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J. M. Bach & J. C. Bach - Complete Organ Music

Interpret: Stefano Molardi
Instrument: Volckland-Orgel St. Crucis Erfurt
3 CDs
Label: Brilliant classics


Johann Christoph Bach (1642 – 1703) - Schüler des Arnstädter Kantoren Jonas de Fletin und seines Vaters Heinrich - der 51 Jahre Organist an der Liebfrauen- und Oberkirche in Arnstadt war - wurde 1663 Organist an der dortigen Kapelle des Schlosses der Grafen von Schwarzburg und 1665 an der Georgenkirche in Eisenach neben seinem Vetter, dem Stadtpfeifer Johann Ambrosius, Johann Sebastians Vater. Daneben wirkte er als Cembalist der dortigen Hofkapelle der Herzöge von Sachsen-Eisenach neben dem 11 Jahre jüngeren Hoforganisten Johann Pachelbel (1677/78), 1700 wurde er zum Kammermusiker ernannt. Johann Sebastian schätzte ihn als profonden Komponisten; Carl Philipp Emanuel als den großen und ausdrückenden Componisten der Bachfamilie.

Bereits das das Programm eröffnende Praeludium und Fuge Es-Dur bezeugt die hohe Erfindungskraft dieses in der Familientradition als das große Genie vor Johann Sebastian geltenden Bachs. Seine in der Sammlung 44 Choräle zum Praeambulieren (c 1700) und auch in der Neumeister-Sammlung überlieferten Choralbearbeitungen begründeten wohl den Typus der Choralfuge, bei der nach Vorimitationen die erste Verszeile manchmal auch vergrößert und nach einem abschließendem Pedaleinsatz evtl. noch weitere Verszeilenzitate meist über einem Orgelpunkt gebracht werden. Diese Form übernahm dann auch ausgiebig Pachelbel und seine Schule.

Johann Christophs jüngerer Bruder Johann Michael Bach (1648 - 1694) erhielt eine ähnliche Ausbildung und trat 1665 die Nachfolge seines Bruders Johann Christoph Bach als Organist an der Schlosskapelle in Arnstadt an, 1673 wurde er als Nachfolger Johann Efflers (1707 folgte ihm in Weimar Johann Sebastian als Hoforganist der Herzöge von Sachsen-Weimar) Organist und Instrumentenbauer in Gehren. Dort erhielt er auch das Amt des Stadtschreibers (seine jüngste Tochter Maria Barbara (1684–1720) wurde 1707 die erste Frau von Johann Sebastian Bach). Von Johann Michael Bach sind im altbachischen Archiv 5 Kantaten und 11 Motetten sowie c 26 Orgelchoräle erhalten. In der Familien-Chronik wird er als ein habiler Componist bezeichnet. Ein zeitgenössisches Dokument beschreibt ihn als stillen, zurückgezogenen und kunstverständigen Charakter.

Johann Michael kennt vor allem die Bearbeitung mit planem Cantus firmus im Sopran nach Vorimitationen der ersten Verszeile, die sog. Pachelbelform, aber auch im Bass oder den anderen Stimmen taucht der Cantus durchaus auf. Vereinzelt sind auch ein Coloratus oder Veränderungen zu finden. Auch er ist ein gewandter Komponist, den Pachelbel sich als Vorbild nahm.

Stefano Molardi wählte sich eines der herausragenden Instrumente des Thüringer Barocks für seine (Erst-)Einspielung und macht entsprechend Gebrauch von den vielfältigen Möglichkeiten der zahlreichen 8‘-Stimmen, bevorzugt dabei vor allem die Vox humana, nutzt aber nur selten die Klangschönheiten der Register solistisch. Vor allem aber missversteht er die Sätze der beiden Brüder ganz unbegründet nur als Vorlagen für Ausschmückungen mit zusätzlichen Bässen (Praeludium Es-Dur), die dann schnell ein zu starkes Volumen entfalten, und mit zusätzlichen Manieren. Die sind zwar zumeist durchaus schulmäßig und virtuos, zwingen ihn aber auch, die Tempi oft sehr langsam anzusetzen - und wachsen sich auf die Dauer zur Manie aus, rhythmisch führen sie ab und zu zu Stolpereien und vollkommen verzogenen Kadenzformeln. Zudem gehört der häufige Gebrauch von Manieren erst einer späteren Generation an, dem Rezensenten wäre der pure Satz darum in der Regel doch lieber gewesen. Was aber nachfolgenden Interpreten, die das Wesen des protestantischen Chorals und der dazu gehörigen Orgelbearbeitungen mehr verinnerlicht haben, die Möglichkeit öffnet, eine wirkliche Alternative anzubieten. Dass sich Molardi streng an die Reihenfolgen der Druckausgaben von Martin Fischer und Christoph Wolf hält, ist zwar eine mögliche Lösung, schlüssiger wäre aber eine Folge nach dem Kirchenjahr oder einem der damals dort benutzten Gesangbücher gewesen.

Dennoch, alleine die Orgel ist es bereits wert, gehört zu werden. Das Booklet (nur engl./ital.) bringt nur eine knappe Einführung, verschweigt die Baugeschichte der Orgel und die Registrierungen, was bei der Fülle der Tracks (131) aber verständlich ist.

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Oktober 2018 / Februar 2019


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