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Sinfonia d-Moll - in einer Fassung für Orgel solo

Komponist: Wilhelm Friedemann Bach
Bearbeiter: Rüdiger Wilhem
Verlag: Ortus


Sinfonia á 2 Travers: 2 Violini, Viola et Basso di W.F.Bach, so ist das Autograph, in der Staatsbibliothek  zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz wohl verwahrt, betitelt. Konzerte dieser Art dienten um 1740 als instrumentale Graduale (vergl. Mozarts Kirchensonaten)  in der katholischen Dresdener Hofkirche, als Organist an der evangelischen Hofkirche St. Sophien hat sich Wilhelm Friedemann wohl nicht ungerne an dieser Mode beteiligt.

Rüdiger Wilhelm hat die Sinfonie für die Orgel bearbeitet, um das geringe Ouevre Wilhelm Friedemanns für die Orgel zu bereichern. Solche Arbeit nimmt man dankbar entgegen und freut sich über die Maßen über die wunderschöne Musik des Eingangssatzes Adagio für zwei solistische Flöten und Streicherbegleitung – und stolpert schon im Takt 8 über Dezimengriffe der rechten Hand. Mit klugen Fingersätzen lassen sich die fraglichen Töne aber der anderen Hand zuweisen, wenn die Begleitung auf einem höheren Manual gespielt wird. Das will geübt sein! Im Takt 10 allerdings, wenn man keine großen Hände hat, hilft nur noch Oktavverlagerung der Begleitung, was musikalisch keine Einbuße darstellt und gut machbar ist. Übertragungen vorliegender Art müssen nicht notengetreu sein, sondern greifbar, Rüdiger Wilhelm versucht jedoch eine genaue Übertragung möglichst überall. So ist das Abziehen des 16‘-Registers im Pedal bei Takt 37 musikalisch auch nicht unbedingt nötig, wenn man keine dritte Hand zur Verfügung hat. Belohnt wird man jedenfalls von einer so wunderschönen Musik, dass sich das Einrichten und Üben dieser Takte unbedingt lohnt!

Der zweite Satz Allegro e forte ist eine Fuge, in dem die Flöten entweder schwiegen oder den Part der ersten Violine mitspielten, das lässt sich aus den Quellen nicht einwandfrei erlesen. Was für ein möglicherweise mit bis zu zehn Spielern besetztes Orchester bereits durchaus konzentrierte Aufmerksamkeit braucht und Wilhelm Friedemanns Ansprüche unterstreicht, für einen Organisten wird dieser Satz spieltechnisch wirklich anspruchsvoll. Aber auch hier gibt es Möglichkeiten, durch vorsichtige Umlegungen oder Auslassungen, die den harmonischen Satz nicht beeinträchtigen, den Satz grifftechnisch zu vereinfachen, um so Rüdiger Wilhelms erfolgte Mühe zu einem sicheren Ergebnis zu führen. Wenn man dann noch eine Orgel spielt, die über ein Traversregister und eine Gemshornstimme für die Streicherbegleitung, die im ersten Satz den Hinweis con sordino e sempre piano trägt, verfügt, kann man sich nur glücklich schätzen.

Und so sei wiederholt: belohnt wird man jedenfalls von einer so wunderschönen Musik, dass sich das Einrichten und Üben dieser Sinfonie unbedingt lohnt, für den Spieler und gleichfalls für den Zuhörer!

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Dezember 2018 / Juni 2019


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