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Die Orgeln in St. Thomae Soest (ehemalige Franziskaner-Minoritenkirche St. Johannes)

Barockorgel aus St. Thomae / Soest nach der Verlegung
in dem Dom St. Patrocli/Soest (Foto 1871)
Die historischen Orgeln
Disposition von 1822
Dispostion von 1874
Die Schuke-Orgel von 1970
Disposition Schuke-Orgel

Die historischen Orgeln

Von den historischen Orgeln der ehemaligen Minoritenkirche gibt es nur lückenhafte Dokumente. Die Akten sind größtenteils durch Bombenschäden im 2. Weltkrieg vernichtet worden. Die Archivalien des Soester Patroklidomes enthalten jedoch Hinweise über die Orgel des Minoritenklosters nach der Säkularisation von 1814. Ein kürzlich aufgefundenes Foto aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und eine erhaltene Zeichnung von der Aufstellung des Instrumentes im Patroklidom geben Aufschluß über Disposition Barockorgel St. Thomae nach Verlegung in den Patroklidom und Aussehen des Instrumentes. Dieses stammte zweifellos aus der Werkstatt einer westfälischen Orgelbauerfamilie des 17. Jahrhunderts (Prospektmerkmale weisen auf die Orgelbauer Peter Henrich Varenholt/ Bielefeld oder Johann Klausing / Herford hin) und wurde sicherlich noch vom bedeutendsten westfälischen Barockorgelbauer, Johann Patroclus Möller (1698-1772, in Soest geboren und seit 1721 in Lippstadt ansässig) gewartet, ggf. auch ergänzt bzw. umgebaut.

Die zusammengestauchte Einpassen des ursprünglich sicherlich die volle Breite der Westempore der Minoritenkirche einnehmenden Orgelprospektes in die Gurtbögen des Domes durch die Soester Orgelbauer Georg Fromme (Vater und Sohn) im Jahre 1816, die Vasen-Bekrönung der Pedaltürme und die Uhr über dem Mittelturm des Hauptwerkes weisen auf eine den Frommes zuzuschreibende, zeittypische Veränderung hin. Das quasi als Unterpositiv unter das Hauptwerk gesetzte Rückpositiv deutet auf eine frühere, selbständige Stellung als Brüstungs-Rückpositiv in der Minoritenkirche hin. Die Disposition, wie sie 1822 in einem Gutachten von Orgelbauer Kramer aus Lippborg übermittelt wurde, ähnelt in auffälliger Weise derjenigen der Soester Paulikirchenorgel von 1676, die von Peter Henrich Varenholt und Andreas Schneider (Dortmund) erbaut worden war. Ähnlichkeiten zur 1725 von Johann Patroclus Möller für die Nachbarkirche Alt St. Thomae erbaute Orgel sind ebenfalls augenscheinlich.


Disposition 1822

Hauptwerk
Springlade C, D-c3
Positiv
Springlade C, D-c3
Pedal Springlade (Umfang nicht bekannt)
1. Principal 8 11. Principal 4 19. Principal 16
2. Bordun 16 12. Gedackt 8 20. Octav 8
3. Hohlflöte 8 13. Quintade 8 21. Flöte 1
4. Octav 4 14. Tapflöte (?) 4 22. Cornett 2
5. Gemshorn 8 15. Octav 2
6. Quinte 3 16. Spillflöte 1
7. Sesquialtera 3fach 17. Mixtur 4fach

6 Keilbälge

8. Mixtur 6fach 18. Krummhorn 8
9. Zimbel 3fach
10. Trompete 8

Das Klostergebäude wurde in der Folgezeit vom Lehrerseminar für seine Veranstaltungen genutzt, die Kirche diente als Konzertraum, später als Lagerhalle. Nach Übernahme der Kirche von der Gemeinde St. Thomae im Jahre 1852 erbaute die Osnabrücker Orgelbaufirma Gebrüder Rohlfing 1874 eine neue Orgel, deren Disposition sich im Archiv von Orgelbauer Faust/ Barmen fand.

Disposition 1874´

I. Manual C-f3 II. Manual C-f3 Pedal C-d1
Die Rohlfing-Orgel von 1874 (Foto um 1939)
1. Principal 8 12. Geigenprincipal 4 20.Violon 16
2. Bordun 16 13. Salicional 8 21. Subbaß 16
3. Gamba 8 14. Aeoline 8 22. Principal 8
4. Hohlflöte 8 15.Gedeckt 8 23. Violoncello 8
5. Koppelflöte 8 16. Octav 4 24. Quinte 2 2/3
6. Oktav 4 17. Flöte 2 25. Posaune 16
7. Rohrflöte 4 18. Waldflöte 2
8. Quinte 2 2/3 19. Cornett 3fach
9. Oktav 2
10. Mixtur 4fach
11. Trompete 8

Winddruck: 80 mm
Tonhöhe normal (= 440 Hz)
Mechanische Orgel (= mechanische Traktur, vermutlich auf Kegelladen)
Gehäuse: 7,20 Länge, 3,10 Höhe

Die aus dem Jahre 1938 von Faust ausgearbeiteten Pläne, die Orgelempore um 90 cm abzusenken und den Spieltisch zu verlegen, konnten aufgrund der Kriegshandlungen nicht ausgeführt werden. Faust hatte u.a. vorgeschlagen, das Registermaterial beizubehalten, jedoch den neogotischen Prospekt zu verändern. Das Instrument wurde zusammen mit dem Kirchengebäude restlos zerstört.


