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Antonio de Cabezón

Interpret: Léon Berben
Instrument: Orgel in St. Andreas Soest-Ostönnen
Label: Aeolus


Léon Berben, Titular-Organist an der historischen Orgel der St.-Andreas Kirche in Ostönnen, wohl eine der ältesten spielbaren Orgeln der Welt (c. 1425/1722), ist auf der Suche nach zu seinem Instrument passender Literatur auf das Werk Cabezóns gestoßen. Antonio de Cabezón (* 30. März 1510 in Castrillo Matajudíos bei Castrojeriz; † 26. Mai 1566 in Madrid) war Hoforganist Karls V. und später Philipps II. Zu ihrer Zeit bauten viele flämische Meister in Spanien Orgeln, die Unterscheidung nach geographischen Gegebenheiten war also noch wenig ausgeprägt, weshalb die Ostönner Orgel durchaus ein adäquates Instrument für Cabezóns Musik darstellt. Cabezóns gesammelte Werke ließ 1578 sein Sohn Hernando drucken, in einer deutschen Auswahlausgabe stehen sie seit knapp 10 Jahren problemlos auch hierzulande zur Verfügung.

Mit Cabezón tritt einer der ersten weltweit bedeutenden Organisten in das Rampenlicht abendländischer Orgelgeschichte. Berben spielt hier eine Reihe seiner Himnen, Tientos, Cancións, Intervolierungen, Messesätze und Differencias. Bereits im ersten eingespielten Tiento del primer ton, gespielt auf dem wunderschönen Principal, führt er seine Kunst der Verzierung vor, denn mit dem nackten Tongerüst ist es in der alten Musik Spaniens nicht getan. Zeitgenössische Anleitungen für die Verzierungen sind kaum überliefert, erste Hinweise sind bei Tomás de Santa María zu lesen, Aguilera de Heredia und Francisco Correa de Arauxo gehören bereits einer späteren Generation an. Leider sind viele Verzierungen Berbens etwas undeutlich gespielt, auch rhythmisch geht es bei aller Freiheit mit Berben so manches Mal einfach durch. Trotzdem bleibt sein Phantasiereichtum bewundernswert. Die wundervollen Klänge des Instruments führt er abwechslungsreich vor, seine Bookletbeiträge sind unbedingt lesenswert. Kurioserweise fehlt bei der Auflistung der Disposition auf S. 21 die Superoktave 2‘, ein sympathischer Fehler.

Wer das Instrument in Ostönnen und das Werk von Cabezón noch nicht kennt, der findet in dieser CD eine profunde Hinführung.

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Februar 2019 / September 2019


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