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Martin-Luther-Suite

Komponist: Jürgen Borstelmann
Verlag: Dohr


In meiner Notenbibliothek findet sich Organist und Komponist Jürgen Borstelmann, Jahrgang 1963, bereits mehrfach und zwar in Strube- und Bärenreiter-Ausgaben. Nun gibt es zum Abschluss der Luther-Dekade die fünfsätzige Martin-Luther-Suite auf 22 Seiten Hochformat für 10,80 € in der Edition Dohr Köln.

Sehr hilfreich ist bereits im Vorwort die Passage, dass die Reihenfolge keineswegs zwingend ist. So können Sätze durchaus in Gottesdienst / Konzert einzeln aufgeführt werden, was den praktischen Einsatz ungemein erhöht. Andererseits spricht auch absolut nichts dagegen, die Suite komplett als zusammenhängenden Zyklus aufzuführen.
Der Schwierigkeitsgrad aller Sätze ist leicht bis mittelschwer einzuordnen, womit diese Luther-Suite für viele Organisten schnell zugänglich sein dürfte.

I. Die Fantasie (Ein feste Burg) ist geprägt von purer improvisatorischer Spielfreude. Choralmotive werden sequenzierend in unterschiedlichen Stimmen verarbeitet. Virtuose und imitative Abschnitte wechseln sich ab, wobei dennoch eine kompositorische Einheitlichkeit gewahrt bleibt.

II. Wenn das Wort "Cantilene" fällt, fühle ich mich automatisch an J. G. Rheinberger erinnert. Und hier ist es vergleichbar ebenso. Über "Klangteppichen" erklingt mehrfach intensiv und beschwörend
"Verleih uns Frieden gnädiglich", impulsiv aber niemals penetrant, sondern immer erhaben und zurückhaltend verklärt. Nicht von ungefähr ist romantische Registrierung (Gambe / Voix celeste)
dazu korrekt passend und adäquat. 

Als "Capriccio" ist der III. Satz "Nun freut euch lieben Christen g´mein") locker gestaltet. Trotz der Registerangaben (I. Trompete 8´ / II. Oboe 8´) und auch im Sinne des Vorwortes ist dieses Stück eher kammermusikalisch locker (auf Orgelpunkten im Bass als stabilisierenden Ruhepolen) als pompös penetrant zu interpretieren. Achtel-(Staccato!) Auftakte tragen zu diesem Effekt deutlich bei.

Auch der IV. Satz (Meditation "Aus tiefer Not") kurz - prägnant - intensiv ist eher als subjektive Klage denn als Aufschrei -(objektiv  Anklage) gestaltet.
Kunstvoll liegt der Tenor-C.F. in der Pedalstimme, der stellenweise in Kanon-Technik in der Oberstimme wieder aufgegriffen wird. Ein sehr schöner Gestaltungseinfall.

Den virtuosen Abschluss bildet als Nr. V Toccata ("Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort"), die  -5- Seiten (analog /genauso wie bereits bei Satz I) Raum und Platz einfordert, zunächst markant und einprägsam in unisono-Technik, dann als Bass- C.F. Die virtuosen Begleitfiguren sind aus dem Themenkopf der Melodie gestaltet und steigern und verdichten dieses Stück zu einem musikalischen Feuerwerk. Gegenbewegungen in rechter und linker Hand unterstützen diesen wirkungsvollen Aufbau. Chromatische Akkord-Rückungen sind weitere effektive Gestaltungsmittel. Unmittelbar vor Schluss wird die unisono-Wirkung erneut aufgegriffen bevor diese Toccata kaskadenhaft auf Orgelpunkt Ton E nachhaltig in e-Moll- angereichert mit Zusatzton FIS nach- und ausklingt.

Ich persönlich darf den Wunsch hier anfügen, dass es bald weitere solcher stimmigen Kompositionen von Jürgen Borstelmann gibt.

Christoph Brückner - für www.orgel-information.de
Dezember 2016 / Februar 2017


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