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Arp Schnitger

Autor: Konrad Küster
ISBN: 978-3-86935-358-6
Verlag: Ludwig

Rechtzeitig zum 300. Todestag Arp Schnitgers am 28. Juli 1719 brachte der Freiburger Musikgeschichtler Konrad Küster, breit bekannt geworden  durch seine Veröffentlichungen zur Orgelkultur in den Marschen und zur Musik zur Lutherzeit, seine Schnitger-Monographie mit dem Untertitel Orgelbauer – Klangarchitekt – Vordenker heraus. Erstaunlich bei der Popularität und Bedeutung Schnitgers ist, dass seit Gustav Focks grundlegender Monographie (Kassel 1974) nur ein bedeutender Bildband zu den erhaltenen Orgeln und Prospekten Schnitgers, herausgegeben von Cornelius H. Edskes und Harald Vogel (Bremen 2009), erschienen ist. Insofern war eine neue Biographie überfällig.

Küster beschreibt in sieben Abschnitten Schnitgers Herkunft und Hintergrund, Kreise um Stade und Hamburg: Frühe Selbstständigkeit, In der Provinz Groningen, Internationales Wirken, Schnitgers Spätwerk, Musik an Schnitgers Orgeln, Erinnern-Wiederentdecken-Bewahren Werden und Wirken und veranschaulicht dazu das Zeitgeschehen, die sozialen, theologischen und liturgischen Bedingungen. Das alles liest sich auf 232 Seiten mit 4 S/W- und 85 Farbabbildungen so, als würde er eine Vorlesung halten, unterhaltsam locker im besten Sinne, mit etlichen Wiederholungen zur Klarstellung und mit teils improvisatorischen Satzgefügen, die aber die Schlüssigkeit seiner Folgerungen keineswegs beeinträchtigen.

Zwei wichtige Details sind herauszuheben: Zum einen liest Küster den Namen des Scherer-Schülers und Nachfolgers Gottfried Fritzsche neu als Frietzsch, leider ohne dies mit einem Faksimile zu unterlegen. Zum anderen teilt er das Oeuvre Schnitgers in zwei Epochen: ab Magdeburg, St. Johannis (1695, III/62), sieht er zur Tradition des Hamburger Prospekts (welchen Begriff er nirgends verwendet) eine Wendung hin zum Werk hinter einem einheitlichen Prospekt mit Manual- und Pedalwerken in einer Flucht. Dass diese Prospektform in den Landschaften Mitteldeutschlands schon zuvor durchaus üblich war, bezieht er nicht in seine Überlegungen ein. Es wäre höchst interessant zu wissen, wie Schnitger zu dieser für ihn neuen Orgelkonstruktion, die natürlich die Entwicklung zu einer weniger absoluten Werkkonstruktion öffnet, gekommen ist. Hat es über den nachgewiesenen Kontakt mit Georg Christoph Stertzing hinaus bereits zuvor einen kollegialen Austausch mit Orgelbauern aus Brandenburg und Thüringen gegeben? Nichts ist bekannt über die Risse Schnitgers und deren Änderungen, die seine Gesellen vor Ort noch vornehmen mussten. So ist dieser Werdegang wohl nicht mehr nachzuvollziehen. Interessant allemal der Schluss, den Küster daraus zieht: Schnitger hat den Weg in die Richtung einer symphonischen Orgel eingeschlagen.

Auch wenn man dem nicht so recht folgen mag, Küsters Buch ist die wichtigste Edition zum Schnitgerjahr 1919. In seiner kompakten Zusammenschau der Orgelbaubedingungen in Friesland, Norddeutschland und andernorts ist es ein ganz unvergleichliches Kompendium, das in jeden Bücherschrank aller derer gehört, die sich näher mit Orgeln beschäftigen.


Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Dezember 2019 / März 2020


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