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Die Orgel in St. Peter und Paul Sigmaringen-Laiz

Geschichte der Orgel
Aktuelle Disposition


Geschichte der Orgel

Die Orgel der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul in Sigmaringen-Laiz kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Erbaut um das Jahr 1771 wurde 1956/1957 von Orgelbau Späth ein neues Orgelwerk geschaffen, welches auf das Pfeifenwerk und die Gehäusereste der Vorgängerorgel zurückgriff.

Im Jahre 1308 geweiht wurde die romanische Kirche 1426 durch einen Neubau ersetzt, 1687-89 entstand der Anbau des westlichen Mittelschiffs mit Vorhalle und Nonnenchor. 1765-68 wurde die Kirche umgebaut und "wesentlich verändert". Das Gotteshaus wurde gemeinsam von Franziskanerinnen und der Kirchengemeinde Laiz benutzt, 1782 wurde das Kloster aufgehoben.

Die Ausmalung der Hochschiffwände sind 1768 von Meinrad von Au geschaffen worden, der Altaraufsatz - die Rückseite des Orgelrückpositivs - 1771 von dem Schreiner Franz Xaver Gogel und dem Bildhauer Johann Baptist Hops (II).


Orgelgeschichte:

1710 verkauft das Kloster seine Orgel für 74 Gulden nach Krauchenwies.

1771 fertigen Franz Xaver Gogel und Johann Baptist Hops auf der unteren Empore einen Altar mit Blick zum Nonnenchor. Die Rückseite des Altars zum Kirchenschiff hin bildet das Rückpositiv der Rokokoorgel, die wohl Conrad Keppner zugeschrieben werden kann. Dieses ehemals klingende Teilwerk ist heute nur noch Atrappe. Der Bestand der Späth-Orgel von 1956/57 enthält angeblich noch Reste von fünf älteren Registern und zwei alte Windladen.

1782 Das Kloster wird aufgehoben. Bei diesem Anlass wird die Musikpflege der Laizer Schwestern hervorgehoben; eine Nonne sei eine "vortreffliche Organistin".

1793/94 "wegen Reparation der Orgel zu Laiz dem Hofschreiner Joseph Gogel - - 3 fl 40 xr" (Pfarrarchiv Sigmaringen, Nr. 956)

1828/29 Joseph Klingler stellt Bleifraß fest, die Orgel sei verstaubt und verstimmt, die Gehäusestruktur sei wackelig. Er nimmt den Bestand auf; die Disposition deutet auf Keppner als Erbauer hin. Die Reparatur wird genehmigt und mit 284 Gulden bezahlt.

1842 findet Joseph Klinglers Bruder Vitus die Orgel in "kläglichem" Zustand vor. Auch er zeichnet die Disposition auf und bemängelt "zwei Register von gleicher Größe, und Tonfarbe Koppel 8 Fuß und Bourdon 8 Fuß".

1852 repariert der Orgelbauer Joseph Steinhart aus Feldhausen die Orgel für 112 fl.

1858 arbeitet Samuel Ruff aus Sigmaringendorf an der Orgel. Er findet die Disposition unverändert vor. Kosten der Reparatur 72 Gulden.

1885 Ruff beseitigt erneut einige Mängel.

1904 begutachten die Gebrüder Link die seit einiger Zeit stillgelegte Orgel. Das Werk sei alt und mangelhaft, man könne höchstens 250 Mark dafür bieten. Die Gemeinde kauft aus Ostrach die Link-Orgel (1883, op 103 mit 10 Registern) für 1500 Mark. Gleichzeitig bittet die Gemeinde die Erzdiözese Freiburg, "gnädigst zu gestatten, die alte Orgel an eine Kirche, oder wenn das nicht möglich ist, an einen Orgelbauer zu verkaufen".

1927 "genügend 12 Reg."

1948 Walter Genzmer: "Neue Orgel an der Westwand der oberen Empore". Damit meint Genzmer vermutlich die Link-Orgel. Die alte Rokokoorgel wird als "nicht mehr spielbar" bezeichnet.

1956/57 "Wiederinstandsetzung und Erweiterung der alten Barockorgel". Die alte Klosterorgel, heißt es in einem Gutachten, sei seit langem stillgelegt. "Die auf der rückwärtigen Empore stehende Link-Orgel war klanglich absolut unbefriedigend und hart intoniert". Das Gutachten spricht von einer "Rekonstruierung". Die Arbeiten unter der Federführung des Sachverständigen Dr. Walter Supper "Dr. Super" führt Orgelbau Späth für DM 24860.- aus. Das Werk enthält nun 25 Register. Der Pfeifenbestand sei teilweise in die historischen Gehäuse eingebaut worden. Im Schwellwerk mit acht Registern wurden angeblich "durchweg umgearbeitete und umintonierte Register der alten Orgel verwendet". Nach einer undatierten Bestandsaufnahme seien in der "Klosterorgel" noch zwei "alte" sowie Reste von drei weiteren Registern vorhanden. Zudem seien zwei alte Windladen erhalten. Gewissheit könnte erst eine komplette, auf absehbare Zeit nicht mögliche Bestandsaufnahme (Ausheben des Werks) geben. Abnahme des Späth´schen Umbaus durch den Revidenten am 29.7.1957.
"Die Rekonstruierung der alten Klosterorgel", schreibt der bischöfliche Orgel- und Glockeninspektor Dr. Johannes Maier am 30.7. 1957, "ist vorzüglich gelungen".

