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Die Orgel der Stadtkirche St. Andreas in Rudolstadt

Die Orgel
Überblick Geschichte
Disposition


Die Orgel

Nachdem die Bautzener Firma Eule die Ladegastorgel im November 2003 ausgebaut hat, wurde das wertvolle Instrument einer gründlichen Restaurierung unterzogen.

Die 1882 von der Firma Friedrich Ladegast gebaute Orgel löste das Vorgängerinstrument aus dem Jahre 1636 ab. Diese von dem Orgelbauer Adam im Jahr der Fertigstellung der Stadtkirche Rudolstadt gebaute zweimanualige Orgel gab bereits nach zwei Jahren Anlass zu Klagen über technische Mängel und unangenehme, zu schwere Spielbarkeit. Äußerungen des Unmuts über dieses Instrument lassen sich fast regelmäßig über den gesamten Zeitraum ihrer Existenz nachweisen, der sich dennoch über 246 Jahre erstreckte. 1882 baute Friedrich Ladegast ein neues Instrument ein. Er verwendete den alten Prospekt und das in den Seiten leicht verbreiterte Gehäuse der Vorgängerorgel, was sich seinem Oeuvre selten findet, aber der stilistischen Reinheit des Interieurs der gesamten Kirche sehr zugute kommt. Für den Bau der Orgel lagen neben dem Angebot von Friedrich Ladegast außerdem Angebote von den Orgelbaufirmen Sempert und Schulze/ Paulinzella vor. Ladegast`s Angebot war das finanziell aufwendigste, erhielt aber dennoch den Zuschlag. Überlegungen, bei denen auch das Prestige der Kirche in der Residenzstadt während der Gründerzeit eine Rolle gespielt haben mag, führte wohl auch zur Wahl des Orgelbbauers Ladegast, der schon lange eine renommierte Größe im deutschen Orgelbau des 19. Jahrhunderts war und bereits auf das Ende seinen Orgelbautätigkeit zuging.

Wenige Jahre nach der Fertigstellung durch Erfindung und Verbreitung technischer Neuerungen, wie z. B. der Verwendung von Pneumatik in Registrier- und Spieltrakturen, musste sein Instrument als „altmodisch“ empfunden werden. Seine Orgel hatte nur rein mechanische Trakturen. Die Orgel wurde weiterhin von Friedrich Ladegast, später von seinem Sohn Oskar gewartet. 1911 wurde ein elektrischer Winderzeuger aufgestellt. Oskar Ladegast versetzte die Orgel im Jahre 1915 teilweise auf den technischen „Standart“ der Zeit, indem er durch Pneumatisierung der Registertraktur Spielhilfen wie feste Kombinationen, sowie eine Walze für eine „zeitgemäße“ Dynamik ermöglichte. Wiederum wenige Jahre später änderte sich das Ideal einer Orgel erneut, nun aber in eine andere (Stil-)Richtung und erheblich radikaler. Die u. a. von Albert Schweitzer inittierte „Orgelbewegung“ strebte eine Erneuerung des Orgelklangs und der Orgelbautechnik an. Was aus dieser Bewegung entstand, hatte allerdings auch sein eigenes Gepräge; die „neobarocke“ Orgel folgte nicht nur barockem Ideal, sondern auch dem Geist der Zeit und der Erbauer. Dieser Orgel-Zeit-Geist führte dazu, dass auch an der kirchenmusikalisch sehr aktiven Stadtkirche Rudolstadt die romantische Klanggebung der vorhandenen Orgel nicht mehr befriedigte. Auf Initiative des damaligen Kantors Otto Lehmann wurde die Orgel 1949 durch Orgelbaufirma Heintze/ Stadtilm radikal in Richtung neobarocke Orgel umdisponiert. Das bedeutete in diesem Fall, dass über 50% der Register (19 von 33, ein Register wurde ersatzlos entfernt) verändert wurden. Diese Veränderung bestand vorrangig aus Kürzungen (Absägen) von Registern, die als zu romantisch empfunden wurden. Ein kleiner Teil der Register wurde ganz entfernt und ersetzt. Aus der entstandenen Disposition war das ursprüngliche Wesen der Orgel nicht mehr erkennbar. Die technische Anlage (mechanische Spieltrakturen, pneumatische Registertraktur) wurde bis auf das Entfernen der Walze nicht wesentlich verändert.

