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Fünf Stücke für Flötenuhr WoO 33

Komponist: Ludwig van Beethoven
Bearbeiter: Severin Zöhrer
Verlag: Carus

Als der 29-jährige Ludwig van Beethoven - seit 6 Jahren in Wien, hier zunächst Schüler Haydns, Albrechtsbergers und Salieris – seine 9. und 10. Klaviersonate und seine 1. Sinfonie geschrieben hatte, entstanden auch seine Stücke für eine Flötenuhr. Seit 1780 waren diese Luxusuhren in Wien bekannt, bis 1850 sind in Wien dann mehr als 40 Hersteller von Flötenuhren nachweisbar, unter ihnen Johann Nepomuk Mälzel, Sohn des Regensburger Orgelbauers und Mechanikers gleichen Namens. Lieferanten für die auf Walzen gespeicherten Stücke waren u.a. Haydn, Mozart, Cherubini und Salieri. So kann man sich gut vorstellen, dass Graf Joseph Deym 1799 bei dem aufstrebenden Beethoven diese Stücke für die Orgeluhr in seinem Wachsfigurenkabinett bestellte.

Der Eberbacher Bezirkskantor Severin Zöhrer hat sich der Mühe unterzogen, diese automatengerechten Stücke auf die Orgel zu übertragen. Was bei den Stücken II bis V und dem beigefügten Grenadiermarsch kaum Schwierigkeiten bereitet, beim Eingangssatz Adagio assai - der allerdings nicht zu langsam gespielt werden sollte - stellen sich doch vielerorts Fragen, wie die auf vier Systemen notierte Vorlage grifftechnisch spielbar übertragen werden kann. Eine möglichst getreue Übertragung wird kaum spielbar sein, eine stark reduzierte irgendwann fragwürdig. Conditio sine qua non jeder Übertragung ist jedenfalls, dass der Orgelsatz musikalisch sinnvoll bleiben muss. Zöhrer neigt mit einigem Recht mehr der ersten Richtung zu. Wer allerdings seine Lösungen als zwingend betrachtet, wird seine Orgelübeuhr nachstellen müssen. Leider beinhaltet die Ausgabe kein Faksimile dieses Satzes, so ist schlecht nachzuvollziehen, welche Töne fehlen oder oktaviert sind. Folglich kann es jedem Spieler überlassen bleiben, Zöhrers Übertragung für die eigenen Hände noch weiter zu bearbeiten, schnelle Repetitionen zwischen beiden Händen (T. 66) zu dezimieren, Nonengriffe und überflüssige Harmonietöne (T. 7, T. 56) zu vermeiden, schnelle Pedalrepetitionen (T. 49) zu unterlassen und schwierige Pedalläufe (T. 16ff, T. 42ff, T. 58f) durch Oktavierung ins Manual zu verlagern.

Die vorliegenden Stücke sind eine wahre Rarität im Oeuvre von Ludwig van Beethoven, des Öfteren bearbeitet für kammermusikalische Besetzungen wie Flöten- und Streichquartett, Flöten- und Bläserquintett oder Flöte oder Violoncello und Klavier. Eine erste Umsetzung auf die Orgel legte Ludwig Altman 1962 in der Edition Peters vor zusammen mit den Fugen durch alle Tonarten op. 39. Vollkommen wie auch einfach machte es sich 1982 Martin Haselböck, indem er die vier Systeme notengetreu für Orgel zu vier Händen setzte (UE). 2012 folgte eine Ausgabe von Donald Williams, auch eine Ausgabe von Maurizio Macella o.J. liegt vor.
Der neuen Carus-Ausgabe mitgegeben ist ein gut informierendes Vorwort des Bearbeiters, vor allem seine Bemerkungen zur Registrierung sind zu beherzigen. Einzig die Angabe der Quelle fehlt: Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz Mus.ms.autogr. Beethoven, L. v., Artaria 186.

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Dezember 2018 / Juni 2019


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