe und den Erfordernissen ihres jeweiligen Aufstellungsraumes gestaltet, konstruiert und intoniert. In St. Stephan war dies lange nicht so. Fast 46 Jahre (seit 1967) diente ein kleines Serieninstrument mit 11 Registern aus der Ludwigsburger Firma Walcker als Provisorium und (langfristige) Übergangslösung. Die Orgel konnte den weiten Kirchenraum weder klanglich füllen, noch den Gemeindegesang in angemessener Weise begleiten. Immer wieder gab es Initiativen, eine neue Orgel zu bauen. 2008 erfolgte eine begrenzte Ausschreibung für einen Orgel-Neubau. Fünf international renommierte Orgelbau-Firmen aus Deutschland und dem benachbarten Ausland bewarben sich im Rahmen eines Wettbewerbs mit sehr unterschiedlichen Entwürfen um den Auftrag. Am 11. Dezember 2008 fand die Sitzung des Preisgerichts statt. Es bestand aus Mitgliedern der Pfarrei (Pfarrer, Mitglieder des Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrates, Organist), Mitarbeitern der entsprechenden Dezernate des Bischöflichen Ordinariates und der Kirchlichen Denkmalpflege (Baudirektor, Diözesankonservator), dem Leiter der Abteilung „Orgeln und Glocken“ im Bischöflichen Ordinariat und dem beauftragten Orgelsachverständigen. Nach ausführlichen Diskussionen und mehreren Ausscheidungsrunden ging der Entwurf der Firma Klais aufgrund seiner Eigenständigkeit und Modernität als Sieger aus diesem Wettbewerb hervor. Er begreift sich als Skulptur, nutzt die Raumhöhe optimal und strebt in seiner Schlankheit filigran nach oben. Die Orgel hat keine eigene Farbgebung, sondern nimmt durch metallisch-reflektierende Flächen die sich im Tagesverlauf verändernden Farben des Raumes auf.
Die Register des dreimanualigen Instruments verteilen sich auf Hauptwerk, Schwellwerk, Positiv und Pedal.

Wichtige Kriterien bei der Entscheidung der Jury waren vor allem drei Punkte:

1. ein möglichst schlanker Aufbau des Orgelkorpus
2. eine farblich optimale Integrationsfähigkeit der Orgel im chagallblau durchfluteten Kirchenraum
3. die beeindruckende Dreidimensionalität der gesamten Orgelanlage – das Instrument hat nicht nur eine Schauseite, vielmehr sind alle sichtbaren Seiten versetzt gestaltet.


2009 erfolgte die Gründung des Orgelbauvereins von St. Stephan, der von Anfang an das Projekt „Orgelneubau“ konsequent und mit großem Engagement betrieb und koordinierte. Die Veranstaltungsreihe „OrgelPLUS“, „Orgelmessen“, zahlreiche Konzerte Mainzer und auswärtiger Formationen, große und kleine Spenden, Pfeifen-Patenschaften und Fördermaßnahmen ermöglichten bereits Ende 2010 den Vertragsabschluss zum Bau der neuen Orgel.
Die Aufbauarbeiten in der Kirche begannen im September 2012. Vorher waren umfangreiche Fundament-Arbeiten bis in eine Tiefe von 15 Metern notwendig.

Am 1. März 2013 – nur gut drei Jahre nach der Auftragsvergabe – weihte der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann das op. 1915 aus der Bonner Werkstatt Klais und übergab die Orgel ihrer Bestimmung zum Lob und zur Ehre Gottes und zur Erbauung und Begleitung der Menschen.


Disposition der Klais-Orgel
erbaut 2012/2013 von Orgelbau Klais als op. 1915

I. Hauptwerk (C-a3) II. Positiv (C-a3) III. Schwellwerk (C-a3) Pedal (C-f1)

1. Praestant 16'

14. Principal 8' 23. Lieblich Gedackt 16'

38. Willigis-Bass 32'

2. Principal 8'

15. Dulciana 8' 24. Flûte harmonique 8' C–H akust. aus Nr. 40, ab c ! aus Nr. 40

3. Concertflöte 8'

16. Gedackt 8' 25. Bordun 8'

39. Untersatz 32

4. Viola da Gamba 8' 17. Principal 4' 26. Gambe 8' C–H akust. aus Nr. 42, ab c ! aus Nr. 42

5. Rohrflöte 8'

18. Gemshorn 4'

27. Vox coelestis 8'

40. Principalbass 16 '

6. Octave 4' 19. Doublette 2'

28. Fugara 4'

41. Violon 16'

7. Blockflöte 4'

20. Larigot 1 1/3'

29. Traversflöte 4'

Transmission aus Nr. 1
8. Quinte 2 2/3' 21. Mixtur III 1 1/3'

