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Dieterich Buxtehude - Early Organ Works Codex E.B.1688

Interpret: Harald Vogel
Label: MDG


Die Sammlung von älteren und  neuen Aufnahmen (zwischen 1986 und 2018)  überrascht mit einem Konzept aus zwei Gesichtspunkten: zunächst ist es die Handschrift E. B. 1688 als einzige Quelle für diese CD. Sie ist die älteste Quelle der Buxtehude-Überlieferung, womit sie dem Komponisten zeitlich am nächsten steht. Zum anderen stellt sie u.a. ein Repertoire zur Verfügung, das sub communione zu spielen war. Harald Vogel belegt im Booklet knapp und überzeugend, dass diese Musik Sache der Organisten war, die für kleine Besetzungen passend zur Größe der Orgelemporen schrieben. Im Codex E.B.1688 findet sich dazu eine Streichersonate des Wiener Hofkapellmeisters Antonio Bertali (1605 – 1669), die Buxtehude als Solo für eine Gambe mit zwei Orgelstimmen (BuxWV Anh. 5) übertrug. Zur Kommunionsmusik rechnet Vogel hier auch die Canzonen und Fugen (BuxWV 166, 175 und 176). Ob auch die Orgelchoräle BuxWV 212 (Nun lob, mein Seel, den Herren) und BuxWV 178 (Ach Herr, mich armen Sünder) zur Kommunionspraxis bei Buxtehude gehörten, ist in der Forschung bisher nicht belegt, ebenso wenig das Spiel der hier wiedergegebenen Praeludien BuxWV 152 (ex e), 158 (ex a) und 136 (ex C). Die an die italienische Praxis der Zeit angelehnte und auf der CD demonstrierte Registrierkunst Vogels spricht durchaus für diese Möglichkeit. Außerhalb der Kommunionpraxis sind noch die im Codex den Kommunionstücken folgenden Plenum-Stücke BuxWV 155 (Toccata ex d), 148 (Praeludium ex g) und 144 (ex F) in z.T. neuen Einspielungen zu hören. Auch wenn hier zum großen Teil alte Aufnahmen wiederholt werden, ist die Gegenüberstellung der Instrumente in Pilsum, Lübeck, Roskilde, Helsingor, Damp, Norden etc. auf einer CD ein weiterer Anreiz.

Das Booklet bringt neben dem bereits erwähnten Text Vogels die Dispositionen und Registrierungen, Angaben zur Temperatur und Ablichtungen der Instrumente.

Fazit: Nichts Neues und doch Nagelneues durch das überzeugende doppelte Konzept dieser CD. Das Cover zeigt die berühmte Szene von Johannes Voorhout mit Buxtehude an der Gambe und Johann Adam Reincken am Cembalo. Diese Plätze würde man Thomas Fritzsch, der die Gambensonate hier einspielte, und Harald Vogel, der mit dem Buxtehude-Preis der Stadt Lübeck 2018 geehrt wurde, Anlass für diese CD, auch gönnen!


Rainer Goede - für www.orgel-information.de
November 2018 / Mai 2019


Diese CD ist im gut sortierten Buch-/Musikhandel erhältlich
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