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Die Orgeln in St. Marien Spenge-Wallenbrück

Nordquerhaus-Orgel
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Die Orgel der Westempore
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Die Nordquerhaus-Orgel

1976 Gustav Steinmann, Vlotho
2016 Reinalt Klein, Lübeck, IIP/20

Das Werk dieser Orgel war ursprünglich 1976 als technischer Neubau in das Gehäuse der jetzigen Barockorgel auf der Westempore eingebaut worden, unter Verwendung einer Anzahl alter Register. Infolge von Korrosionsschäden an diesen historischen Pfeifen wurde nicht nur die Rekonstruktion der barocken Orgel, sondern gleichfalls die Erhaltung der Steinmann-Orgel an anderer Stelle in der Kirche beschlossen.
Sie wurde im nördlichen Querhaus in einem neuen Gehäuse und mit Ergänzung der jetzt fehlenden historischen Pfeifen durch Reinalt Klein, Lübeck, aufgestellt.Die Disposition ist geblieben, wie auch die Gamba von Klaßmeier 1888. Sie kann somit für Musik außerhalb der Mitteltönigkeit und Literatur genutzt werden.

Einweihung im Oktober 2016.

Disposition

erbaut von Orgelbau Klein (2016) in neuem Gehäuse, basierend auf einer Orgel von Orgelbau Steinmann, Vlotho (1976-2014), in der auch Pfeifen des frühen bis mittleren 17. und des mittleren 18. Jahrhunderts enthalten waren.

I Hauptwerk C-g3 II Unterwerk C-g3 Pedal C-f1
1. Principal (neu 2014) 8' 10. Holzgedackt 8 16. Subbaß 16
2. Metallgedackt (neu 2014) 8 11. Prinzipal 4 17. Holzprinzipal 8
3. Gamba (1888) 8 12. Waldflöte 2 18. Rohrpfeife 4
4. Oktave (neu 2014) 4 13. Nasat 1 1⁄3 19. Rauschpfeife III (neu 2014)
5. Koppelflöte 4 14. Zimbel II–III 1⁄2 20. Fagott 16
6. Oktave (neu 2014) 2 15. Krummhorn 8  
7. Sesquialtera II Tremulant  
8. Mixtur IV 1 1⁄3    
9. Trompete 8    

Koppeln: II/I, I/P, II/P
Schleifladen mit mechanischer Spiel- und Registertraktur, a=440 Hz
Temperierung: gleichstufig
Spielschrank seitlich
Die Orgel - Friedensorgel - der Westempore
Text: Hans-Werner Coordes - https://www.orgel-owl.de

1624 Neubau wahrscheinlich Familie (Ernst?) Bader, Unna

1650 Beschädigung durch einen Turmbrand

1659 Instandsetzung. Es spricht einiges dafür, das dies durch Hans Henrich Reinking, Bielefeld erfolgte. Die Orgel hatte jetzt 14 Register auf Hauptwerk und Brustwerk, Pedal angehängt. Tonumfang 41 Töne , mit kurzer Oktave.

1682 Stimmung durch Hinrich Klausing, Herford. Erweiterung der Empore.

1688-1690 Kleinere Arbeiten durch Klausing

1754/55 Reparatur und Umbau durch Christian Klausing, Herford.
Tonumfang auf 48 Töne erweitert, Dispositionsänderungen, ein zusätzliches Gedackt 8 im Brustwerk, neue Windladen, neue Balganlage durch Ankauf von 4 gebrauchten Bälgen aus Osnabrück, die vermutlich vom Schnitger-Gesellen Christian Vater stammten. Diese Bälge waren bis 1974 noch vorhanden. Die Orgel hatte spätestens jetzt Schleifladen und 15 Register mit angehängtem Pedal.

1763 Balgreparatur

1765 Höchstwahrscheinliche Reparatur und Instandsetzung durch den Möller-Neffen Johann Georg Isvording aus Dringenberg. Dieser sollte nun auch die jährliche Wartung übernehmen.

