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Pasquini - Sonatas for two organs

Interpreten: Luca Scandali / Hadrien Jourdan
Label: Brilliant classics


Zu den Besonderheiten dieser CD zählen der Komponist, seine Sonaten, die bespielten Instrumente und die Interpreten. Das ist doch nichts Besonderes, möchte man meinen, doch, hier sind es Besonderheiten. Der Komponist Bernardo Pasquini (1637 - 1710, Organist in Ferrara und Rom, Komponist von 14 Opern, 14 Oratorien, ungezählten Serenaten und 70 Kantaten, Lehrer von u.a. Domenico Zipoli, Domenico Scarlatti, Johann Philipp Krieger und Georg Muffat) war wohl der bedeutendste italienische Komponist von Tastenmusik zwischen Girolamo Frescobaldi und Domenico Scarlatti. Neben Ricercari, Canzonen etc. komponierte er vor allem Toccaten, Suiten, Variationen und Partiten. Die Besonderheit aber sind seine 28 zwei-, bzw. dreisätzigen Sonaten für Basso continuo in mannigfachen Formen, von denen 14 für zwei Tasteninstrumente bestimmt sind. Geschrieben sind nämlich nur die beiden Bässe, für die oberen Oktaven sind die Interpreten zuständig, also sind es Intensiv-Lehrwerke für angehende Tastenspieler und Komponisten. Bei diesen Sonaten war es Pasquinis Neffe Bernardo Felice Ricordati 1704, der den Dialog mit seinem Lehrer führen durfte. Wie eigenständig und höchst professionell Pasquini schrieb und lehrte, macht ein Vergleich mit seinen Altersgenossen in Frankreich und Deutschland, Guillaume Nivers und Dieterich Buxtehude, deutlich.

Scandali und Jourdan allerdings spielen meisterhaft und mit hörbarem Vergnügen und großer Fingerfertigkeit unentwegt flink alles, was zum Zahlenspiel der Unterstimmen passt, und bringen dabei die reichen Klangmöglichkeiten der beiden ausgesucht schönen Instrumente zum Klingen. Es sind dies die beiden Orgeln in der Basilica di Santa Maria della Misericordia in Fermo (I). Die Epistelorgel stammt von Pietro Nacchini (1757, I/12, restauriert 1974), die Evangelienorgel von Gaetano Callido (1785, I/13, restauriert 1981), als drittes gesellt sich ein Cembalo hinzu, eine Kopie eines Instrumentes von Ignazio Mucciardi 1789, schließlich sind die Sonaten für Tasteninstrumente jeder Art spielbar. Insbesondere die Zungenstimmen der beiden Orgeln lassen aufhorchen, aber auch die Labialen sind von hoher Qualität. Schade, dass die Aufnahmetechnik die beiden Orgeln nicht deutlicher voneinander trennt, den Stereoeffekt könnte sich der Rezensent noch eindrucksvoller vorstellen.

Das Booklet (leider nur engl./ital.) beinhaltet nur eine knapp gehaltene instruktive Einführung von Scandali und die Dispositionen.
Fazit: Lehrer-Allüren der vergnüglichsten Sorte!

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
November 2018 / Mai 2019


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