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Brahms in der Meininger Tradition

Autor: Fritz Steinbach
ISBN: 978-3-487-31183-8
Verlag: Olms

Wenn eine 3. Auflage innerhalb von vier Jahren benötigt wird, um die Nachfrage nach der “authentischen” Aufführungspraxis der Brahms-Sinfonien in Meiningen zu decken, so ist das bezeichnend für den heutigen Bedarf, interpretatorisch getreu an das Werk Brahms’ herangehen zu können. Das rund 105 Seiten starke Bändchen mit dem Untertitel Seine Sinfonien in der Bezeichnung von Fritz Steinbach (1855 – 1916, 1886 – 1903 Hofkapellmeister in Meiningen) kann hier den Weg weisen, denn  Steinbachs mit Brahms eng abgestimmte Partitur-Einzeichnungen  wurden damals von Walter Blume (1883 – 1933) genauestens aufgezeichnet und übersichtlich zusammengetragen.

Was das auf einer Internet-Orgelseite zu suchen hat? Die Antwort ist einfach: Die Gestaltung der Sinfonien ist höchst hilfreich für die Interpretation der symphonischen Orgelwerke Brahms‘. Die sind zwar mit den zwei Praeludien und Fugen in g-Moll und a-Moll und der Fuge as-Moll nur sporadisch in seinem Werk vertreten, aber auch die Choralvorspiele WoO 7 und op. 122 können nur gewinnen.

So nimmt Blume aus den Aufzeichnungen Steinbachs Stellung zu den Tempobezeichnungen, beschreibt die Praxis des Rubatos, der Phrasierung, einiges lässt sich aus den Stricharten der Streicher herauslesen. Wiederholt betont Blume, dass die Vorschriften des Komponisten genauestens zu beachten und zu studieren sind, was aber nichts mit Pedanterie zu tun hat. Präzision ist eines seiner Kernworte, wie mit leichten Tenutos und sinngemäßen Artikulationen, Taktverschiebungen und Taktänderungen (6/8 wird zu ¾) gearbeitet wird und öffnet damit Augen und Ohren für eine Brahms-gemäße Klanggestaltung. Der detaillierte Umgang mit den oft nur rhapsodischen Themenfetzen in den Sinfonien gibt jedenfalls deutliche Hinweise, dass das Dauerlegato, das man so oft bei seinen Orgelwerken zu hören bekommt, schlichtweg eine falsche Lösung der Gestaltungsfragen darstellt. Eine nach Blumes Aufzeichnungen  gestaltete lebendige Interpretation könnte dem Brahmsschen Orgelwerk heute jedenfalls wieder mehr „authentische“ Rezeption verschaffen.

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Dezember 2018 / Juni 2019


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