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Choralbearbeitungen Band 1

Komponist: Alexander Därr
Verlag: Musicantum Edition


Ach bleib mit deiner Gnade (G)
Dennoch bleib ich stets an dir (I: F)
Dennoch bleib ich stets an dir (II:G)
Die ganze Welt, Herr Jesu Chris (dorisch g)
Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre (D)
Wer nur den lieben Gott lässt walten (hypodorisch a)

Diese Ausgabe, teils deutlich inspiriert von Bach´s „Orgelbüchlein“, bringt exzellente musikalische Auslotungen von Gemeinde-Chorälen. Es ist dabei überhaupt kein Hindernis, dass diese auch in entfernteren Tonarten stehen.

1. Christus, der ist mein Leben (Ach bleib mit deiner Gnade / Beim letzten Abendmahle) ist man ja in D-Dur Notation gewohnt. Eine ganz andere schwebende Dimension (siehe Max Reger!) erfährt es durch die bewusste Transponierung nach G-Dur. Hierzu ist eine 2-manualige Orgel erforderlich, da nach barocken Sequenzen und Vorimitationen der kolorierte cantus firmus besonders deutlich hervorgehoben (z.B. Aliquot-/ Cornett- oder Zungen-solo) werden sollte.

2. + 3. Dennoch bleib ich stets an dir (Meinen Jesus lass ich nicht / Jesus nimmt die Sünder an) hat der Komponist gleich doppelt geliefert. Zum einen im reizvollen 12/8 Takt mit Tenor c.f. in Tonart F-Dur. Zum anderen (ebenfalls mit Tenor c.f.) wesentlich länger und bedeutend kunst- und anspruchsvoller (Tempo „Adagio“ in der Tonart G-Dur. Der vielleicht manchen unbekannte Text des schönen Trostliedes aus dem EG Nr. 597 steht nachvollziehend unter der Choralstimme und sei deswegen hier eigens aufgeführt: „Dennoch bleib ich stets an dir, wenn mir alles gleich zuwider; keine Trübsal drückt in mir die gefasste
Hoffnung nieder, daß, wenn alles bricht und fällt, dennoch deine Hand mich hält.“

4. Die ganze Welt, Herr Jesu Christ: ein schwungvolles Osterlied in dorischer Tonart, im Gesangbuch in d-dorisch, hier etwas ungewohnt eine Quarte höher in g-dorisch, zunächst als Kantionalsatz von Jacob Gippenbusch mit #-Alterationen im Diskant. Es folgt eine stimmige Intonation und drei weitere Variations- Folgen. Die Final-(manualiter) Variation verträgt durchaus eine 16´-Basis (Bourdon 16´ oder Fagott 16´) im Manual.

5. Die Himmel rühmen des Ewigen Ehren…Wer fühlt sich hierbei nicht an L. van Beethovens bekannte Version erinnert? Allerdings liegt hier die Melodiefassung von Johann Joachim Quantz von 1760 im¾ Takt in D-Dur zugrunde. Das Präludium mit den signifikant markanten Pedal-Einsätzen könnte durchaus auch als Ouvertüre von G.F.Händel durchgehen, so meisterlich ist dieses Arrangement konzipiert. Es pausiert dann in h-Moll (Fermate) – um letztendlich doch wieder in der Anfangstonart D-Dur fulminant zu enden. Eher MOZÄRT-lich wird es in Variation I auf 4´-Basis. Die Schluss-Variation bringt kurz und knackig noch einmal die musikalischen Einfälle des Präludiums zur Vollendung. Zwingend dabei ist eine „Organo Pleno“ Registrierung, die den Höhepunkt markiert.

6. Wer nur den lieben Gott lässt walten. (hypodorisch in a). Ein wunderbares Trio. Sollte man ein nur EIN-manualiges Instrument verfügbar haben, oktaviere man den Diskant / die Sopran-Melodie einfach um eine Oktave nach oben. Es genügt dabei dieser Manual-Ambitus von C bis f´´´ . Grundierende Pedaltupfer
(ohne 16´) auf 8´-Basis.

Fazit: wunderbare Miniaturen in barocker Manier für den Einsatz in Gottesdienst und Konzert. Ich freue mich schon auf Band II der Choralbearbeitungen.

Christoph Brückner
November 2018 / April 2019


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