Daniel Kunert - Musik-Medienhaus
Das Portal der Königin

- Startseite - Rezensionen - Die Kunst der Fuge


Die Kunst der Fuge

Interpret: Franns-Wilfrid von Promnitz
Instrument: Weiße-Orgel St. Laurentius Gräfenroda
Label: auris subtilis

Bachs Kunst der Fuge, BWV 1080, bedarf jedes Mal einer neuen Interpretation, die Divergenzen von Handschrift und Erstdruck stellten von Anfang an viele Fragen. Dass das Werk für ein Tasteninstrument geschrieben ist, ist zwar heute keine Diskussion mehr, aber bereits die Reihenfolge der Fugen und Kanons muss immer wieder neu durchdacht werden. Und auch dann bleibt Bachs geniale Gedankenspielerei einer endgültigen Lösung verborgen, schon allein wegen des fehlenden letzten Notenblattes.

Promnitz nähert sich hier dem Werk zum dritten Mal nach einer Einspielung auf einem Percussionsharmonium und einer Einspielung, bei der er Bachs Noten um den Grundton spiegelte. Bleibt also noch eine Einspielung des Originalsatzes auf einem zeitgenössischen Instrument. Promnitz wählte die 2005 durch den Waltershäuser Orgelbau wieder erstandene Weiße/Kellner-Orgel von 1736 (II/26), ein bewundernswertes Instrument mit so vielseitigen Klangmöglichkeiten im kammermusikalischen Bereich wie nur wenige andere in Thüringen heimische typische Instrumente des Hochbarocks, die wohl den Leipziger Meister am ehesten geprägt haben.

Promnitz beginnt die erste Fuge auf der Gambe, programmatisch für seinen Zugang, der irgendwo nahe der Exzentrik und Esoterik ist. Bereits das Booklet zeigt das im wenig musikwissenschaftlich gedachten Kommentar, dafür umso mehr im persönlichen Bereich nebulöser und unwichtiger eigener Zahlenarithmetik. Wenige Bemerkungen zur Orgel, großflächige Bilder des Interpreten und dessen Vita füllen das Booklet. Die Registrierangaben fehlen, die Orgel ist mit einem unaufgeräumten Spieltisch abgebildet. Promnitz als geübter Interpret packt allemal profilert und interessant artikuliert zu, was allerdings bei den punktierten Rhythmen in die Irre führt, bei denen er auftaktig bindet.

Seine Reihenfolge – die Kanons sind symmetrisch verteilt - ist so schlüssig wie Bachs verschiedene Reihenfolgen es auch sind, im Prinzip bleibt Bachs Entwicklung des Themas musikalisch gesehen eine statische. Die CD packt den Hörer durch die überzeugende Spielweise Promitzens – und lässt alle Fragen nach wie vor so offen, wie sie Bach hat lassen müssen, als ihm die Feder aus der Hand genommen wurde.

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Mai 2017 / Februar 2018


Diese CD ist im gut sortierten Buch-/Musikhandel erhältlich
- unter anderem im Notenkeller in Celle (tel. Bestellung 05141-3081600 oder per Mail an info@notenkeller.de möglich).



Daniel Kunert - Musik-Medienhaus - Braunschweiger Heerstraße 7 - 29221 Celle - Telefon: 05141/308-1600 - Telefax: 05141/308-2615 - E-Mail: info@orgel-information.de
(c) Daniel Kunert - Musik-Medienhaus - Impressum - Datenschutzerklärung - Information -