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Die Moldau
Organ Transcriptions - Late Editions & Works composed for Organ

Interpret: Harry van Wijk
Label: Raven

Geld spielte wohl damals keine Rolle. Die Skinner-Orgel im Girard College in Philadelphia von 1933, Op. 872 mit ihrem Hang zur Gigantomanie zeigt das.
Allein fünfmal (!) ist der 32´ im Pedal vertreten als: Resultant, Diapason, Violone Great, Bombarde und Fagotto. Unterschiedlicher Winddruck in den einzelnen Werken, expressive Flöten, Streicher, Zungen, milde Mixturen und die unverwüstlichen pitman-Windladen prägen das exzellente Instrument.
Das Girard College (heute Internat) wurde seinerzeit durch die Stiftung von 5 Millionen Dollar gegründet, die Stephen Girard (1831 verstorben) zweckgebunden hinterlassen hatte.

Für die Aufnahme an genau dieser besonderen und einmaligen Orgelanlage hat Harry van Wijk aus den Niederlanden einige tausende Kilometer
Reisestrapazen auf sich genommen. Und er enthält für die Wahl bislang ausnahmslos dafür Zustimmung. Auf dessen Homepage (http://www.harryvanwijk.nl/) finden sich auch Klangbeispiele und bereits drei englisch-sprachige Rezensionstexte. Auch wird Prof. Joh. Geffert, Bonn, zitiert: "Eine sehr schöne Aufnahme. Alles ist sehr lebendig gespielt, voller Energie und Kraft".

Der Titel "Die Moldau" ist indess zunächst sicher schon etwas irreführend, weil neben Smetana eben auch weitere Werke aus Klassik und Romantik eingespielt sind. Bei dem ersten Stück, Fantasia in f-Moll, KV 608, von W.A.Mozart, hätte ich mir allerdings eine hellere und strahlendere Registrierung gewünscht, damit die Punktierungen noch etwas plastischer erscheinen können.
Für Rheinberger (Sonate IV) mit seinen harmonischen Weiten und Kühnheiten ist das gewählte Referenz-Instrument ideal und adäquat. Die vielfältigen Klangflächen haben teils schwebende, überirdische Wirkungen und sind niemals überzogen aufdringlich oder sentimental. Einen ähnlichen Eindruck erfährt
man ebenfalls bei Smetana, Guilmant, Bossi, Franck. Welch wunderbare Musik auf einem einzigartigen Instrument.
Die meist hochdramatische Musik - in der Spannung von Donnergrollen bis hin zu idyllischen Momenten - wird hervorragend durch den Interpreten
ausgelotet. Und alle spieltechnischen Raffinessen der Orgel (Oktavkoppeln, Schwebungs-Effekte, Schwellwirkungen, Walze) können integriert werden.

Barbara Bannasch ist für die Transkription "Die Moldau" (Konzept 1995, 1992 im Verlag Edition Dohr, Köln) sehr zu danken. Dadurch ist ein faszinierendes weiteres epocheales Werk mit hohem Sympathiefaktor und Bekanntheitsgrad für die orchestrale sinfonische Orgel erschlossen.
Von ähnlich gewaltiger Wirkung sind "Scherzo" von M.E. Bossi und "Piece Heroique" von C. Franck. Zuvor ist "Cantilene Pastorale" von A. Guilmant
wechselweise Principal Flute und Oboe mit versöhnlichem Charme zu hören. Den Abschluss der CD bilden Tango und Fandango von Margreeth C. de Jong (Notenveröffentlichung im Musikverlag Dr. J. Butz, Bonn). Letzteres temperamentvolles Stück erklingt mit markant knackigen Fanfaren (Trompeten-) Sound.

Vom ersten bis zum letzten Ton: Musik für besondere Momente, die ich mir immer wieder gerne anhöre.

Christoph Brückner - für www.orgel-information.de
Dezember 2018 / Juli 2019


Diese CD ist im gut sortierten Buch-/Musikhandel erhältlich
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