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Debussy á l'orgue

Interpret: Paolo Bottini
Instrument: A. Ruyssers-Orgel der Chiesa parrocchiale sie San Giacchino ai Prati di Castello di Roma
Label: Elegia

Darf man es für möglich halten: Klaviermusik von Debussy auf der Orgel?
Bekannte Préludes, Suiten, Arabesques sowie Childrens Corner, feinsinnigste Tastenakrobatik also, die den unnachahmlichen Klang eines Flügels geradezu heraufbeschwört, die unweigerlich an singuläre Aufnahmen von Auturo Benedetti-Michelangelo denken läßt – nun auf einer symphonischen Anneessens-Ruyssers-Orgel von 1908?

Ja, man darf! Es mutet zuweilen sogar an, einige der Stücke hätte Debussy extra und mit Lust nur für die Orgel, den weichen Klang der Flöten, die sphärischen Winde der Streichregister konzipiert. Wäre er, der Klangmagier des Impressionismus, geradezu fasziniert von Manualwechseln, Schwellwerkeffekten und raffinierten Registerkombinationen. Kurzum, der bestens präparierte Interpret Paolo Bottini hat sich hier akribisch überlegt, wie er nicht etwa d e n Paradestücken des Klaviers lediglich routiniert Paroli bietet. Vielmehr hat der Virtouse ohne eitle Effektenhascherei erstaunlichen Einfallsreichtum entwickelt und Farben gezaubert, die einen völlig neues Verständnis, insbesondere beim Hören der Deux Arabesques ermöglichen. Die große Akustik der römischen Kirche San Giacchino ai Prati di Castello im Stadteil XXII. Rione „musiziert“ hier gleichsam mit, der Nachhall läßt das Prélude „la cathédrale engloutie“ gewaltig erscheinen, wie es sich für eine Kathedrale gehört. Allerdings läßt das Instrument bei den Pleno-Akkorden eine gewisse Windstößigkeit erkennen, dazu wirkt der großgriffige Kulminationspunkt des allzu bekannten Stückes erdrückend statisch. Hier wünscht man sich doch etwas sehnsüchtig die Eleganz und Durchsichtigkeit eines Steinways herbei.

Das dreimanualige Instrument des belgischen Erbauers ist im übrigen erst 2008 restauriert worden, sehr liebevoll von Francesco Zanin, der es nicht nehmen läßt, die Produktion namentlich zu unterstützen. Aber nicht allein aktuelle Transkriptionen zieren die reichlich 68 Minuten der vorliegenden CD, auch eine A. Guilmant-Bearbeitung des „Andantino doucement espressif“ aus dem Quartetto per archi Debussys ist eine höchst interessante Hörerfahrung. Dies mit dem biegsamen sotto voce eines Original-Streicher-Apparates zu vergleichen, ist nicht ratsam. Sich aber einzulassen auf eine Reise ins wunderbar besetzte III. Manual „Recitativo-Espressivo“ lohnt allemal. So wie die gesamte, angenehm überraschende Aufnahme!


Wieland Meinhold - für www.orgel-information.de
Juli 2019 / Dezember 2019


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