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In Organis et in Discantu - Music from the County of Loon and The Principality of Liège

Interpreten: Luc Ponet, Orgel / Ensemble Utopia / Leitung: Hendrik Vanden Abeele
Label: Et'Cetera KTC

Die Organistentätigkeit in der Zeit des Gregorianischen Chorals und der Polyphonie im Fürstbistum Lüttich und in der Grafschaft Loon in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts“ nachzeichnen will diese Einspielung. Als Quellen dienten zwei länger bekannte Bände: eine Sammlung von Orgelstücken von 1617 aus der Abtei der Kreuzbrüder und ein Chorbuch von 1645 aus der Kathedrale Lüttich, hinzu kamen 2003 zwei Funde: eine Orgelhandschrift aus einem Schloss in der Nähe von Tongeren von 1626 und ein bereits verzeichnetes Manuskript aus dem British Museum von 1618, das auf Grund von gleichen Registerbezeichnungen nun der Abtei der Kreuzbrüder in Lüttich zugeordnet werden konnte. Aus den letzten beiden Bänden hat Ponet ein Programm zusammengestellt, das die Anforderungen an das Orgelspiel in der Messe und Vesper darstellt. Kyrie, Gloria, Sanctus, Agnus und ein Magnificat erklingen so alternatim mit der hervorragend singenden Schola der Psallentes (die Endkosonanten allerdings fehlen) und der Orgel der Beginenhofkirche (Christian Ancion de Huy, 1644, I/10, restauriert 1996 von Pierre Decourcelle), ein reiches Klangwunder des 17. Jahrhunderts. Monstrance ist der herrlich klingende Principal 4‘ betitelt, ein Dyton (2/5‘), ein dreifaches Cornet im Diskant  und eine Claron (Bass 4‘, Diskant 8‘) liefern aparte Farben.

Im zweiten Teil der CD sind Werke von in Lüttich geborenen oder wirkenden Kapellmeistern wiedergegeben, die frühe Fuga 17 von Simon Lohet, die herrlich spielerische Echomotette „In lectulo meo“ (1652) von Henri Dumont und das gewichtige Salve Regina von Léonard de Hodémont, eindringlich vorgetragen von dem Ensemble Utopia. Warum bei einem weiteren Magnificat aus dem Tongeren Manuscript, gespielt auf der Transsept-Orgel der Onze-Lieve-Vrouwebasiliek (Manufacture D'orgues Thomas, Stavelot (B), 2014, II/20) ein Solist die Schola vertritt, ist nicht begründet.

Im Booklet sammeln sich leider einige Schwachpunkte: die Vorstellung der Vokalgruppen sind beim englischen Text versteckt, die (engl.) Übersetzungen der lateinischen Texte fehlen teilweise, eine deutsche Übersetzung fehlt leider ganz. Die Angaben zu den Orgeln sind sehr dürftig, schon bei den Dispositionen ist man auf das Internet angewiesen, das zudem differierende Angaben liefert. Die Übersetzung des Einführungsartikels von Ponet wirkt ziemlich wörtlich, was die Verständlichkeit erschwert. Doch ist sein Text gut gegliedert und liefert für die Einspielung die grundlegenden Informationen.

Das gekonnte Spiel von Luc Ponet, Titular der Basilika in Tongeren, überzeugt in jedem Moment, sein Engagement für die vorliegende Thematik verdient großen Respekt. Wahrscheinlich ist seiner Initiative auch die Restaurierung seiner Basilikaorgel (Thomas 2002, IV/49 nach J.B. le Picard 1752) zu verdanken, die er auf dieser CD leider nur kurz erklingen lassen kann.

Schon wegen der Alternatim-Messe aus dem Manuskript des British Museum von 1618 ist der Hörer dieser CD reich belohnt.


Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Januar 2019 / Juli 2019


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