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Eine neue Barock-Orgel in der Neustädter Hof- und Stadtkirche in Hannover
Einweihung des neuen Instrumentes mit einem Orgelkonzert, das viele Wünsche offen ließ

Nun gibt es endlich im Großraum Hannover, nämlich in der Neustädter Hof- und Stadtkirche eine Orgel, die man, so wird gesagt, als große Barock-Orgel bezeichnen kann, also ein Instrument, das ideal für die Darstellung der Musik des Barock und Bachs ist und die Ideale einer Orgel der Bach-Zeit in die Gegenwart transportiert. Diese wurde nun in der hannoverschen Neustädter Hof- und Stadtkirche eingeweiht mit einem Konzert vom Emanuel le Divellec. Bis zum Ende dieser Woche werden noch diverse weitere Orgelkonzerte und Festgottesdienste stattfinden, die es einer breiteren Öffentlichkeit ermöglichen werden, diese neue Orgel erstmals zu hören.

Das Einweihungskonzert begann nach der Begrüßung durch die Pastorin mit wohl dosierten Worten der Präsidentin der hannoverschen Musikhochschule Rode-Breymann. Diese setzte nämlich gleich einen Markstein indem sie mit dieser Orgelweihe die Kirche als einen weiteren Standort der Musikhochschule ausrief. Der Grund dafür ist die Vereinbarung, dass diese Orgel 30 Jahre lang wöchentlich für jeweils 40 Stunden von der Hochschule genutzt werden kann. Und in der Tat: Diese Orgel konnte nur deshalb angeschafft werden, weil die Hochschule über DFG-Fördergelder den Löwenanteil der Orgelfinanzierung übernommen hat, was für die Hochschule eine dringend notwendige Entlastung der beschränkten Raumsituation mit sich bringt. Was das über die hiesige Hochschul- und Bildungspolitik aussagt, das möge sich jeder selbst denken.

Da die Orgelfinanzierung in erster Linie über die Hochschule lief, deshalb hat wohl auch der dortige Lehrstuhlinhaber für Orgel das erste Konzert spielen dürfen. Das war keine glückliche Entscheidung: Nicht nur dass man über die Programmgestaltung mit einem fragwürdigen Bach-Fragment sicher unterschiedlicher Meinung sein kann, vor allem die Spielweise war ernüchternd. So uninspiriert einen ganzen Abend Bach zu spielen, das ist schon eine besondere Kunst.
Außer bei zwei oder drei Choralvorspielen hat Divellec nur gezeigt, dass er technisch dem auch in Celle bekannten Marktkirchenorganisten Ulfert Smidt kaum nachsteht, aber er ließ an diesem Abend im Gegensatz zu Smidt weder ein Gespür für die richtigen Tempi noch für Phrasierung, Artikulation oder musikalischer Charakteristik erkennen. Die grandiose Passacaglia und Fuge in c-moll so belanglos heruntergespielt hören zu müssen, das war schon sehr ernüchternd. Am erschreckendsten war aber, dass Divellec dermaßen langweilig registrierte, dass man sich schon fragen musste, ob denn die Orgel überhaupt fertig ist und ob er vielleicht schlicht keine Zeit hatte, um auf der neuen Orgel in Ruhe deren Möglichkeiten auszutesten. Wirkliche Könner schaffen das aber innerhalb eines Tages. So kann man nach diesem Konzert nicht einschätzen, ob es sich bei dieser Orgel nun wirklich um ein herausragendes Instrument handelt oder nicht.

Das wird man nach dieser Eröffnungswoche besser einschätzen können. Wie gut war es doch, dass es vor diesem Konzert bereits im Rahmen der Orgelkonzerte in der Marktkirche bereits ein interessantes Programm zu hören gab. Da spielte Georg Oberauer nicht nur mit Schwung und Gestaltungskraft das G-Dur-Präludium mit Fuge von Bach sondern faszinierte auch bei Werken von Buxtehude, Dupré und besonders Ligeti, dessen changierende Klangfarben er feinsinnig austarierte.

Autor: Reinald Hanke
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Bericht: Reinald Hanke