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Joan Cabanilles - Keyboard Music 1

Interpret: Timothy Roberts
Label: Toccata


In der Pfarrkirche Sant Jaume (Jakobus) in Castellón, etwa 60 Kilometer nördlich von Valencia gelegen, baute Nicolás Salanova (1681 – 1750) 1724 eine zweimanualige Orgel, die nach Verwüstungen im spanischen Bürgerkrieg und anschließender Vernachlässigung 2010 von Gerhard Grenzing vorbildlich wiederhergestellt wurde.

Auf diesem Instrument (47 Tasten im Manual, Haupt-, Außen- und Echowerk, (Pedal-)Kontras 16‘ offen, flaches Gehäuse, 58 Registerzüge, a‘ ca. 380 Hz, (Stummel-)Pedalumfang und Winddruck nicht angegeben) spielte Timothy Roberts in einer ersten Folge elf Orgelwerke von Juan Bautista José Cabanilles (1644 – 1712), seit 1665 Organist der Catedral de Santa María de Valencia, ein. In seinem hervorragenden Booklettext (nur engl.) beschreibt er Vita und Werk, die Überlieferung und den valencianischen Orgelbau der Zeit. Aus dem immensen Oeuvre (u.a. 169 Tientos, 13 Diferencias, 940 Versetten etc.) des „größten Barockkomponisten Spaniens“, der seine Klavierwerke ganz traditionell in Partitur schrieb und damit nahe an der Polyphonie de Renaissance blieb, hat Roberts größere Stücke ganz verschiedener Faktur aneinandergereiht: Toccaten (wohl als Prozessionsmusik verwendet), eine Passacalles, eine Tiento de falsas (zur Wandlung), Tientos lleno und partido (als Offertorien) und ein Tiento de contras (vielleicht als Nachtmusik zu Beginn der Weihnachtsgeschichte).
Zur Spielweise der Musik ist kaum Spezielles überliefert, Roberts behilft sich da mit Anleihen bei Frescobaldi, ab und zu wirken die rhythmischen Freiheiten dann aber doch etwas überzogen. Vorzüglich wirken die gar nicht zurückhaltenden Registrierungen, seine lebendige Artikulation und sein virtuoser Zugriff. Wenn man vergleichsweise Cabanilles‘ norddeutschen Zeitgenossen Dieterich Buxtehude heranzieht, die mitteldeutschen Bache Johann Christoph und Johann Michael oder den süddeutschen Georg Muffat, John Blow in London oder Bernardo Pasquini in Rom, so ist zu erahnen, welch andere bewundernswerte Kulturwelt sich hier in der kompetenten Interpretation von Timothy Roberts eröffnet.

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Februar / September 2018


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