Die „gläserne“ Orgel von St. Marien Rendsburg
Nein, aus Glas ist sie nicht, die neue Orgel in St. Marien Rendsburg, eine der kulturell und ge schichtlich bedeutendsten Kirchen in Schleswig-Holstein, aber einsehbar und auch begehbar. Zudem umgeben von einer Dauerausstellung zum Thema Orgelbau, Orgeltechnik, Orgelmusik und Orgelgeschichte. Neben der Verwendung von Geldern aus der gemeindeeigenen Stiftung sowie dem finanziellen Eigenbeitrag durch Spenden hat sich die EU mit gut einer dreiviertel Million Euro an dem Projekt beteiligt.
Die neue Orgel der Firma Freiburger Orgelbau/Späth ist also Teil der neuen Dauerausstellung, die sich über den Eingangsbereich der Kirche, sowie den Raum neben der Orgel und das dahinter angrenzende Turmzimmer erstreckt. Durch Glas anstelle von Holz sind Spieltisch, Trakturkanal und auch Teile des Orgelkorpus einsehbar. Durch einen Gang im hinteren Pedalbereich der Orgel hindurch gelangt man in das Turmzimmer, das mit Bildschirmen, Exponaten und Orgelmodellen ausgestattet ist. Auch Motor und Balganlage sind hier einzusehen.
Um der Bedeutung der Kirchenmusik stärkeren Ausdruck zu verleihen und den überregional attraktiven Konzertbetrieb zu fördern, wird zum einen die bestehende theologische Ausstellung um Themengebiete des Orgelbaus und der Orgelmusik erweitert.
Andererseits wird eine neue, hochwertige Orgel das Kernstück sowohl der didaktischen Arbeit als auch des kirchenmusikalischen Lebens bilden. Beides angemessen für eine Bürgerkirche, in der es bereits um 1400 eine erste Orgel gab und deren Organisten seit 1555 lückenlos nachgewiesen sind.
Die neue Orgel wird 45 Register auf drei Manualen und Pedal besitzen und im Klang französisch-romantisch nach Cavaillé-Coll ausgerichtet sein. Die Disposition ist dabei so vielseitig angelegt, dass auch andere Musikepochen überzeugend interpretiert werden können.
Es handelt sich um keine reine Stilkopie, sondern ähnlich der Orgel der Jesuitenkirche Wien, von derselben Firma erbaut, ist das klangliche Konzept Cavaille-Colls umgesetzt, klanglich aber ein wenig „entstaubt“ worden.
Mit einem eigenen Schwellkasten für das Postif, einem bis a3 erweiterten Tonumfang sowie zusätzlich elektrifizierten Trakturen (MIDI) ergeben sich weitere musikalische Nutzungsmöglichkeiten. Ein Zimbelstern, eine Celesta und ein Röhrenglockenspiel sind ebenfalls mit dabei. Ein zweiter Spieltisch im Kirchenschiff ist vorgesehen.

Im Rahmen des Projektes entschied sich die Kirchengemeinde Rendsburg nicht nur zu einem reinen Neubau, es sollte auch für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, z.B. Touristen, ein Erlebnisraum zum Thema „Orgel“ entstehen.
Klanglich ergänzt das Instrument die neobarock disponierte viermanualige Orgel der barocken Christkirche, der ehemaligen dänischen Garnisonkirche, der zweiten Stadtkirche in unmittelbarer Nähe. Hinter dem historischen Prospekt Arp Schnitgers steht jetzt Instrument der Firma Schuke/Berlin.
Eine Hörstation im Erdgeschoss ist nicht nur Bindeglied zu der schon vorhandenen Dauerausstellung „Glaubensspuren“, hier kann man anhand von Beispielen den Wandel der Orgelmusik durch die Jahrhunderte und die Verwendung der Orgel im liturgischen Zusammenhang durch Klangbeispiele erleben. Zum Erlebnisraum wird so die Kirche, wenn bei Führungen nicht nur das Instrument selbst, sondern auch Anschauungsobjekte, Filme und Darstellungen die faszinierende Welt der Orgel erklären.