1831 Überlieferung der Disposition durch Johannes Kersting, Münster

1840
Grundlegende Überholung in Instandsetzung durch Wilhelm Kummer, Minden. Statt Hauptwerkszimbel nun eine Flauto amabile 4‘. Wahrscheinlich auch Änderung der Quintade 8 in ein Gedackt 8.
 
1851 Instandsetzung durch Ludwig Ohe, Melle-Buer. U.a. Anlegen einer gleichstufigen Temperatur.

1852 Erweiterung der Empore. Verlegung des Spielschranks an die Nordseite als seitenspielig durch Ludwig Ohe. Gehäuseänderungen, u.a. Blindpfeifenfelder am Brustwerk.
 
Zwischenzeitliche Kostenanschläge wurden nicht ausgeführt.
 
1888 Umbau und Erweiterung auf 20 Register mit freiem Pedal durch Ernst Klaßmeier, Kirchheide. Tonumfang C-f3, bzw. C-d1. Dabei blieben noch rund 450 Pfeifen des 17. und 18. Jahrhunderts erhalten. Neuintonation und Stimmung im Kammerton. Neues Gehäuse für das Pedal auf der linken Seite.

1938 Renovierung durch Friedrich Klaßmeier, Kirchheide
 
1946 Einbau eines elektrischen Gebläses durch Gusatv Steinmann, Vlotho

1976 Tiefgreifender Umbau durch Gustav Steinmann, Vlotho
Technischer Neubau mit 20 Registern auf 2 Manualen und Pedal. Dabei wurden 251 Pfeifen aus dem Zustand 1755 wieder verwendet (ca. 25 % /5 Register). Die Mensuren wurden nicht verändert. Allerdings ging hier ungefähr die gleiche Anzahl alter Pfeifen durch Verkauf verloren.
Die Gamba 8’ von Klaßmeier 1888 blieb ebenfalls erhalten. Aufgabe der alten Tretbalganlage aus dem 17. Jahrhundert. Neues Gehäuse des Pedalwerks hinter dem Hauptgehäuse. Arbeiten am Gehäuse. Neue Empore mit Brüstungselementen des 17. und 18. Jahrhundert.
  
1991 Generalüberholung. Feststellung übereinstimmender Signaturen an den Pfeifen in Wallenbrück und Borgholzhausen von Hans Henrich Reinking.
Eintragung der Orgel als Denkmal.
 
2008 Feststellung von Korrosionsschäden an den Bleipfeifen. Einlagerung bei der Fa. Steinmann. Untersuchung der historischen Pfeifen durch Reinalt Klein, Lübeck. Eine Restaurierung/Rekonstruktion wird als möglich bescheinigt.

2011 Symposium zur weiteren Zukunft der Orgel. Beschluß einer dualen Lösung:
Ausbau und Umsetzen des Werks der Steinmann-Orgel von 1976 in ein neues Gehäuse ins Querhaus, ohne die historischen Pfeifen.
Anschließend Restaurierung und Rekonstruktion der Barockorgel.

2012 Einlagerung der historischen Pfeifen bei Wegscheider, Dresden, ab 2018 bei Fa. Johannmeier in Stemwede.
  
2016 Fertigstellung der Querhausorgel durch Reinalt Klein, Lübeck
Neues Gehäuse. Die fehlenden historischen Pfeifen wurden entsprechend ergänzt.
  
2019 Untersuchung des alten Pfeifenbestandes durch Koos van de Linde, sowie der Farbgebung des Gehäuses durch Inge Otto.
Entdeckung der Inschrift "E B" neben der schon bekannten Jahreszahl "1624" am Mittelturm. Ferner am rechten Spitzturm „FECIT 1771“, wahrscheinlich durch eine Tischlerarbeit.
Klärung von Fragen der Datierung der Ornamente und Dekore mit Dr.Vera Lüpkes und Eckehard Deichsel vom Weserrenaissance-Museum Lemgo.
 
