Daniel Kunert - Musik-Medienhaus
Das Portal der Königin

- Startseite - Rezensionen - BACH - Sämtliche Orgelwerke in 10 Bänden - Band 3


BACH - Sämtliche Orgelwerke in 10 Bänden - Band 3

Herausgeber: Peter Dirksen
ISMN: 979-0-004-18374-8 (26,80 €)
Verlag: Breitkopf

Fantasien und Fugen

Im Vorwort beschäftigt sich der Herausgeber Dirksen mit dem schwierigen Versuch, den Begriff der Fantasie bei Bach näher zu definieren. Danach ist ähnlich einer klassischen dreiteiligen Rede mit Exordium, Medium und Finis, im größeren Fall mit Exordium, Propositio, Confutatio, Confirmatio und Peroratio (vergl. BWV 542/1) eine jedenfalls polyphone Form zu verstehen, die sich in zwei Typen unterscheiden lässt: der norddeutschen Form geprägt vom Stylus phantasticus und der in anderen Gebieten eher gepflegten kleineren Form geprägt von Ostinato-, Figura corta- und Durezzenteilen, einer Form, die mit anderen Titeln kaum fassbar ist. So lassen sich Bachs Fantasien in frühere Kompositionen, die eher von Pachelbels Werken her verstehbar sind, wie in spätere Formen einteilen, die vermutlich mit seinem Hamburger Besuch 1720 zu tun haben. Dankbar liest man Dirksens Anmerkungen zu den einzelnen Werken, die Formales und die Überlieferung beleuchten, und schließlich seine des Nachdenkens werte Äußerung zur Registrierung.

Die geringe Anzahl der Fantasien sowie die Paarung der späten BWV 562 und BWV 537 erlaubten in dieser Ausgabe die Kombinationen mit den einzeln stehenden Fugen, zu denen im Prinzip auch BWV 542/2 gehört. Der Unsicherheit über die Dur- oder Mollschlussakkorde in BWV 542 widmet der Herausgeber eine klärende Übersicht über die Quellen. Dirksens Anmerkungen zu den Fugen sind im Übrigen ebenso lesenswert wie die zu den Fantasien. Auch hier ist die Einteilung in frühere und spätere Fugen gut belegt und plausibel.

Dass die Ausgabe zudem noch vier weitere Fugen, die das Schmieder-Verzeichnis bisher unter die reinen Klavierwerke zählte, mit einbindet, bringt der Ausgabe in jedem Fall einen spürbaren Mehrwert. Diese Fugen verlangen einen (geringfügigen) Pedalgebrauch, grundsätzlich sind natürlich alle Klavierwerke dieser Form sowieso auch auf der Orgel spielbar. Hinzu kommt die Berücksichtigung einer neuen Quelle aus Gotha, die bei BWV 574 zu Textkorrekturen führte. In dieser Ausgabe liegt diese Quelle der Wiedergabe der Frühfassung BWV 574b zugrunde.

In einem Anhang sind die Fragmente der Fantasia in C, BWV 573, und in c, BWV 562/2 sowie Praeludium in d, BWV 539/1, und die Fuga in g, BWV 131a, wiedergegeben. Auf der beigefügten CD-ROM finden sich die zweifelhaften Werke BWV 561, Anh 90, 580 und 576, andere Fassungen von BWV 542 und 955 sowie eine Varianten-Synopse von BWV 542.

Die äußerst sorgfältige Herangehensweise der Herausgeber der NA der Bachschen Orgelwerke, das gute Druckbild und der günstige Preis lassen diese Ausgabe zur ersten Wahl werden, wenn ein Neukauf ansteht. Auch wo ältere Ausgaben in Gebrauch sind, kann der Rezensent nur dazu raten, die NA zusätzlich zu studieren.

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Februar 2017 / Juli 2017


Diese Noten sind im gut sortierten Buch-/Musikhandel erhältlich
- unter anderem im Notenkeller in Celle (tel. Bestellung 05141-3081600 oder per Mail an info@notenkeller.de möglich).



Daniel Kunert - Musik-Medienhaus - Braunschweiger Heerstraße 7 - 29221 Celle - Telefon: 05141/308-1600 - Telefax: 05141/308-2615 - E-Mail: info@orgel-information.de
(c) Daniel Kunert - Dienstleistungen - Impressum - Datenschutzerklärung - Information -