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3. Orgelsymphonie "Biblische Tänze" für Orgel solo (Orgelwerke Band 8)

Komponist: Andreas Willscher
Verlag: Butz

Fünf Tänze gruppiert Andreas Willscher zu einer Symphonie. Wenn es im Vorwort heisst, dass „sich alle Sätze auch einzeln oder in beliebigen Zusammenstellungen konzertant und liturgisch verwenden“ lassen, dann gilt hier ein eher lockeres Symphonieverständnis, dann handelt es sich eher um eine Reihung, um eine Suite, und weniger um eine zwingende Abfolge der Sätze. Denn die innere Dynamik einer Symphonie, gar die Substanzgemeinschaft eines gemeinsamen Grundthemas wie etwa bei Viernes Orgelsymphonien sucht man hier vergebens.

Hundert Jahre nach Richard Strauss erfordert es gewiss Mut, erneut einen „Tanz der Salome“ (hier der erste Satz) zu schreiben. Bordunquinten im Pedal, perkussive Cluster der linken Hand in tiefer Lage und eine orientalisch anmutende Oberstimme (angelehnt an Zigeuner-Moll) machen bei Willscher die Musik des ersten Satzes aus, der aber - gemessen an den rhythmischen und harmonischen Finessen von „Salomes Tanz“ bei Strauss – nachgerade einfach gestrickt wirkt. Der folgende „Tanz der Schulammit“ kommt über weite Strecken ohne Pedal aus; die Coda lässt den 2. Messiaen-Modus (in der 2. Transposition) durchschimmern. 

Nachdem es in der Orgelmusik des 20. Jh. mehrere prominente Beispiele für Tänze gibt (an vorderster Stelle wären hier die „Trois Danses“ von Jehan Alain, aber auch die „Tanz-Toccata“ von Anton Heiller zu nennen), bleiben Déjà-vu- oder besser gesagt Déjà-entendu-Effekte nicht aus: Für den 3. Satz „Davids Tanz vor der Bundeslade“ hat sich der Autor an Akkordverbindungen in Alains „Deuils“ und „Luttes“ bedient (Takt 33), während der 4. Satz „Tanz der Tochter Jiftachs“ mit einem Flötensolo über perkussiven Akkorden in der linken Hand stark an die „Tambourinaires sur la place des Vieux Salins“ aus den „Promenades en Provence“ von Eugène Reuchsel erinnert. Im motorischen 5. Satz „Tanz um das Goldene Kalb“ sind die vielleicht besten und originellsten Stellen in Gestalt von Taktverkürzungen und –verlängerungen zu finden.

Willschers musikalische Sprache ist weithin von beibehaltenen Formeln oder Floskeln geprägt. Sie orientiert sich überwiegend am Modell „Melodie und Begleitung“, was sie einerseits leicht fasslich macht, andererseits aber in die Nähe von U-Musik rückt. Technisch mittelschwer, können die „Biblischen Tänze“ bei origineller Registrierung  (ein zweimanualiges Instrument reicht lt. Vorwort aus) der Orgel neuartige Klänge abgewinnen.


Klemens Schnorr - für www.orgel-information.de
April 2018 / November 2018


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