30. Quintflöte 2 2/3'

42. Subbass 16'

9. Superoctave 2'

22. Cromorne 8'

31. Flautino 2'

43. Octavbass 8'

10. Cornet V 8' Tremulant

32. Terzflöte 1 3/5'

44. Gedacktbass 8'

11. Mixtur IV 2'

33. Progressio II-V 1 1/3'

45. Tenoroctave 4'
12. Trompete 16'

34. Basson 16'

46. Posaune 16'

13. Trompete 8'

35. Trompette 8'

47. Trompete 8'

36. Hautbois 8'

37. Clairon 4'
Tremulant

Koppeln: II–I, III–I, III–II, I–P, II–P, III–P, Super III–P, Super III–I

Setzeranlage: 10.000 Speichermöglichkeiten in 10 Gruppen
Sequenzer als Druckknöpfe und Pistons
Spieltraktur: mechanisch
Registertraktur: elektrisch

Pfeifenzahl: 3.006
Gesamthöhe: 14,7 Meter
Gewicht: etwa 17 Tonnen

Disposition: Philipp C. A. Klais in Zusammenarbeit mit Diozesankirchenmusikdirektor Thomas Drescher, Dr. Manfred Wittelsberger (Orgelsachverständiger) und Hans-Gilbert Ottersbach (Organist)

Prospektentwurf Philipp C. A. Klais, Johannes Krämer (Baudirektor des Bischöfl ichen Ordinariats Mainz), Dr. Jürgen Kotzur (ehem. Dom- und Diözesankonservator des Bistums Mainz)

Mensuren und klanglich-künstlerische Leitung: Heinz-Günther Habbig
Intonation: Bernd Reinartz, Jacques Hanss, Orgelbaumeister Peter Karhausen, Andreas Saage


Die Orgeln von St. Stephan

Im Jahr 1500 wird für St. Stephan erstmals ein Organist erwähnt. Eine Orgel gab es aber schon früher, da das zu diesem Zeitpunkt vorhandene Instrument Ende des Jahres 1500 nicht mehr den Ansprüchen genügte. Die Stiftsherren von Stephan bemühten sich um den Ankauf der für den eisernen Chor im Dom gebauten Orgel. Dort gab es Zahlungsschwierigkeiten.

1604 hatte St. Stephan gleich zwei Orgeln, eine im „hohen Chor“ und eine auf einer Lettner-Galerie im Ostchor.1703 war die größere der beiden Orgeln abgebrochen.

Johann Hoffmann aus Würzburg erhielt 1715 den Auftrag zum Bau einer neuen Orgel. Dieses Werk mit 23 Registern auf zwei Manualen und Pedal wurde um 1721 fertiggestellt.

Der Mainzer Orgelbauer Bernhard Dreymann arbeitete 1834 an dem Instrument (Reparatur, Reinigung, Dispositionsveränderungen). Am 18. November 1857 zerstörte eine verheerende Explosion des nahen, als Pulvermagazin genutzten mittelalterlichen Martinsturms der Festung Mainz die barocke Ausstattung der Kirche samt Orgel. Am 28. Oktober 1858 wurde mit Hermann Dreymann (1824–1862), dem Sohn Bernhard Dreymanns, ein Vertrag über den Neubau einer zweimanualigen Orgel mit 29 Registern geschlossen.
Die Dreymann-Orgel stand in einem neugotischen Gehäuse. Sie kostete 3200 florenus (Gulden), Teile der alten Orgel wurden für 300 fl in Zahlung genommen.

1874 – nur 15 Jahre nach dem Neubau – erfolgten gravierende Veränderungen in der Disposition und Technik durch den Orgelbauer Martin Schlimbach aus Würzburg. Ziel der Maßnahmen waren vollere Farben, mehr Lautstärke und mehr klangliches Volumen.