2008 Beim Befund ist die Späth-Orgel "in gepflegtem Zustand, sie klingt recht ansprechend"


Aktuelle Disposition
Späth 1956, op 640

I.Manual
Schwellwerk C-g3
II.Manual
Positiv C-g3
Pedal
C-f1
1) Scharff 4fach
Späth 1956
12) Singend Prinzipal 4´
Späth 1956
20) Subbass 16´
Link
1883 von Späth bis f1 ergänzt
2) Rohrschalmey 8´
Späth
13) Koppel 8´
Späth 1956

21) Gedacktbass 8´
veränderter Bestand von Link 1883 oder Fremdbestand aus Späths Lager.

3) Terz 1 3/5´
nach 1956 auf vorbereitete Leerschleife gestellt
14) Oktave 2´
Späth 1956
22) Prinzipalbass 8´
Späth 1956
4) Schwiegel 2´
signiert "Ostrach Quint 2 2/3´", Link 1883
fis3 und g3 von Späth 1956 ergänzt.

15) Nachthorn 4´
Späth 1956

23) Choralbass 4´
Fremdbestand um 1900/1920, von Späth 1956 eingestellt.

5) Rohrflöte 4´
Späth 1956
16) Quintade 8´
Späth 1956
24) Posaune 16´
Späth 1956
6) Quinte 2 2/3´
nach 1956 auf Leerschleife gesetzt.
17) Quint 1 1/3´
Späth 1956
25) Pedalmixtur 4fach
1956 kunterbund zusammengestellter Fremdbestand.
7) Oktave 4´
Link 1883
C-cis0 Zink, wohl Späth 1956.
18) Sesquialter 2fach
Späth 1956
8) Grossgedackt 8´
Link 1883
fis3 und g3 von Späth ergänzt
19) Cymbel 3fach
Späth 1956
9) Schwebung 8´
Link 1883
c0 Zink Frembestand
fis3 und g3 von Späth 1956 ergänzt.
10) Salicional 8´
Link 1883, wohl das originale Register aus Ostrach
fis3 und g3 von Späth 1956 ergänzt.
11) Prinzipal 8´
Link 1883
c0 Zink, Fremdbestand


Laden- und Traktursystem:
Schleifladen mit elektrischer Spiel- und elektropneumatischer Registertraktur. Die beiden Laden des Positivs haben Rahmen aus Eiche, die vielleicht noch von der Keppner-Orgel stammen.

Windversorgung:
Schwimmerbalg mit elektrischem Schleudergebläse

Spieltisch:
freistehend mit Blick zum Altar auf der unteren Empore.

Spielhilfen:
Normalkoppeln, zwei freie Kombinationen, Registerschweller 1-12, automatisches Piano-Pedal.

Gehäuse:
wohl von Hofschreiner Franz Xaver Gogel 1771, Fassung übergangen.

-Freundliche Nachricht von OBM Hartwig Späth, Hugstetten-March am 15.3.2008: In den letzten Jahrzehnten wurde die Orgel nie ausgehoben, der Pfeifenbestand nicht untersucht.


Quelle:
Wolfgang Manecke/Johannes Mayr/Mark Vogl, "Historische Orgeln in Oberschwaben und Hohenzollern - Band IV der Landkreis Sigmaringen"

mit freundlicher Genehmigung von Wolfgang Manecke




Quellen und Literatur:
-Dehio Baden-Württemberg II, S. 402
- Weitzel 1927, S. 72
-Genzmer 1948, S.
-Zekorn, Das Kloster Laiz in: Weber 2005, S.213ff
-Erzbischöfliches Archiv Freiburg, OA 14595 und Akte "Kirche und Pfarrhaus Laiz 1949-1975", Sig. 8232 (Kt 800)
-Pfarrarchiv Laiz, Fasc 28 "Kirchenbaulichkeiten"
-Pfarrarchiv St. Johann Sigmaringen, Nr. 956
-"Wochenblatt für das Fürstenthum Hohenzollern-Sigmaringen 7. Stück" vom 15.2.1829, freundlicherweise übermittelt von Karl-Werner Steim, Riedlingen.
-Werkverzeichnis Link
-Foto am 26.5.2007, Befund durch <Mark Vogl> am 9.8.2008
-Freundliche Nachricht von OBM Hartwig Späth, Hugstetten-March am 15.3.2008: In den letzten Jahrzehnten wurde die Orgel nie ausgehoben, der Pfeifenbestand nicht untersucht.




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