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Michelangelo Rossi - Toccata e Correnti

Interpret: Riccardo Castagnetti
Label: Brilliant Classics

Auch wenn sich die Werbung bei jpc dazu versteigt, diese Einspielung der „Toccate e Correnti d’intavolatura d’organo e cimbalo“ als Weltersteinspielung zu bewerben, so sind diese doch schon seit langem so berühmt, dass bereits mindestens vier Aufnahmen vorliegen, die erste wohl aus dem Jahr 1982 von Emer Buckley (LP Harmonia Mundi France), dann 1996 von Francesco Cera (Tactus 601802) und 2005 von Sergio Vartolo (Naxos) und von Jörg Andreas Bötticher (Alpha/Note 1). Dennoch kann man sich nicht genug satt hören an diesen wilden, kurzatmigen Toccaten und formvollendeten Correnti, so dass auch diese Aufnahme schon wegen Rossis genialen rhapsodischen Erfindungsgeistes seine Hörer finden wird.

Der Genuese Michelangelo Rossi (c 1601 – 1656), dessen kompositorisches Werk nur in wenigen Bruchteilen überliefert ist, schrieb wohl in den Jahren 1624 bis 1629 zwei Bücher von fünfstimmigen polyphonen Madrigalen, sie gehören zu den ausdrucksstärksten Werken ihrer Art, die je komponiert wurden, auch sie sind bereits auf mehreren CDs zu hören. Seine erste (?) Oper Erminia sul Giordano folgte 1633, seine „Toccate e Correnti d’intavolatura d’organo e cimbalo« entstanden um 1634. Auch als exzellenter Violinist hoch gerühmt, sind seine Toccaten doch einzigartig faszinierend, kaum vergleichbar etwa mit den überlegt gesetzten eines Frescobaldi oder den formgezügelten von Froberger. Sie sind echte Experimentalmusik, das weitest gehende Beispiel findet sich in der Toccata settima, in der der Schluss aus Ketten chromatischer Terzen den Bezug zur Tonart vergessen lässt.

Riccardo Castagnetti nutzt eine Grimaldi-Kopie und die altehrwürdige Orgel der Baslika die Santa Barbara im Herzogspalast Mantua, die Graziado Antegnati, Brescia, unter der Aufsicht von Girolamo Cavazzoni 1565 erbaute, 2006 restaurierte sie Giorgio Carli, Pescantina. Das magere Booklet (nur engl/ital.) macht keine Angaben zum Instrument, darum sei hier wenigstens die Disposition wiedergegeben:

Manuale

 

C/E – f³ (57 Tasten)

Principale
Fiffaro [ab f¹]
Ottava
Qvinta X
Decima IX
Vig.ma II [rep. h²]

Vig.ma VI [rep. e²]
Vig.ma IX [rep. h¹]
Trig.ma III [rep. e¹, e²]
Trig.ma VI [rep. hº, h¹]
Fl.to in XIX
Fl.to in VIII

Subsemitonien:
esº/disº, es¹/dis¹, es²/dis², es³/dis³
gisº/asº, gis¹/as¹, gis²/as²

Das Pedal im italienischen Stil (18 Tasten, kurze Oktave) ist ständig an die Tastatur gekoppelt. Die Stimmung ist mitteltönig und liegt bei a¹ = 462 Hz. Vier Keilbälge werden wahlweise manuell oder computergesteuert bedient.
Die Corrente Sesta und die Toccata Quarta gibt Riccardo Castagnetti, Universität Bologna, auf beiden Instrumenten wieder. Sein präziser Zugriff und die abgewogene Gestaltung sind durch die gute Aufnahmetechnik sehr gut eingefangen. Hier zuzuhören ist eine große Freude!

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Februar 2017 / August 2017


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