Die Gemeinde will so Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf vielfältige Weise Geschichte der Kirchenmusik unter besonderer Berücksichtigung des Orgelbaus in der Region Rendsburg von den Anfängen bis zur Gegenwart nahebringen. Dabei soll Interesse für die Orgel als Musikinstrument und handwerkliches Meisterwerk geweckt werden.
Schließlich müssen Menschen für den Erhalt und die Pflege der Orgelkunst als immaterielle Kulturerbe der Menschheit gewonnen werden.
Außerdem soll das neue Instrument für die Ausbildung von Nachwuchsorganisten geeignet sein und die Fortführung bzw. den weiteren Ausbau eines anspruchsvollen Orgelkonzertbetrieb möglich machen. Nicht zuletzt kann sich das Instrument für Organisten und Studierende als neuer Anziehungspunkt in der Orgellandschaft Norddeutschlands entwickeln.
Die Ausstellung wiederum soll die St. Marienkirche als einen außerschulischen Lernort etablieren, der für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, für Einheimische und Urlauber aufregende und spannende Entdeckungen bereithält.
Volker Linhardt, Rendsburg
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Disposition der neuen Haupt-Orgel
erbaut 2025, op. 1021 von
Freiburger Orgelbau
Hartwig und Tilmann Späth, OHG (Orgelweihe 31.10.2025)
| I. Grand-Orgue C-a3 |
II. Positif expressif C-a3 |
III. Récit expressif C-a3 |
Pédale C-f1 |
| 1. Montre 16' |
14. Diapason 8' |
25. Bourdon doux 16' |
36. Contrebasse 16' |
| 2. Montre 8' |
15. Cor de nuit 8' |
26. Flûte traversière 8' |
37. Soubasse 16' |
| 3. Flûte harmonique 8' |
16. Salicional 8' |
27. Bourdon 8' |
38. Grand Nazard 10 2/3' |
| 4. Bourdon 8' |
17. Unda maris 8' ab c° |
28. Viole de Gambe 8' |
39. Flûte 8' |
| 5. Violoncelle 8' |
18. Prestant 4' |
29. Voix céleste 8' ab c° |
40. Violoncelle 8' |
| 6. Prestant 4' |
19. Flûte douce 4' |
30. Flûte octaviante 4' |
41. Bourdon 8' (Ext.) |
| 7. Dulciana 4' |
20. Nazard 2 2/3' |
31. Octavín 2' |
42. Flûte 4' (Ext.) |
| 8. Quinte 2 2/3' |
21. Quarte de Nazard 2' |
32. Carillon III 2 2/3' |
43. Bombarde 16' |
| 9. Doublette 2' |
22. Tierce 1 3/5' |
33. Trompette harmonique 8' |
44. Trompette 8' |
| 10. Cornet V 8' ab g° |
23. Plein jeu IV 1 1/3' |
34. Basson et Hautbois 8' |
45. Clairon 4' |
| 11. Fourniture V 2' |
24. Clarinette 8' |
35. Clairon harmonique 4' |
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| 12. Basson 16' |
Tremolo |
Tremolo |
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| 13. Trompette 8' |
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| Tremolo |
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Koppeln:
II/I; III/I; Sub/Super III/I
III/II; Sub/Super III/II
Sub/Super III
I/P; II/P; III/P; Super III/P
Spieltraktur der Manuale und Manual-Normalkoppeln mechanisch,
Pedaltraktur, Pedalkoppeln, Registertraktur und Oktavkoppeln elektrisch,
MIDI, Setzeranlage,
Zimbelstern (6 Schalenglocken),
Celesta, Röhrenglockenspiel.
Temperierung leicht ungleichschwebend (Janke I).
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