Daniel Kunert - Musik-Medienhaus
Das Portal der Königin

- Startseite - Orgeln - Worms - Dom St. Peter


Die Orgel im Dom St. Peter Worms

Zur Geschichte der Wormser Domorgel
Disposition Klais-Orgel
Disposition Oberlinger-Oorgel

Zur Geschichte der Wormser Domorgel

Leider sind durch die Zerstörungen des zweiten Weltkriegs fast alle Quellen zur Orgelgeschichte des Wormser Doms verloren gegangen. Dennoch lassen sich anhand von einzelnen Überlieferungen und Sekundärquellen einige Stationen festhalten.

Das älteste Zeugnis einer Orgel im Wormser Dom stammt aus dem Jahr 1259. Genauere Angaben über Größe und Standort sind leider nicht überliefert. 1440 wurde ein neues Instrument vollendet, das an Größe und Qualität so beschaffen gewesen sein muss, dass auf dem Reichstag von 1495 Arnolt Schlick und Paul Hofhaimer darauf spielten. Der Standort dieses Instruments entsprach wahrscheinlich dem der heutigen Schwalbennestorgel im zweiten Doppeljoch von Westen.

Im 16. Jahrhundert sind die orgelbaulichen Aktivitäten nicht ganz eindeutig zu klären. Offensichtlich waren nun auch Orgel auf den beiden damals noch vorhandenen Lettnern aufgestellt. Im 17. Jahrhundert befand sich eine Schwalbennestorgel im Dom, deren Regsiteranzahl der heutigen Orgel entsprach. Dieses Instrument wurde beim Dombrand 1689 zerstört. Im 18. Jahrhundert kam es mit den Gebrüdern Stumm aus Rhaunen-Sulzbach zu Verhandlungen. Es wurde ein Vertrag über ein dreimanualiges Instrument geschlossen. Jedoch erreichte dieses Instrument niemals die Stadt Worms. Es wurde von den französischen Revolutionstruppen in der Werkstatt im Hunsrück vernichtet.
1804 erwarb man für den Dom die Barockorgel der soeben aufgelösten Dominikanerkirche. Dieses zweimanualigeInstrument stand mit seinem ansprechendem Prospekt über dem nördlichen Chorgestühl, war jedoch viel zu klein für den großen Kathedralraum.

1940 errichtete die Firma Sattler eine neue, größere Orgel an der gleichen Stelle. In dieses Instrument wurden einzelne Register der Vorgängerorgel übernommen. Wie bei vielen Instrumenten dieser Zeit war das Material von minderwertiger Qualität. Die Pfeifen waren aus verschiedenen Altbeständen zusammengefügt und notdürftig ergänzt. Auch der Standort erwies sich vor allem für die Belebung des Gemeindegesangs als ungünstig.

Die Schwalbennestorgel
1985 erbaute die Firma Klais (Bonn) für das Langhaus eine neue Schwalbennestorgel. Der wieder aufgegriffene historische Standort erweist sich akustisch als besonders günstig und ermöglicht, dass ein im Verhältnis zur Raumgröße eher kleines Instrument den Raum souverän beherrscht. Die Manualwerke sind in drei Etagen übereinander angeordnet. Das Rückpositiv ist soweit eingezogen, dass der Spieltisch eher darüber als dahinter steht. Das Schwellwerk befindet sich  hinter den oberen Flachfeldern des Hauptgehäuses. Das Pedalwerk steht aufgeteilt zu beiden Seiten. Die Disposition orientiert sich an klassischen Konzepten des 18. Jahrhunderts erweitert durch einige romantischen Farben im klein besetzten Schwellwerk.
2008 erfolgte eine Reinigung und Nachintonation der Orgel durch die Erbauerfirma, bei der auch zwei geringfügige Korrekturen der Disposition vorgenommen wurden.

Die Chororgel
Bedingt durch die monumentale Größe, Raumgliederung und Akustik des romanischen Doms (107 m Länge im Innenraum) war der Bau einer weiteren Orgel im Hochchor unumgänglich. Die Hauptfunktionen der Chor-Orgel sind die Gestaltung der Gottesdienste im Chorraum und die Begleitung der Domchöre. Als stilistisches Gegengewicht zur Klais-Orgel wurde diese Orgel nach den klanglichen Prinzipien der Cavaillé-Coll'schen Chor-Orgeln aus dem 19. Jahrhundert konzipiert. Erbaut wurde die Orgel 1996 durch die Firma Oberlinger (Windesheim). 2022 erfolgte eine Reinigung und technische Überabeitung durch die Firma Raab & Plenz.

Autor: Dan Zerfaß
Disposition Schwalbennestorgel

Klais 1985/2008, 34/III/P

I. Rückpositiv C-a3 II Hauptwerk C-a3 III Schwellwerk C-a3 Pedal
C-f1
Prästant 8’ Prästant 16’ Rohrflöte 8’ Principal 16’
Gedeckt 8’ Octav 8’ Gamba 8’ Subbass 16’
Octav 4’ Spitzflöte 8’ Vox coelestis 8’ Octav 8’
Rohrflöte 4’ Octav 4’ Blockflöte 4’ Bourdon 8’
Gemshorn 2’ Hohlflöte 4’ Principal 2’ Octav 4’
Larigot 1 1/3’ Quinte 2 2/3’ Quinte 1 1/3’ Posaune 16’
Sesquialter 2f. Superoctav 2’ Hautbois 8’ Trompete 8’
Scharff 5f. Cornet 5f. Tromp. harm. 8’
Krummhorn 8’ Mixtur 6f. Tremulant
Tremulant Trompete 8’

Koppeln: III-II; I-II; III-I; III-P; II-P; I-P
Mechanische Spieltraktur, elektrische Registertraktur mit 4000 Setzerkombinationen
Disposition Chororgel

Oberlinger, 1966

I Grand Orgue C-g3 II Recit C-g3 Pedale
Bourdon 16' Cor de nuit 8' Soubasse 16'
Montre 8' Gambe 8' Bourdon 8'
Flûte harmonique 8' Voix celesté 8' Bombarde 16'
Bourdon 8' Flûte octaviante 4' Trompette 8'
Prestant 4' Octavin 2'  
Fourniture Trompette harm. 8'  
Bombarde 16' Hautbois 8'  
Trompette 8' Tremblant

Koppeln (mechanisch): II-P; I-P
Koppeln (elektrisch): II-I; II16‘-I; II4‘-I; II16‘-II; II4‘-II
Appel-Tritte Grand Orgue, Recit & Pedale

Mit freundlicher Genehmigung des Kultursommer Rheinland-Pfalz e.V.und der Kirchengemeinde
Foto Chororgel: Norbert Rau
OI-W-28
weiterführende Links:

Webseite Dom St. Peter Worms