Daniel Kunert - Musik-Medienhaus
Das Portal der Königin

- Startseite - Rezensionen - Audite Nova 3


Audite Nova 3

Interpret: Gerben Mourik
Instrumente: Bosch-Orgel der Martinskirche Kassel, Klais-Orgel des Würzburger Dom
Label: JQZ Muziekproductions Kampen


Das ist die letzte Aufnahme der Bornefeld/Bosch-Orgel (1964, III/57) im angestammten Raum der Martinskirche in Kassel. Eingespielt sind Werke von Günther Raphael, Henri Gagnebin, Helmut Bornefeld, Hugo Distler und Jan Oskar Bender, dazu der Niederländer Adriaan Engels und Jan Koetsier, Komponisten also der Generation um Bornefeld selbst, womit die Einspielung besondere Authentizität gewinnt. Bewähren muss sich dieses Instrument gegenüber der Klais-Orgel des Würzburger Doms (1969/2012, IV/87), hier spielte Mourik neben zwei eigenen durchaus beachtlichen Improvisationen Werke von Sigfrid Karg-Elert, Ernst Pepping und Joseph Ahrens, dazu der Niederländer Marius Monnikendam, Gerrit Wielenga, Bert Matter, André Verwoerd, Flor Peeters und des Franzosen André Fleury.

So verdienstvoll diese Einspielung auch ist, der musikalische Gewinn hält sich in engen Grenzen. Wohl nicht zu Unrecht sind die Kompositionen der genannten Komponisten heute nahezu alle aus dem aktuellen Repertoire verschwunden. Nur selten wird Aufmerksamkeit erregt, etwa bei Raphaels Praeludium op. 22,3, einem Trio im Bachstil, Peppings Toccata und Fuge Mitten wir im Leben sind oder Benders Toccata. Die weiterführenden Fragen, warum das so ist und ob das schade oder richtig ist, muss hier unerörtert bleiben.

Zu hören ist die Kasseler Orgel in den Mensuren Bornefelds, die Bässe schlicht zu schwach, die Obertonregister interessant, aber nicht endgültig befriedigend, ein inzwischen museales Instrument in einem auch unansehnlichem Gehäuse. Bornefelds Ideen führten letztendlich in eine Sackgasse. Ganz anders die Dom-Orgel in Würzburg, deren sattes Klangergebnis eine durchdachte Konzeption verrät, um ein gültiges Instrument für lange Zeiten zu kreieren. So führte die letzte Domrenovierung auch nur zu einer geringen Revision des Instrumentes.

Für das gut und ausgewogen informierende Booklet ist den Verfassern Bart van Buitenen (Instrumente) und Gerben Mourik (Kompositionen) ein besonderer Dank auszusprechen, nur bei den in Würzburg eingespielten Werken fehlen die Angaben der Registrierungen.

Fazit: eine hochinteressante und wichtige CD, die dem Lauf der Zeit einen Spiegel vorhält. Nicht, wer die schönste im Land ist, ist dabei die Frage, sondern wer grundlegende Möglichkeiten zur Weiterentwicklung offenhält, das muss so ein Spiegel beantworten. Z.Zt. kann der Spiegel darauf eindeutig antworten.

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
März / September 2018


Diese CD ist im gut sortierten Buch-/Musikhandel erhältlich
- unter anderem im Notenkeller in Celle (tel. Bestellung 05141-3081600 oder per Mail an info@notenkeller.de möglich).



Daniel Kunert - Musik-Medienhaus - Braunschweiger Heerstraße 7 - 29221 Celle - Telefon: 05141/308-1600 - Telefax: 05141/308-2615 - E-Mail: info@orgel-information.de
(c) Daniel Kunert - Musik-Medienhaus - Impressum - Datenschutzerklärung - Information -