2020 Überführung des Barock-Gehäuses und der historischen Pfeifen zur Orgelwerkstatt Ahrend in Leer. Freilegung der Inschriften von 1624 und 1771. Restaurierung und Rekonstruktion von Gehäuse und Pfeifenwerk aufgrund der Befunde auf den Zustand Klausing 1755.
 
2021 Im August Wiedereinweihung der Orgel mit Ausnahme des 2.Manuals des geplanten Positivs, welches aus Kostengründen erst später folgen soll.
 
2025 Im Dezember ist das Brustwerk fertig geworden


 
Weitere Anmerkungen:

Falls die Familie Bader oder Ernst Bader die ursprünglichen Erbauer sind, wäre es der älteste erhaltene Prospekt der Baders.
Durch den 1624 vorhandenen geringen Tonumfang kommt allerdings auch ein Vorgängerinstrument in Betracht.

Das Brustwerk wird hier auch „Positiv“ genannt, weil es relativ niedrig im Gehäuse stand/steht. Alle Pfeifen sind aus Metall, das Gedackt 8 hätte sonst keinen Platz aufrecht gehabt. Somit könnte das Hauptwerk wegen seiner Höhe auch „Oberwerk“ bezeichnet werden.

In den zurückliegenden Jahren ist eine sehr umfangreiche Quellen-Dokumentation durch den Historiker Andreas Kamm erstellt worden. Dazu zählt auch eine Chronik zum Orgelbau seit 1624, die in der ebenfalls umfangreichen und informativen Festschrift abgedruckt ist. Zur Restaurierung gibt es eine detaillierten Bericht von Hendrik Ahrend. Die Orgel hat den Spielschrank wie ursprünglich nun wieder vorn, also vorderspielig

Im hier betrachteten geografischen Raum ist sie die einzige 2-manualige Orgel mit angehängtem Pedal.

Friedensorgel
Die Orgel wird seit 2022 auf Vorschlag von Hans-Hermann Jansen/Marienmünster "Friedensorgel" genannt, im Wissen, dass sie im 30jährigen Krieg entstand und auch in allen folgenden, zeitlichen Widrigkeiten immer für ihre Funktion gesorgt wurde.


Disposition

Die Grundsubstanz stammt vermutlich von Ernst Bader (1624), mehrere Umbauten/Restaurierungen im Lauf der Jahrhunderte, zuletzt durch Orgelbau Ahrend. Die drittälteste Orgel Westfalens.

I Hauptwerk C, D-c3 Pedal C, D-c1
1. Principal 8' angehängt
2. Holflaut 8'  
3. Quintatön 8'  
4. Octav 4'  
5. Sesquialter 3f 2 2/3'
geteilt in Bass/Diskant
 
6. Super-Octav 2'  
7. Mixtur IV 1 1/3'  
8. Cymbal 2f 1/2'  
9. Trompet 8'
geteilt in Bass/Diskant
 

Schleifladen mit mechanischer Traktur, mitteltönige Stimmung nach Prätorius (1/4 synt. Komma) mit 8 reinen Terzen, a=465 Hz
Sperrventil, Windauslass-Tremulant, 3 Keilbälge
720 Pfeifen, davon 214 aus dem 17. und 18. Jahrhundert
Kontakt

Ev.-luth. Kirchengemeinde Spenge
Gemeindebüro
Lange Straße 70-72
32139 Spenge

Telefon: 05225/859290
E-Mail: gemeindebuero(at)kgm-spenge.de

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Marienkirche_(Wallenbr%C3%BCck) und Hans-Werner Coordes - Orgelatlas Ostwestfalen-Lippe
Fotos:
Orgeln: Hans-Werner Coordes - Orgelatlas Ostwestfalen-Lippe
Kirche: chris06 - gemeinfrei
OI-S-139 - veröffentlicht: 03.09.2026 - letzte Bearbeitung: 01.10.2026
weiterführende Links:

Webseite der Kirchengemeinde
Geschichte der historischen Orgel in der Marienkirche Wallenbrück von Andreas Kamm (ext. Link PDF)

Orgelatlas Ostwestfalen-Lippe