1911/12 reinigte die Firma Klais aus Bonn die Orgel in St. Stephan und baute eine Trompete im Hauptwerk und ein elektrisches Gebläse ein. Wie an vielen Orten, so mussten auch in St. Stephan 1917 die Prospektpfeifen aus Zinn für Kriegszwecke abgegeben werden.

Disposition der Dreymann-Orgel (lt. Vertrag vom 28. Oktober 1858)

MANUAL C–g3 POSITIV C–g3 PEDAL C–d1

Bourdon 16'

Geigen-Prinzipal 8'

Prinzipalbass 16'

Prinzipal 8'

Flöte 8'

Violonbass 16'

Gemshorn 8'

Salicional 8'

Subbass 16'

Gamba 8'

Harmonica 8'

Octavbass 8'

Grossgedackt 8'

Octav 4'

Violoncellbass 8'

Nazard 6'

Flöte travers 4'

Posaunenbass 16'

Octav 4'

Flöte dolce 4'

Flöte 4'

Flageolet 2'

Kleingedact 4'

Basson-Hautbois 8'

Quinta 3'

Superoctav 2'

Cornet disc. 5fach 8'

Mixtur vierfach 2'

Trompete 8'


Nebenzüge:
Coppel zum Manual
Coppel zum Pedal
Ventilzug oder Windablass

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Kirche am 12./13. August 1942 schwer beschädigt. Die Dreymann-Orgel verbrannte.
Im Jahr 1967 erhielt die Gemeinde ein Instrument von Walcker aus Ludwigsburg (op. 5172). Als kurzzeitiges Provisorium und Übergangs-Instrument gedacht, begleitete diese Orgel im nördlichen Querhaus über 45 Jahre lang die Gemeinde.
Disposition der Walcker-Orgel

I. Manual C–g3 II. Manual C–g3 Pedal C–f1

Gedackt 8'

Gemshorn 8'

Subbass 16'

Principal 4'

Rohrflöte 4'

Gedacktbass 8'

Sesquialter II 2 2/3'

Principal 2' Trompete 8'

Mixtur II-III

Quinte 1 1/3'


Koppeln: II–I, I–P, II–P
mechanische Schleifladen


Eine große Bereicherung und internationale Beachtung erfuhr St. Stephan durch die ab 1978 eingebauten neun Fenster von Marc Chagall (1887–1985). Der langjährige Mitarbeiter und Freund Chagalls, der Seniorchef des Glasateliers Simon in Reims, Charles Marq, setzte das Werk der Fenstergestaltung in der ganzen Kirche fort und schuf bis 2000 die achtzehn Fenster des Langhauses und Westchors.
Dieses grandiose Glaskunstwerk war Verpfl ichtung und Ausgangspunkt der Überlegungen im Hinblick auf den möglichen Ort einer neuen, dem Raum angemessenen Orgel.

Die fünf am Wettbewerb teilnehmenden Orgelbau-Firmen schlugen unabhängig voneinander den Standort an der Ostwand der südlichen Vierung vor. Hier entsteht ein direkter optischer Dialog zwischen Orgel und Fenstern – ohne auch nur eines von ihnen zu verdecken – und es ergeben sich geradezu ideale und neue Möglichkeiten: Blickkontakt zum Altargeschehen, direkter Kontakt mit der singenden Gemeinde und die Begleitung von Solisten, Chor und Orchester im Hochchor oder südlichen Querhaus.

Orgelbau Klais ging als Sieger aus dem Wettbewerb hervor. In Mainz gab es bisher nur eine – wenn auch verändert erhaltene Orgel aus der Bonner Werkstatt. Es ist das Instrument, das hinter dem Chorgestühl im Westchor des Domes steht und das Herzstück der Domorgel und ihren klanglich besten Teil bildet. Sie wurde 1928 von Hans Klais, dem Großvater des Erbauers der Stephans-Orgel, errichtet.


Mit freundlicher Genehmigung der Kirchengemeinde
Texte und Fotos entnommen aus der Festschrift zur Weihe der neuen Orgel (2013)
OI-M-40
weiterführende Links

Webseite St. Stephan Mainz



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