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„Hört zu Christen“ - zum 90. Geburtstag des Komponisten Günter Berger
Reinald Hanke im Gespräch mit dem Jubilar

Mit Günter Berger ins Gespräch zu kommen ist eine einfache Sache. Zumindest wenn die Kontaktaufnahme über den Celler Kirchenmusikdirektor Michael Voigt angebahnt wurde. Voigt ist, das wird schon bei den ersten Sätzen am Telefon klar, ein erklärter Lieblingsschüler Bergers, der gerade 90 Jahre alt geworden ist, aber am Telefon so vital klingt, dass man auf dieses Alter nie kommen würde. „Wissen sie,“ so Berger, „es ist schon etwas sehr Schönes, wenn man sich von einem Schüler so verstanden fühlt wie es mir bei Michael Voigt gegangen ist. Ich glaube, dass er zunächst gar nicht so begeistert war, dass er zu mir im Studium in die Orgelimprovisation sollte. Ich hatte ja den Ruf, viel von meinen Studenten zu verlangen. Aber zwischen uns passte es einfach. Michael improvisierte gerne, ganz im Gegensatz zu den meisten Studenten. Das war bei Ihm ganz anders. Er hatte nicht nur Freude daran, er griff auch ganz offen meine Anregungen auf. Und er hatte die Fähigkeiten, daraus dann auch etwas Eigenes zu machen. Das erlebt man nicht so oft.“

Berger freut sich mit Voigt, dass dieser mit seinem Celler Amt nun eine Stelle gefunden hat, die, so meint er, genau zu ihm passt. Einzig, dass Voigt nun nicht mehr wie früher in Neuss oder Neustrelitz auch seine Chorwerke aufführen kann, das betrübt ihn ein wenig. Aber, so hofft er, „vielleicht versteht sich mein früherer Schüler ja so gut mit dem Celler Kantoreileiter, dass dieser sich dann vielleicht auch einmal ein Chorwerk vornimmt.“ Aber zunächst einmal freut sich  Berger, dass sein Lieblings- und Meisterschüler Voigt ihm eine ganze Veranstaltungsreihe widmet. Da ist es für Berger eine Selbstverständlichkeit, dass er die vier Tage vom heutigen Donnerstag bis Sonntag dieser Woche komplett in Celle verbringen wird.

Wichtig ist Berger bei diesen vier Veranstaltungen, dass nicht nur eine Reihe seiner Stücke aufgeführt werden, sondern dass dabei auch seine ganze Biografie dabei beleuchtet wird. Das zeigt sich weniger darin, dass die einzelnen Werke über eine  lange Zeit entstanden sind, was nur bedingt der Fall ist, denn Berger hat erst in höherem Alter seiner Leidenschaft des Musikerfindens nachgegeben, sondern darin, dass die bergersche Musik wichtige Stationen im Leben des Komponisten widerspiegeln. Dabei ist es für Berger von großer Bedeutung, dass er als Vertriebener aus Schlesien gleich zwei Mal flüchten und dabei von jetzt auf gleich, wieder bei null anfangen musste. Sein für den ersten Tag des verlängerten Berger-Wochenendes vorgesehenes, groß angelegtes „Lied vom ausgemordeten jüdischen Volk“ nach Gedichten von Jizchak Katzenelson ist für Berger, so macht er im Gespräch deutlich, besonders wichtig. Und er sieht dieses Werk auch in einem engen Zusammenhang mit seinen eigenen Erlebnissen am Ende des zweiten Weltkriegs. Über die genauen Bezüge zwischen Werk und Biografie wird er am Gesprächsabend am heutigen Freitag berichten. Auch auf seine Vertonung der acht Stundengebete weist Berger ausdrücklich hin. „Das sind sehr schwere Stücke, die nicht jeder Organist spielen kann. Und es sind Stücke, in denen der Organist durchaus auch Freiräume hat, die er individuell gestalten muss.“ Da merkt man, dass diese Komposition von jemandem stammt, der ganz in der Improvisation zuhause ist. Zusätzlich erklingen  am Sonntag noch zwei Orgelbearbeitungen Bergers von Lisztschen Klavierstücken.

Celles Musikfreunde können sich auf ein erlebnisreiches Wochenende freuen.
Der Eintritt zu allen Veranstaltungen, die jeweils um 18 Uhr beginnen, ist frei. Um Spenden wird allerdings gebeten.

Autor: Reinald Hanke

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Mit freundlicher Genehmigung von Reinald Hanke
weiterführende Links:

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