Bei der Restaurierung der Orgel, die von der Orgelbaufirma Eule/ Bautzen nach modernen, denkmalspflegerischen Gesichtspunkten durchgeführt wurde, wurde die originale Disposition wieder hergestellt. Das geschah durch die Umkehrung der Maßnahme von 1949: Wiederanlängen der abgesägten Pfeifen auf Originallänge, Platzierung von umgestellten Pfeifen an ihren ursprünglichen Platz und Rekonstruktion der nicht mehr vollständig vorhandenen Register. Der aufgetretene Schimmelbefall konnte erfolgreich bekämpft werden. Die technische Anlage wurde auf den Stand nach dem Eingriff von Oskar Ladegast 1915 gesetzt.


Geschichte der Orgel im Überblick

5.6. bis 1.10.1636 Orgelbau durch Orgelbauer Adam
26.10.1636

„Beschlagen“ (Abnahme) der Orgel durch die Organisten von Gera, Stadtilm, Schleiz und Arnstadt

seit 1647 immer wieder Reparaturen, Umbauten, Registeraustausch
21.4.1879

„Anschlag zu einer neuen Orgel in die Stadtkirche zu Rudolstadt“, aufgestellt von Friedrich Ladegast, auf 3 Manualen und Pedal, 32 Register, 6 Nebenzüge

16./17.6.1882 Abnahmeprüfung der Orgel durch Universitätsmusikdirektor Prof. Dr. Hermann Langer aus Leipzig
25.8.1882 Gutachten über die Orgelabnahme von Prof. Dr. Langer, indem die Arbeit äußerst positiv beurteilt wird
1915

Umbau der Orgel durch Oskar Ladegast, den Sohn von Friedrich Ladegast; er baut die Registerbetätigung pneumatisch; Spuren davon sind im Orgelinneren zu finden.

1949 Umbau des Spieltisches durch die Orgelfirma Heinze, Stadtilm; Registerwippen statt der bisherigen Züge, 1 freie Vorbereitung, Zungen ab, Handregister ab, Tutti Umstellung der Disposition mit dem Ziel neobarocker Verwendbarkeit der Orgel unter Benutzung von Ladegast-Pfeifen und Zubau neuer Register
1969

Reinigung der Orgel durch die Orgelbaufirma Heinze; Einbau von Quinte 2 2/3’ anstellen von Lieblich Gedackt 16’ im Oberwerk; Entfernen der Walze von O. Ladegast


Disposition
Erbaut 1882 von Friedrich Ladegast
Restaurierung: Orgelbau Eule (Bautzen) 2003-2005

Hauptwerk
(Manual II) C-f3

Oberwerk
(Manual I) C-f3

Echo
(Manual III) C-f3

Pedal C-d1

Bordun 16’

Lieblich Gedackt 16’

Lieblich Gedackt 8’

Principalbaß 16’

Principal 8’ Geigenprincipal 8’ Flauto traverso 8’ Violon 16’ (*)
Doppelflöte 8’ (*) Rohrflöte 8’ Viola d`amour 8’ Subbaß 16’
Flauto Amabile 8’ Salicional 8’ (*) Aeoline 8’ Baßflöte 8’
Viola di Gamba 8’ (*) Octave 4’ Salicional 4’ (*) Cello 8’
Principal 4’ Flauto Minor 4’ Quinte 5 1/3’
Gemshorn 4’ Progressio 2-4fach Octave 4’
Quinte 2 2/3’ Clarinette 8’ (*) Posaune 16’
Octave 2’
Cornett 2-3fach
Mixtur 4fach
Trompete 8’ (**)

Koppeln: III/II, I/II, II/P
Feste Kombinationen: pp, p, mf, f, ff, Auslöser
Prolongement
Walze
Echo mit Tritt schwellbar

* = Neubau Firma Eule
** = die heutige Trompete ersetzte 1979 die auf 4’-Länge gekürzte Ladegast-Trompete


Mit freundlicher Genehmigung der Kirchengemeinde (F. Bettenhausen)



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