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Pellegrini / Padovano - Complete Organ Music

Interpret: Luca Scandali
Instrument: Graziado-Antegnati-Orgel 1565 Basilica Santa Barbara Mantua
Label: Brilliant classics


Annibale Padovano (*1527 in Padua; †1575 in Graz) war von 1552 bis 1565 erster Organist am Markusdom in Venedig. Zusammen mit Girolamo Parabosco (1524 – 1557) und dessen Nachfolger Claudio Merulo (1533 – 1604) entwickelte er die venezianische Mehrchörigkeit unter Kapellmeister Adrian Willaert (1490 – 1562), sein schönstes Zeugnis solcher Mehrchörigkeit lieferte er später als Hofkapellmeister am Hof von Erzherzog Karl in Graz mit seiner Messe zu drei je achtstimmigen Chören ab. In die Musikgeschichte eingegangen aber ist er weniger durch seine Motetten, Messen und Madrigale, sondern vielmehr durch die Entwicklung der Toccaten und Ricercari. Die in der Regel auf gregorianische Cantus firmi zurückgehenden Themen versieht er mit Colorierungen verschiedenster Art und nutzt sie zu motivischer Arbeit. In seinen Toccaten versieht er Akkorde mit Laufwerk in der anderen Hand, woran er gerne polyphone Abschnitte anschließt.

Eine Generation später legt der Kapellmeister der Kathedrale in Pesaro Vincenzo Pellegrini (1562 – 1630) in Venedig 1599 seine Canzoni de intavolatura d’organo fatte alla francese, Libro I vor, in ihnen begegnen uns alle Merkmale der Canzonentechnik, polyphone Durchführung cantabler Themen, der Wechsel zum Dreiertakt, Schlussabschnitt in Toccatenart. Luca Scandali hat sie bei Il Levante Libreria Editrice neu herausgegeben.

Für diese Musik hat Luca Scandali das passende Instrument gefunden in der von Giorgio Carli aus Pescantina 2006 restaurierten Springladen-Orgel von Antegnati von 1565 in der Basilica Santa Barbara in Mantua. Das 12‘-Instrument verfügt über 9 Ripieno-Stimmen, 2 Flöten und Fiffaro sowie über 7 doppelte Obertasten gis/as und dis/es. Wunderschön dabei vor allem der Principal, der gemischt mit der Flauto in Ottava oder dem Fiffaro das Seine zur Verzauberung des Hörers dazutut.
Luca Scandali, Orgeldozent in Perugia, nutzt die Möglichkeiten des Instrumentes gut aus, setzt zu den originalen Colorierungen der Vorlagen noch etliche hinzu, was sicherlich legitim ist, schwer ist es allerdings, den kongenialen Geschmack zu treffen, wann es zu viel wird.
Das Booklet (nur engl./ital.) gibt die notwendigen Informationen, wobei es nicht leicht ist, die wenigen weit zurückliegenden Quellen mit zutreffenden weiteren Details anzureichern, immer noch ein weites Feld für die Musikwissenschaft. Insgesamt eine lohnende CD, die die Anfänge italienischer virtuoser Klaviermusik auf ansprechende Weise dokumentiert.


Rainer Goede - für www.orgel-information.de
November 2018 / Mai 2019


Diese CD ist im gut sortierten Buch-/Musikhandel erhältlich
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