Die Schuke-Orgel von 1970

Nach dem Wiederaufbau der Kirche Anfang der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden unter maßgeblicher Mitwirkung des Landeskirchenmusikdirektors der ev. Landeskirche von Westfalen-Lippe, Prof. Arno Schönstedt / Herford, sowie Thomaepfarrer Hans Sprenger und Organist Siegfried Vogelsänger mit der Orgelbauwerkstatt Alexander Schuke in Potsdam Verhandlungen zum Neubau eines großen und klanglich anspruchsvollen Instrumentes aufgenommen.

Die am 1. Advent 1970 eingeweihte Orgel orientiert sich am Klang- und Dispositionsideal damaligen neobarocken Orgelbaus und an Dispositionsgrundsätzen des Brandenburger Barockorgelbauers und Silbermann-Schülers Joachim Wagner (1690-1749 ), dessen Instrumente übrigens von Johann Sebastian Bach sehr geschätzt wurden. Die Thomae-Orgel zeichnet sich auch heute noch durch einen differenzierten Klangcharakter und durch überdurchschnittliche Intonation aus.

Sie eignet sich daher aufgrund ihrer klaren und prägnanten Klangplastik ganz besonders für die Interpretation von Barockmusik (Buxtehude, Bach), aber auch (aufgrund der idealen Akustik des großen gotisch-westfälischen Hallenkirchenraumes) für romantische und moderne Orgelmusik.

Eine 1995 erfolgte Erweiterung der elektronischen Setzeranlage prädestiniert das Instrument auch weiterhin als Konzertorgel.

Dieses wurde in den über 30 Jahren intensiver Kirchenmusikpflege von vielen z.T. namhaften Organisten und Organistinnen des In- und Auslandes, die hier hörenswerte Konzerte gaben, aufs Schönste bestätigt. Die Orgel eignet sich ferner ganz besonders zur freien Improvisation und – da fast ebenerdig stehend - als Instrument für Workshops und Seminare (u.a. Soester Orgelakademie, Podiumsveranstaltungen mit Organisten, Orgelforschern und Orgelpädagogen).

Der kommunikativ-gemeindebezogene Standort und die großzügige, leicht begehbare Aufbau des Instrumentes erlauben regelmäßige und erlebnishafte Orgelführungen, insbesondere für Schulklassen (Instrumentenkunde) und Kindergartenkinder.

Regelmäßige Orgelkonzerte und Abendmusiken sowie außergemeindliche Chor- und Orchesterkonzerte zeichnen Orgel und Kirchenraum von St. Thomae als eine der führenden Konzertkirchen der alten Hansestadt aus.

(Karola und Dr. Wolf Kalipp)

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Die Disposition der Orgel in St. Thomae Soest
(Alexander Schuke, Potsdam 1970 - Neue Setzeranlage 1995)
Anordnung nach Registertafel links vom Spieler

Pedal (C-f1) Hauptwerk (I) (C-g3) Oberwerk (II) (C-g3) Brustwerk (III) (C-g3)
Principal 16´ Pommer 16´ Gedackt 8´ Holzgedackt 8´
Subbaß 16´ Principal 8´ Quintadena 8´ Spillpfeife 4´
Oktave 8´ Rohrflöte 8´ Principal 4´ Principal 2´
Gemshorn 8´ Oktave 4´ Blockflöte 4´ Terz 1 3/5´
Oktave 4´ Spitzflöte 4´ Sesquialtera 2-3f Nassat 1 1/3´
Nachthorn 2´ Nasat 2 2/3´ Waldflöte 2' Cymbel 3f.
Hintersatz 4f. Oktave 2´ Oktave 1´ Vox humana 8´
Posaune 16´ Rauschpfeife 3-4f. Scharff 4f. Tremulant
(als Einzelzug rechts vom Organisten)
Trompete 8´ Mixtur 5-6f. Dulcian 16´
Clairon 4´ Trompete 8´ Schalmei 8´
Tremulant

Koppeln: I/P; II/P; II/I; III/I; III/P

Setzer I-IV/A-H/1-8/Tutti (256 f.)
a) als Druckknöpfe unter Man. I mit Sequenzer < >
b) Sequenzer rechts und links < > vom Spieltisch als Druckknöpfe
c) als Pistons

A-H/Tutti mit Sequenzer (nur >, rechts u.) Zungenabsteller als
a) Druckknöpfe links über Man. III (einzeln)
b) als General-Piston

Man.- und Ped.-Koppeln als Pistons (links unten)

Schwelltritt zum Brustwerk
Schleifladen, mechanische Spiel-, elektr. Registertraktur

Mit freundlicher Genehmigung der Kirchengemeinde (Wolf Kalipp)
Fotos/Bildmaterial: Wolf Kalipp
OI-S-40



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