Daniel Kunert - Musik-Medienhaus
Das Portal der Königin

- Startseite - Rezensionen - Joy of Bach


Joy of Bach

Interpretin: Keiko Nakata
Label: arcantus

Einerseits Genuss und Freude pur, andererseits Ärgernis: The Joy of Bach mit Keiko Nakata

Ein Cover wie eine aktuelle Pop-CD: Eine lachende, junge, gut aussehende Frau in einem bunten Blumenkleid. Die Japanerin Keiko Nakata ist das. Keine Frage: Dieses Foto vermittelt das, was auch der Titel formuliert: „The Joy of Bach“. Und wenn man diese CD hört, dann bestätigt sich ganz schnell: Ja, diese Musikerin hat Freude, ja geradezu unbändigen Spaß am Spielen von Orgelmusik Johann Sebastian Bach. Das springt einen geradezu an auf dieser CD. Oder hat man sich da vom Cover blenden lassen und hört nun eben das, was einen die Werbeabteilung des Arcantus-Plattenlabels glauben machen will? Aber nein, auch beim zweiten Hören ohne vorher das Cover noch einmal gesehen zu haben, überrumpelt einen diese CD geradezu. Ob die eingespielten großen Orgelpräludien und Fugen, das eine oder andere Einzelwerk oder das Concerto nach Vivaldi: Hier versprüht jedes dieser Werke eine Lebensfreude, die wahrscheinlich fast jeden ansteckt. Und die langsameren Stücke, wie die kleine g-moll-Fuge oder der Schübler-Choral „Wachet auf, ruft uns die Stimme“, sie haben als Oasen der Besinnung einen ganz besonderen Reiz. Und das nicht nur, weil sie hervorragend registriert und wunderbar entspannt musiziert sind. Diese Fuge könnte zwar vielleicht ein wenig mehr Gesanglichkeit vertragen, statt immer wieder die volle Zählzeit so stark zu betonen, aber letztlich gelingt Nakata das Stück doch sehr überzeugend. Und der Schübler-Choral in seinem ruhigen Fließen und dem Krummhorn als Zungenstimme im Cantus Firmus lässt einen bedauern, dass die anderen Schübler-Choräle hier nicht aufgenommen wurden.

Stattdessen brilliert Nakata mit den Spielfiguren des Großen Präludiums in G oder denen aus der großen Fantasia super „Komm, heiliger Geist“ oder den Tonleitern des D-Dur-Präludium. Auch da könnte man sich zwar generell einmal etwas mehr Legatokultur vorstellen, um diese in Kontrast zu stellen zum geradezu pianistischen Spiel anderer Figuren, aber insgesamt gelingen Nakata die meisten Stücke ihrer CD bewundernswert gut. Geradezu verblüffend gerät ihr das Konzert nach Vivaldi, wo sie nicht nur die richtigen Tempi findet, sondern auch noch dezente Registrierungseffekte auskostet, die neben der Spielfreude auch noch Klangfarbenlust auskostet.

Aber genau da beginnt dann das Problematische dieser CD: Sie ist weitgehend hervorragend musiziert, aber inhaltlich so schlecht ausgestattet, dass man nicht einmal versuchen kann, sich anhand der Disposition, also der Registerangaben des gespielten Instruments, halbwegs zusammenzureimen, wie Nakata registriert haben mag. Es gibt keine Angaben zur Orgel, geschweige denn zu den einzelnen Registern oder zum Raum. Man bekommt lediglich mitgeteilt, dass die Aufnahme 2016 an einem Instrument aus der angesehenen Elsässer Orgelbauwerkstatt Marc Garnier im französischen Belfort entstanden ist. Sorry, aber bei aller künstlerischer Qualität der Produktion, sie entwertet sich durch das Fehlen dieser Angaben von selbst. Eine Orgelaufnahme ohne Infos zur Orgel, das geht gar nicht, wenn es sich nicht um eine Billigproduktion handelt. Das ist hier aber nicht der Fall.
Manch strahlend helle  Plenopassage klingt so, als ob der Orgel fast die Luft ausginge oder einzelne Register mit einem Tremulanten ausgestattet wären, weil der Klang so diffus schwebend wie mit einem leichten Vibrato ausgestattet erscheint. Es wäre für den Hörer schon interessant zu wissen, warum dieser Klang genauso herüberkommt, was aber leider nicht herauszufinden ist im schönen, aber inhaltsarmen Booklet. Generell ist es auffällig, über welche glänzende Obertonregister diese Orgel verfügt. Und trotzdem ist der Klang beim klar konturierten Spiel Nakatas immer transparent. Man hört wirklich alles, was sicher zum Teil auch der hervorragenden Aufnahmetechnik zu verdanken sein dürfte.

Ja, diese sehr moderne Bach-Aufnahme ist ein Genuss wenn auch die Ausstattung der CD ein Ärgernis darstellt.


Reinald Hanke - für www.orgel-information.de
September 2017 / März 2018


Diese CD ist im gut sortierten Buch-/Musikhandel erhältlich
- unter anderem im Notenkeller in Celle (tel. Bestellung 05141-3081600 oder per Mail an info@notenkeller.de möglich).



Daniel Kunert - Musik-Medienhaus - Braunschweiger Heerstraße 7 - 29221 Celle - Telefon: 05141/308-1600 - Telefax: 05141/308-2615 - E-Mail: info@orgel-information.de
(c) Daniel Kunert - Musik-Medienhaus - Impressum - Datenschutzerklärung - Information -