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Rameau - Complete Harpsichord Works

Interpreten: Jory Vinikour - Bertrand Cuiller
Label: Sono Luminus - Mirare


Selbst heute noch ist vielen Jean-Philippe Rameau nicht als grundlegender Komponist von Cembalowerken bekannt, obwohl doch z.B. sein Charakterstück La Poule ein immer wieder gern gehörter Evergreen ist. Dass er mit seinen Pièces de Clavecin 1724 auch eine Klavierschule veröffentlichte - bereits 1722 erschien sein  Traité de l’harmonie reduite à ses principes naturels in Paris, 1726 dann der Band Nouveau système de musique théorique -  macht ihn zu einem der bedeutendsten Musiktheoretiker seiner Zeit. Wenn sein Ruhm als Opernkomponist auch alles das verblassen ließ, für Cembalisten und Organisten (bis 1738 verdiente er seinen Lebensunterhalt als Organist), die sich mit Barockmusik beschäftigen, ist die Beschäftigung mit seiner Klavierschule und seinem Cembalowerk unerlässlich.

Gleich zwei kompetente Cembalisten haben sich jetzt seines Werks angenommen und das Premier Livre (1706), die Pièces de Clavecin (1724/1731), die Nouvelles Suites de Pièces de Clavecin (c 1728), die Cinq Pièces (1741) und La Dauphine (1747) eingespielt.

Der Amerikaner Jory Vinikour nutzt ein Cembalo von 2005, das Thomas und Barbara Wolf als Kopie nach Nicolas Dumont 1707, Paris, bauten (FF-f‘‘‘, 2x8‘, 1x4‘, Manualkoppel, Lautenzug, 1/7-Komma French Temperament, a = 392 Hz), der Franzose Bertrand Cuiller eine von Philippe Humeau bereits 1977 gefertigte Kopie eines Anonymus aus dem späten 17. Jh., das 2007 mit einem Ravalement, wie das im 18. Jh. ja auch häufig passierte, erweitert wurde, weitere Angaben zum Instrument werden nicht gegeben. Leider klingt das Instrument unangenehm lang nach, so dass das Zuhören sehr anstrengend wird.

Jory Vinikour bringt die Piècen zupackend, fast etwas draufgängerisch auf die Bühne, ergänzt noch das Beispielmenuett aus der Klavierschule von 1724, das Rameau zugeschriebene Les Petits Marteaux und Balbastres Übertragung der Pigmalion-Ouvertüre. Warum die Reihenfolge der Sätze der ersten Suite entgegen den Bookletangaben verändert ist, ist nicht klar. Der sechzehn Jahre jüngere Franzose Bertrand Cuiller spielt etwas vornehmer, zurückhaltender, überlegter, was nicht heißt, dass seine Tempi langsamer wären. Sein geschmeidiges Inégal-Spiel, seine variierende Registrierkunst bei den Wiederholungen lassen hören, wie durchdacht sein Spiel ist. Die Virtuosität, die Rameau u.a. bei großen Sprüngen verlangt, spielen beide Interpreten agogisch lustvoll aus.

Rameaus phantasievolle Erfindungsgabe, die treffsichere musikalische Beschreibung der Titel, die er in seinen Charakterstücken liefert, das macht nicht nur Spaß, das sind zugleich geistreiche Auseinandersetzungen mit Form und Harmonien wie mit einer virtuosen Spielkultur. Dass diese französisch-klassische Hochkultur auch für deutsche Musik maßgeblich wurde, ist da selbstverständlich – und bleibt bis heute nicht nur hörenswert, sondern ist hoch aktuell!

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
November 2016 / März 2017


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